Und da unterschlagen wir kurz einfach mal das Vorjahr in dem Werder mit Diego 10 Punkte in einer Gruppe mit Barca und Chelsea geholt hat.
Ich unterschlage gar nichts.

Aber auch über dieses erste Halbjahr wurde hier, an anderer Stelle und auch schon damals genug debattiert, deswegen hab ich das bewusst nicht angeführt, auch wenn Du statistisch natürlich recht hast. Das erste Halbjahr 2006/2007 war noch wesentlich vom Micoud` schen Kombinationsfussball geprägt, weil eine über Jahre eingespielte Spielweise nicht von heute auf morgen einfach weg ist. Zu dieser Spielweise war mit Diego eine ganz andere, unberechenbare Komponente gekommen, die uns unter Micoud fehlte, nämlich diese individuelle Klasse und Unberechenbarkeit, wenn es um den direkten oder indirekten Torabschluss geht, die Diego verkörperte. So hatten wir in diesen ersten Diego-Monaten eine Sondersituation und auf diese Weise Gegner mit teilweise 6 Toren an die Wand gespielt. Das war aber bald vorbei und auch logisch nachvollziehbar, warum das so war. Denn wenn du als Mitspieler vom zentralen Akteur, so wie Du das vorher gewohnt warst, auch nach dem zehnten Vorstoß in den freien Raum keinen Steilpass bekommst, fährst du eben irgendwann Laufbereitschaft und Engagement zurück. War damals bei Werder schön zu beobachten. Ich habe in den 90ern ein paar Jahre im DM oder Vorstopper gespielt, da bekommst Du viel mit von der Dynamik einer Partie, die vor Dir abläuft, besonders was Laufwege und Ordnung im Mf angeht. Und ich habe auch danach unterschiedliche offensive Spielertypen trainiert. Bei Werder zogen sich bestimmte Dinge seinerzeit nach und nach durch alle Mannschaftsteile, auch ein Baumann baute bspw. immer mehr ab, da er mit seiner One-Touch-Spieleröffnung und demgegenüber Diego sich mit der völlig anderen Spielauffassung gegenseitig in gewissem Masse "im Wege" standen. Ausserdem kann ich mich noch an einige Spiele erinnern, wo der "U" (ohne seine Verfehlungen schönreden zu wollen) regelmäßig entnervt abwinkte, weil er wie gewohnt geschickt die Laufwege kreuzte, um Platz zu schaffen oder über die Zwischenstation den idealen Passweg suchte, der Ball aber bei Diego war und blieb. Weil Diego eben nicht in der Lage ist, wie Micoud oder Özil Räume zu erkennen oder über zwei, drei Spielzüge zu denken. Es ist spekulativ, ober das schwindende Engagement des "U" nur allein an seinen Wechselabsichten lag.
Nicht zu vergessen, wie der Junge in der EL z.T. im Alleingang Udinese abgefertigt hat und auch gegen den HSV hat er uns am Leben gehalten, sowohl im DFB Pokal als auch im UEFA Cup (nur um DanielWTMs Liste zu ergänzen).
Sag ich doch! In solchen Wettbewerben funktionierte das System "Diego". Aber zunehmend eben nur noch da. Die Betonung liegt auf "Alleingang". Ich war gegen Udinese live dabei und in gerade diesem Spiel war schnell zu sehen, dass nur Einzelaktionen entscheiden konnten, da das Spiel in flacher Hierarchie nicht existent war. Das ist übrigens meinem Nebenmann in der Ost gleich aufgefallen.
Das Problem ist nicht, dass Diego nicht Fussball spielen kann, dass Problem ist, dass Diego bisher nie bereit war, sich mit seinen Fähigkeiten taktisch anzupassen und unterzuordnen. Nicht in Porto, nicht bei Werder, nicht in Turin und bis jetzt auch nicht in Wolfsburg. Mit bekanntem Ergebnis. Man kann höchstens darüber spekulieren, ob Diego das so durchzieht, um seinen Status nicht anzukratzen oder es schlicht selbst noch nicht verstanden hat.
Ich habe allerdings Verständnis dafür (auch für die Beleidigungen), dass wenn das mal angesprochen wird, bei denen die Nerven blank liegen, die den Personenkult um Diego nach wie vor forcieren.