Ob es ein guter oder schlechter Tag für Werder gestern war, das werden wir noch sehen. Für mich aber ein sehr, sehr komischer Beigeschmack. Ich kann mir tatsächlich nicht vorstellen, dass auf dem Markt keine bessere Alternative als Frank Baumann zur Verfügung steht (damit meine ich auch Leute, die unter Vertrag stehen). Von daher zweifle ich, ohne die interne Analyse und Entscheidungsfindung exakt zu kennen, es alles sehr stark an. Florian Weiß gibt zwar glaubwürdig zu Protokoll, dass man sich mit Alternativen auseinandergesetzt hätte. Nun ja, nun frage ich mich: Wie weit hat man sich mit Ihnen auseinandergesetzt? Und wieso sagt man das noch ausdrücklich 2x auf einer PK? Für mich ist das normal, dass man sich mit Alternativen, sehr ins Detail, auseinandersetzt. Dazu müsst ihr mal darauf achten wie der Herr Weiß vorträgt, er guckt immer Baumann an als ob er ein Ok von Baumann wartet. Für mich wirkt das nicht sehr unabhängig und autoritär (mein persönlicher Geschmack).
Nun zu Baumann: Dass Baumann von hoher Resilienz spricht und dass das ihn auszeichnet, finde ich schon witzig. Zitat "Ich möchte die Verantwortung auch in den schwierigen Zeiten weiter übernehmen. Meine hohe Resilienz zeichnet mich auch aus und hilft mir, unter Stress und Druck gut zu funktionieren". Wir alle wissen, dass Baumann unter normalen Umständen nicht mehr GF Sport sein dürfte. Er hat es einer Art Protektionismus zu verdanken, die heilige Werder-Familie und nicht einer besonderen Managementstärke. Weiterhin sagt er aus, unter Stress und Druck gut zu funktionieren. Aha, wo war denn diese gute Funktionsweise in der letzten Saison als es stressig wurde und Druck aufkam? Weiterhin finde ich es witzig, dass Baumann zu den Zielen bis 2024 erzählt "durch sportliche Erfolge, durch Marktwertsteigerungen unserer Spieler und gutes Verhandlungsmanagement wieder Werte schaffen". Das kann man doch bitte - unter Anbetracht der ganzen äußerst gravierenden Fehlentscheidungen bis vor 9 Monaten - nicht ernst nehmen. Und dann zu der Strategie: Das ist nichts neues und nichts innovatives. Datenbasierte Entscheidungen, das macht jeder Verein, das macht schon jede kleine Bäckerei.
Der jetzige, kurzfristige Höhenflug unter Werner, ein großer Anteil wird noch der Trainereffekt sein, darf das Bild nicht verzerren. Aber hat es leider. Die Verkäufe von Rashica, Sargent usw. darf man auch nicht zu sehr am Verhandlungsgeschick von Baumann festmachen. England schwimmt im Geld, das Bild verzerrt zusätzlich. Baumann wird sicherlich nicht in der Verhandlungen so überzeugend gewesen sein, dass er die Ablöse verdoppelte. Was ich damit sagen möchte: Es lag sicherlich nicht in der Macht von Baumann, sondern der Engländer. Wenn die jemanden wollen, dann kaufen die den. Auch das wird Baumann wissen und wird vielleicht das erste oder zweite Angebot abgelehnt haben. Mehr aber auch nicht. Das traue ich jedem Landesligamanager zu.
Insgesamt finde ich es sehr schade, dass Werder, die Chance für einen konsequenten Wechsel auf der Position GF Sport, nicht genutzt hat. Ich bin mir sicher, dass es bessere Alternativen gibt.