Sind Fehler bei uns wirklich so überproportional vorhanden, im Gegensatz zu anderen Vereinen?
Für diese Frage wurde ich schon geschlagen - virtuell.
Das Ding ist, ich sehe Clemens Fritz auch kritisch, vor allem menschlich. Nicht weil ich ihn unsympathisch finde, sondern weil er eine gewisse Art an sich hat, die ich nicht als krisensicher ansehe. Man merkt ihm auch schnell an, dass er bockig wird.
Ich habe mich auch tierisch darüber aufgeregt, dass er so ewig lange an Steffen festgehalten hat, obwohl spätestens nach dem Hinspiel gegen den HSV klar war, dass es nur noch bergab gehen würde.
Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass man bei der Art der Fehler klar unterscheiden muss.
A. Fehler, die Vereinsstrategie sind (und nicht Clemens Fritz)
-Budgetierung
-strukturelle Probleme
-Personalentscheidungen in der Führungsebene
B. Fehler, die korrigierbar sind
-Falsche Trainer, bzw. Trainerentscheide generell
-Kleine Kaderentscheidungen
C. Fehler, die nicht korrigierbar sind
-Große Kaderentscheidungen
-Zu späte Trainerentscheidungen
D. Kleine vermeidbare Fehler
-Kommunikationsfehler
-Fehler in der Außendarstellung
-Kleine Risiko-Transfers
E. Große vermeidbare Fehler
-Falsche Kaderzusammenstellung (zusammen mit Trainer)
-Große Risiko-Transfers
F. Klare Transferflops
Fatal sind hier Fehler der Kategorie C, E und F (wenn es viele sind).
Wobei man beim Thema Transferflops sagen muss, dass das sehr relativ ist. Es gibt sehr wenige Transfers, bei denen man wirklich von schlechtem Scouting sprechen kann. Dafür gibt es zuviele Faktoren, die nicht gescoutet werden können, z.B. Anpassungsschwierigkeiten, sprachliche Barrieren, Klimaprobleme, menschliche Probleme, Verletzungen, Kompatibilität mit Trainer und Mannschaft, etc.
Irgendwo ist jeder Transfer immer eine Art Glücksspiel. Das ist bei jedem Verein so. Je besser ein Verein insgesamt auftritt, desto weniger solcher Fehler gibt es, bzw. diese fallen nicht so sehr auf, siehe z.B. bei den Bayern.
In meinen Augen wurden folgende Fehler von Clemens Fritz gemacht im Sommer (unabhängig von Fehlern, die der VEREIN vielleicht schon vorher gemacht hat:
1. Freistellung Ole Werner (B)
Ich muss hier differenzieren, da ich nachvollziehen kann, dass man einen Trainer wie Ole Werner nicht ablösefrei gehen lassen wollte. Daher musste er schon im Sommer 25 gehen. Was ich nicht nachvollziehen kann, ist die verfrühte Entscheidung, ihn an RBL abzugeben für nen Appel und nen Ei. Da gab es überhaupt keinen Druck. Leipzig hatte den Druck. Wir selbst hätten locker noch bis zum Herbst warten können, wenn die ersten Vereine ihre Trainer raushauen. Vielleicht war das aber auch alles ein nettes Zugeständnis an Ole. Man weiß es nicht.
Fazit: War natürlich schlimm, gerade für mich als Fan von Ole Werner. Aber ich kann die Entscheidung im Grundsatz nachvollziehen. Ole hatte sich gegen eine Verlängerung entschieden und das muss man dann so akzeptieren.
2. Einstellung Horst Steffen (B)
Ich gehöre ja bekanntermaßen zu denen, die den Transfer schon ganz am Anfang kritisch sahen. Konnte den Hype um Steffen nicht nachvollziehen.
Dennoch habe ich auch direkt gesagt, dass er eine Chance bei mir bekommt und bis zum Herbst hatte er die auch. Dass es so fatal werden würde, hab ich aber auch nicht kommen sehen.
3. Zu späte Freistellung von Horst Steffen (B oder C, je nach Saisonausgang)
Man hätte hier locker schon vor Weihnachten tauschen müssen. Die Talfahrt in sämtlichen Fußballgrundtugenden war so offensichtlich. Dennoch wollte man Geld sparen und hielt weiter an ihm fest. Wir dürfen alle weiter hoffen, dass es nicht zu spät war. Zum Glück hat Daniel Thioune uns noch im Spiel gehalten. Das hätte auch noch übler sein können.
4. Kommunikative Fehler (D)
Dazu zählt natürlich der Leihspieler-Eklat und eben auch die Bockigkeit von Clemens Fritz zum Teil.
5. Horst Steffen wurden zuviele Freiheiten gegeben (E)
Systemumstellung und Mannschaftsumbau ohne jede Not und ohne jeden Einwand seitens der GF Sport. Ist fatal.
Beim Thema Transfers ist es nicht abschließend zu beurteilen. Die grundsätzliche Kaderzusammenstellung basierte auf den Wünschen von Horst Steffen und somit einem 4:2:3:1. Hielt ich damals schon für falsch, da der vorhandene Kader eigentlich an ein 3:5:2 gewöhnt war und eventuell fiel dem auch Marvin Ducksch zum Opfer. Der neue Kader ist eher optimiert auf 4:3:3, was Horst Steffen hätte erkennen müssen, Daniel Thioune hat es.
Das gilt vor allem auch für die Personalie Mbangula. In beiden von Steffen gespielten Systemen war eigentlich kein Platz für Mbangula, da er offensive Freiheiten braucht. Das ist im 4:3:3 machbar, aber da blockiert nun Romano Schmid den Platz. Ich will Mbangula aber noch nicht abschreiben. Dafür besitzt er zuviel Potenzial. Er hat immerhin 7 Scorer auf dem Konto.
Die Stürmersuche ist von Außen schwer zu beurteilen, ob da gepennt wurde oder nicht. Man hat sich früh auf Asllani eingeschossen und den dann nicht bekommen. Danach haben alle anderen Kandidaten nach und nach abgesagt und wirklich Budget war halt auch nicht vorhanden. Die Entscheidung für Boniface am Ende sehe ich nicht als Fehler. Wäre Boniface nicht gekommen, wäre halt niemand gekommen. Den Versuch war es wert. Es muss lediglich aufgearbeitet werden, ob man einen anderen brauchbaren Stürmer hätte bekommen können. Ist nur für uns nicht zu beurteilen. Wir sehen nur, dass man einen Stürmer holen wollte und es nicht geschafft hat.
Alle anderen Transfers sehe ich unkritisch. Das Verletzungspech konnte keiner ahnen, außer vielleicht bei Wöber und Boniface, aber das war kalkuliert. Leihspieler zu holen, war das einzig Sinnvolle, was Clemens Fritz ohne Budget tun konnte. Die Alternative wären Talente aus den eigenen Reihen gewesen. Ob das dann besser gewesen wäre, schwierig.
Woran sich Clemens Fritz also vor allem bewerten lassen muss, sind die Entscheidung Steffen (inkl. dessen Macht) und die Kaderzusammenstellung mit diesem. Ergebnis: Offen
Bei Abstieg müsste Clemens Fritz zwingend seinen Hut nehmen. Bei Klassenerhalt wäre es in meinen Augen ziemlich sinnfrei mit einer Entlassung, da sich nichts ändern würde dadurch. Eher müsste man mit ihm die Fehler des letzten Jahres korrigieren und mit Daniel Thioune dann neu aufbauen. Hier muss dann auch zwingend zugesehen werden, dass Mbangula seinen Platz findet.