Doch. Denn diese alberne Fixierung auf die Person Micoud lässt völlig außer acht, dass zunächst die Abwehr auf die Viererkette umgestellt wurde, bevor die Raute im Mittelfeld Einzug hielt. Ohne Micouds immense Bedeutung für Werders Erfolge schmälern zu wollen - er war zudem nicht der einzige Neuzugang, der an den glanzvollen Zeiten großen Anteil hatte.
Zumal vor der Verpflichtung von Micoud eine Entwicklung vom Fast-Absteiger bis hin zur "Fast-UEFA-Cup-Teilnahme" stattgefunden hat. Das ist zwar erstmal noch nicht zählbar, aber man spricht immerhin über einen nachhaltigen Sprung um 6-7 Tabellenplätze. Spielmacher war damals übrigens ein 34-jähriger Andi Herzog, der weitgehend an Glanz verloren hatte - und auch die schwierige Post-Rehhagel-Ära zumindest teilweise miterlebt hat und das Abrutschen in den Abstiegskampf auch nicht verhindern konnte.
Man kann also auch mit der richtigen Mischung bzw. einem fundierten Entwicklungskonzept eine sportliche Entwicklung bestreiten, die sich auch in Tabellenplätzen niederschlägt.
Die Idee, mit Namen wie Hunt, Arnautovic, Marin sowie Borowski und Jensen als Backups oder Kroos als Nachwuchskraft eine Offensive aufzubauen, ist im Hinblick auf deren individuelles Potenzial erstmal nicht verwerflich.
Dass davon einzelne Spieler hinter den Erwartungen zurückbleiben oder das Team insbesondere in diesem Mannschaftsteil nicht als Einheit auftritt, sind Erkenntnisse die man im Nachhinein erlangen konnte, aber m.E. nicht von vorn herein als Fehlplanung einzuschätzen sind.
Vielleicht würde der Plan irgendwann aufgehen, wenn man einer zuvor festgelegten Formation die nötige Zeit geben würde. Leider hat der bisherige Saisonverlauf gezeigt, dass man diese Zeit nicht immer hat. Insofern wäre in der Tat ein 10er wünschenswert, der nicht nur in einem eingespielten Kollektiv funktioniert, sondern eben einerseits eine gewisse fußballersiche Qualität mitbringt, anderseits aber den Blick für den Mitspieler hat und diesen schnell bedienen kann - also "das Spiel lenken kann", wie man gerne mal sagt.
(Ich rede ausschliesslich von der letzten Zeit mit Andi.)



