Ja, aber was bringt es dem besten Bäcker, wenn sein Teig nicht aufgeht?
Mal Spaß beiseite, gehört zwar hier nicht hin, aber wenn ich mir die sportliche Entwicklung von Werder in den letzten 20 Jahren ansehe, dann wird eines ganz deutlich: Werders sportlicher Werdegang war für mich immer so ein bischen wie der Ritt auf einer Rasierklinge. Man hatte immer eine gesunde Mischung aus alten Hasen, wirklich großen Talenten, Eigengewächsen und mitunter auch schwierigen Charaktären.
Hin und wieder wurden die ehemals großen Talente als fertige Spieler für viel Geld abgegeben und der Gewinn in neue Talente investiert, zu kleinem Preis.
Alte Hasen haben ihre Karriere beendet und andere wurden eben die "neuen" alten Hasen.
Schwierige Charaktäre wurden auch in Bremen nie wirklich lammfromm (Basler), haben aber ihren Teil dazu beigetragen, dass das Gesamtkonstrukt "Werder" immer wieder Erfolg hatte.
Das alles lief solang gut, bis eben eine Komponente nicht mehr in dem Maße vorhanden war, wie es über viele Jahre der Fall war: in meinen Augen sind dies vielversprechende Talente.
Ich denke hier hat uns mit Özil das letzte ehemalige Talent verlassen und nicht Adäquates ist hinzugekommen.
Im Augenblick sehe ich eine Menge der sogenannten Eigengewächse, die aufgrund des bevorstehenden Umbruchs im Sommer, der unweigerlich kommen wird, langsam aufgebaut werden sollen. Nur dies hätte m. M. n. schon in den letzten Jahren erolgreicher in der 2. Mannschaft passieren sollen. Stattdessen steht die vor dem Absieg aus der 3. Liga. Nun erwartet man eben von diesen Akteuren, dass sie die Kartoffeln für die erste Mannschaft aus dem Feuer holen sollen. Das kann nicht funktionieren. Hier sind eindeutig Prioritäten falsch gesetzt worden.
Im Augenblick sehe ich auch die üblichen schwierigen Charaktäre, wie wir sie immer hatten. Aber Leute wie Alberto hätten in einem "gesunden Werderumfeld" sicher mehr Leistung abrufen können. Gleiches prognostiziere ich auch für Arnautovic.
Die alten Hasen, wie Frings und Mertesacker werden uns, aus welchen Gründen auch immer, im Sommer verlassen. Ich sehe allerdings keinen, der ihren Part dann übernehmen kann.
Stellt sich jetzt nur noch die Frage, warum die Entwicklung in diese falsche Richtung gegangen ist. Antwort: wegen des lieben Geldes. Und da bewegen wir uns wieder im beschaulichen Bremen, mit dem ebenso kuscheligem Umfeld. Hier fällt mir in letzter Zeit immer wieder die Lieblingsmärchenserie meines 5 jährigen Sohnes ein. Da heisst es in einer Strophe: "... wo Liebe und die Freundschaft zählt und keinem was fehlt."
So kommt mir die große Werderfamilie mitunter vor, wie ein großes behagliches Sofa, auf dem sich alle wohl fühlen und wo alle "gepampert" werden. Wo man einen großen Bogen um Investoren (ich rede von den etwas größeren, als Beluga-Shipping oder Würstchen Fabrikanten wie Böklunder) macht, wo der Stadionname aus welchen Gründen auch immer ein unantastbares Tabu ist, mit dem man dann auch in die zweite Liga geht, wenn denn das Kind endlich in den Brunnen gefallen ist. Allein, ich hoffe und glaube, dass es nicht soweit kommt. Sollte die Kurve wie auch immer bis zum 34. Spieltag noch gekratzt werden, so sind das Dinge, die m.M.n. auf den Tisch müssen.
Andere Mannschaften haben diesen Trend doch auch erkannt. Andere Mannschaften wie Dortmund haben es vielleicht übertieben, mit dem was sie gemacht haben, obwohl es sich jetzt auszuzahlen scheint. Warum in aller Welt leben die in Bremen denn immer noch in dieser ach so heilen Welt, die längst keine mehr ist.
Die langjährige sportliche Praxis, sich erfolgreich über Spielerverkäufe zu refinanzieren scheint an ihr Ende gekommen zu sein.
In diesem Sinne