Fraglos sind diverse schauspielerische Leistungen in Djano unchained gut bis herausragend. Christoph Waltz überzeugt als Dr. Schultz, Jamie Foxx spielt seinen Part ebenso überzeugend wie DiCaprio oder Samuel L. Jackson. Mich stört die Tatsache, dass der Film sich in Referenzen (und tarantino´schen Selbstreferenzen) verliert. Ich kann nicht leugnen, dass er auf eine gewisse Art unterhaltsam ist. Aber selbst Szenen wie die Ku-Klux-Klan-Nummer oder der Mandingo-Fight sind wie der gesamte Film in ihrer Länge unerträglich zäh. Was den klassischen Spaghetti-Western ausgezeichnet hat, nämlich wortlose Situationen, die Länge bis ins Detail ausreizen, ohne dass sie langweilig werden (meinetwegen die ersten Minuten in "Once upon a time in the west", das Finale von "The good, the bad and the ugly", sogar Szenen in "Meine Name ist Nobody"), wird hier nicht zum Stilmittel, sondern zur inhaltlich nicht gefüllten Referenz, zumal die Dialoge, so witzig sie bisweilen ("The D is silent" - okay. Die Nummer mit der (hach, wie german) Bierzapfanlage im Saloon - okay) sein mögen, diese Längen sogar stören. Ich bin insbesondere wegen des Finales ganz bei Maddin, die letzte halbe bis dreiviertel Stunde kann dieser Film sich sparen. Es gibt keine erzählerische Notwendigkeit einer ohnehin recht dürren Story, dieses Gemetzel am Schluss zu inszenieren. Zumal ich dem Film vorwerfen möchte, dass er (wohlgemerkt immer aus meiner sehr subjektiven Sicht) keinerlei historische, schlussfolgernde, inhaltliche Relevanz hat. Weder ist er mir als Darstellung für das Leid der Sklaven im Vorbürgerkriegsamerika konsequent genug, noch ist er mit in seiner Dialoglastigkeit eine treffende Hommage an den Spaghetti-Western. Letztlich befinden wir uns aber auf sehr weitem Feld, wie sich das für einen Western gehört - Tarantino macht Unterhaltung, Entertainment, Popkulturwettrennen. Das ist ihm so wenig vorzuwerfen, wie Christoph Waltz, der mit Tarantinos Hilfe die Gelegenheit zur Weltkarriere beim Schopf ergriffen hat. Als eigenständig filmisches Werk aber überzeugt der Film mich nicht, weil ich mich von der Geschichte nicht habe überzeugen lassen können. Weil mir vieles zu sehr Mittel zum Zweck scheint und wenig Mittel zur Aussage. Diese Mixtur aus Western, Nibelungensage, semilustiger Deutschtümelei und Miniatursklavenaufstand bleibt eine Ansammlung von Spielereien, garniert mit literweise unnütz verspritztem Kunstblut, die filmhistorisch kein Mensch braucht. Wenn es aber letztlich Millionen ins Kino zieht und die Leute begeistert aus dem Saal kommen, hat Tarantino nichts weiter als sein Ziel erreicht: er hat unterhalten. Tiefsinnigkeit, Genialität, sogar Originalität möchte ich dem Film allerdings absprechen - nicht zuletzt ist er bei den Oscars zwar (warum auch immer) für den besten Film, aber nicht für die beste Regie nominiert.