Welches Anspruchdenken? Die Erwartung, dass der Trainer Leben in die Mannschaft bekommt? Dass Spieler entsprechend ihren Fähigkeiten eingesetzt werden? Ist das auch durch die ach so schlechte Infrastruktur in Bremen nicht möglich?
Liegt es auch an den mangelnden Möglichkeiten Werders, dass Wesley, Arnautovic, Ekici und inzwischen auch Marin floppten? Waren ja nur 25 Mio Ablöse. Ist es das Erwartungsdenken der Fans, dass Allofs die Personalkosten hochgetrieben hat. Ist es das Erwartungsdenken der Fans, wenn Lemke mit Allofs aneinandergerät?
Sehr polemisch, aber trotzdem:
Man liest bei vielen zwischen den Zeilen, dass alles außer das Erreichen der CL eine gescheiterte Saison ist.
Natürlich muss Leben in die Mannschaft, was natürlich auch (aber nicht ausschließlich) an den motivatorischen Fähigkeiten des Trainers liegt.
Was die gescheiterten Einkäufe angeht, muss man sich einfach mal die Entwicklung auf dem Transfermarkt anschauen. 2004 war es ein Riesen-Schritt, einen Kracher wie Miro Klose für 5 Mio zu holen Ein Diego war auch nur minimal teurer. Heute werden Namen wie Charisteas oder Sanogo für ähnliche Summen transferiert. Für Werder bedeutet das, dass man für eine nahezu sichere Verstärkung wesentlich mehr Geld in die Hand nehmen muss und für gewohnte Summen immer häufiger nur Wundertüten bekommt.
Außerdem muss man sehen, dass es mit steigendem Niveau der Mannschaft immer schwieriger wird, diese punktuell zu verstärken. Vor allem wenn man plötzlich mehrere Jahre in Folge CL spielt und vorher jahrelang einen Kader hatte, der Mühe mit der UEFA-Cup-Quali hatte und natürlich auch dementsprechend entlohnt wurde.
Beißt man sich erstmal in der CL fest, gleicht sich selbstverständlich auch das Gehaltsniveau an, wie auch die Ansprüchen an potenziellen Neuzugängen, die natürlich auch Verstärkungen sein sollen.
Dennoch ist man gegenüber den CL-"Dauergästen" im Nachteil, weil man eben nicht mal eben 20 Mio Ablöse überweisen kann. Da ist es doch nur die logische Folge, dass man Spieler mit ansprechendem Lebenslauf holt (Silvestre), aufstrebende Talente auf die schon die ganz großen aufmerksam wurden (Arnautovic) oder Spieler, die in ihren alten Vereinen für Furore gesorgt haben (Marin bei Gladbach, Avdic als dänsicher Torschützenkönig). Im Hinblick auf die Referenzen und dem angestrebten Preis-Leistungsverhältnis haben all diese Transfers zunächst einmal Sinn gemacht. Dennoch bargen sie ein Risiko - im Falle dieser Spieler ist es jeweils eingetreten. Ob sich diese Spieler noch akklimatisieren oder verletzungsfrei bleiben bzw. in Bremen weiterentwickeln können, bleibt abzuwarten.
Jedenfalls kann man Allofs in meinen Augen nicht vorwerfen, das Gehaltsgefüge dauerhaft aufgebläht zu haben. Man hat 5 Jahre CL in Folge gespielt und konnte gute Spieler nach Bremen locken. Logisch, dass die Spieler sich den Erfolg vergüten lassen - und logisch dass man das Grundgerüst an Spielern aus erfolgreichen Zeiten halten möchte. Das geht nur mit Geld - und mit der Gewissheit dass woanders noch besser gezahlt wird, muss man schon bis zu einer bestimmten Obergrenze mitgehen.
Hinzu kommt, dass Schalke, Wolfsburg oder Bayern weitaus höhere Schmerzgrenzen haben und Werder immer noch das Risiko minimiert hat und sich von allzu gierigen Spielern eher mal getrennt hat. Hätte man dies ähnlich riskant gestaltet wie Schalke oder Wolfsburg, wäre das kein Garant für mehr sportlichen Erfolg gewesen - und der Ausverkauf bei Nicht-erreichen des internationalen Geschäfts wäre wohl schon ein Jahr eher ins Rollen gekommen.
Das sind eben Probleme, die auch bei der Kadergestaltung eine Rolle spielen und mit denen der Trainer fertigwerden muss. Da greifen zu viele Rädchen ineinander, als dass man sagen könnte ein anderer Trainer könnte jetzt das Ruder herumreißen.