Auch das ist völlig egal. Sie wollten es nunmal nicht, und das ist ihr gutes Recht.
Das mag rein rechtlich sogar stimmen. Ich bin mal bei einem der ersten Auswärtsspiele in Hannover nach deren Aufstieg mit dem Zug angereist, da ich ja quasi um die Ecke wohne und früher, zu Zweit-und Drittligazeiten öfter im Niedersachsenstadion war, somit den Weg vom Bahnhof zum Stadion kannte. Das war ein Zug aus Richtung Braunschweig, der stündlich fuhr, somit auch eigentlich nichts mit Fussballfans zu tun hatte. Als ich den Bahnsteig runter ging, standen dort links und rechts Polizisten aufgereiht und baten mich freundlich aber bestimmt, nachdem sie meinen Werder-Schal gesehen hatten, direkt runter in die U-Bahn, um zum Stadion gefahren zu werden. Eigentlich wollte ich das nicht, aber ich habe dann halt kurz überlegt, ob es jetzt Sinn machen würde, mit den Beamten, die ihre klaren Anweisungen hatten, über das Thema "Bewegungsfreiheit" zu diskutieren oder einfach nachzugeben und in die Bahn zu steigen. Ich tat Letzteres, und obwohl ich mich zunächste ärgerte, habe ich mittlerweile die Maßnahme verstehen können. Ich hatte nie Probleme mit den 96ern und fand den Verein sowie die Fans, die mir bis dahin begegnet waren, sympathisch. Nachdem ich mittlerweile aber mitbekommen habe, wie einige Teile der Fanszenen aufeinander zu sprechen sind, bin ich irgendwie froh, nicht (alleine) mit Werder-Schal durch die City gelaufen zu sein.
Was ich damit sagen will? Diverse Spiele haben nun mal einen gewissen Sicherheitsstatus. Man kann das für übertrieben halten, aber wenn randalierende Fangruppen durch die Städte ziehen, fragen hinterher auch wieder alle, wo denn die Polizei war. Wenn es dann sogar noch Verletzte gibt oder sogar solche Sachen passieren wie damals in Bielefeld, dann rechtfertigt das leider wieder jede noch so überzogen wirkende Sicherheitsmaßnahme.
Versteht mich nicht falsch, ich will nicht behaupten, dass der Polizeieinsatz korrekt abgelaufen ist, das kann ich gar nicht beurteilen. Ich will auch nicht behaupten, dass die Betroffenen "selbst schuld" waren. Aber ich habe auch ein wenig Verständnis zumindest für die Maßnahme, das Umsteigen der 96er zu verhindern, denn keiner der Einsatzkräfte (bzw. Einsatzleiter) konnte in dem Moment wirklich beurteilen, was denn die Intention hinter dem Versuch war, den Zug zu wechseln. Es hätte sich genauso gut um eine gewaltbereite Gruppe handeln können, die sich frei von Ordnungskräften bewegen wollte, um Bambule zu machen, wie es immer so schön heißt. Von daher halte ich diesen "Ich kann mich doch überall frei bewegen" Kram für realitätsfremd. Es ist mittlerweile eben nicht mehr so, wenn man sich im Rahmen von Veranstaltungen bewegt, die gewissen Sicherheitsaspekten unterliegen. Man kann gerne die Rahmenbedinungen kritisieren, womöglich waren die 96er ja nicht mal informiert über den (von der Polizei geplanten) Anreiseverlauf zum Stadion. Man kann auch gerne dagegen protestieren, wenn Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird. Aber wenn man das tut, indem man die geltenden Regeln mißachtet, während die Maßnahmen ablaufen, wird man meißt den Kürzeren ziehen. Das hat schon irgendwo was von einer gewissen Trotzigkeit. "Ihr lasst uns nicht, wir machen es aber trotzdem". Dass dann hinterher alle wieder dumm aus der Wäsche gucken, wird so lange andauern, wie dieser "Machtkampf" stattfindet.