Er hat über weite Teile seiner Trainerkarriere enorm von ganz starken Einzelspielern profitiert, die eben immer eine Idee hatten.
Komischerweise waren die ganz starken Einzelspieler überwiegend nur unter Schaaf so stark. Komischerweise hatten unter anderem Diego, Micoud, Ailton, Ismael, Ernst, Pizarro unter Schaaf ihre beste Zeit. Und komischerweise waren sie unter anderen Trainern dann auf einmal keine ganz starken Einzelspieler mehr.
Ich bin überzeugt davon, dass viele den Wert von Thomas Schaaf für Werder Bremen massiv unterschätzen. Werder hat mit Spielern wie Fahrenhorst (inzwischen viertklassig), Vranjes (inzwischen arbeitslos), Jensen (Ersatzspieler bei einem italienischen Abstiegskandidaten) und Sanogo (inzwischen arbeitslos) Champions League gespielt. Dass Schaaf über einen langen Zeitraum mehr rausgeholt hat als der Kader eigentlich hergab, steht meiner Meinung nach außer Frage. Das finde ich alles andere als unmodern.
Genauso bin ich davon überzeugt, dass die Qualität der Neuzugänge der letzten Jahre massiv überschätzt wird. Wenn Denni Avdic nicht mal in der Dritten Liga und Sandro Wagner auch nicht für Lautern trifft, ist das nicht die Schuld des Trainers. An Marin und Arnautovic sind schon ganz andere Trainer verzweifelt. Bei Carlos Alberto, Marcelo Moreno und Dusko Tosic haben die Forums-Experten prognostiziert, dass sie unter einem anderen Trainer groß rauskommen würden, aber das Gegenteil ist geschehen.
Es ist leider so, dass der Kader qualitativ nicht ins obere Tabellendrittel der Bundesliga gehört. Wenn dann noch permanent 5 bis 7 Stammspieler ausfallen, dann wird es schwierig. Außerdem sollen noch Talente integriert werden, die noch A-Jugend spielen könnten. Werder hat das meiner Meinung nach sogar erstaunlich gut aufgefangen und steht trotz all dieser Umstände auf Platz 7.
Natürlich kann man auf das Prinzip Hoffnung bzw. auf Aktionismus setzen und für einen Trainerwechsel sein. In Kaiserslautern, Köln, Berlin oder Hoffenheim wurde das genauso gehandhabt. Meiner Ansicht nach ist die Gefahr, dass es danach schlechter wird, aber viel größer als das Prinzip Hoffnung.
Auch ein neuer Trainer hätte Probleme, wenn über Monate ganz wichtige Leistungsträger wie Naldo und Hunt ausfallen. Und auch ein neuer Trainer könnte nichts an dem Qualitätsverlust der letzten Jahre ändern. Und auch ein neuer Trainer könnte nichts daran ändern, dass Werder einen Sparkurs fahren muss, während andere Vereine in der Winterpause noch Ibisevic bzw. einen Stürmer von Manchester United dazu holen können (Wolfsburg erwähne ich erst gar nicht).
Ein neuer Trainer lohnt sich immer dann, wenn der Trainer über einen längeren Zeitraum nicht das Potential ausschöpfen kann oder aber das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer gestört ist. Beides sehe ich in Bremen absolut nicht.
Interessant finde ich, dass vergleichsweise wenig Kritik an Allofs geäußert wird, obwohl dessen Personalpolitik der letzten Jahre wirklich sehr unterdurchschnittlich war, wohingegen von Schaaf jetzt erwartet wird, dass er mit diesen Spielern in der Liga durchstartet. Ich kann mir das nur so erklären, dass Allofs eloquent in der Öffentlichkeitsarbeit rüberkommt, während Schaaf nicht der Typ ist, der in jede Kamera grinst. Die Zusammenarbeit mit den Medien ist für mich aber kein Gradmesser für die Qualität des Cheftrainers.