Ach, der Krimi hat schon was, insbesondere, wenn man Mankell (der wirklich gut ist, nicht nur in den Wallander-Büchern, aber gerade dort, finde ich - da gibt es schon einige richtig gelungene Sachen. "Mittsommermord" fällt mir da spontan ein, "Die falsche Fährte", "Hunde von Riga". In den Büchern gefällt mir auch das, was ich bei Larsson kritisiert habe: die Zeichnung der schwedischen Gesellschaft und ihrer politischen/geistigen/ökonomischen Strömungen und sogar Abgründe. Warum mir das bei Mankell gefällt und bei Larsson nicht, kann ich schwer sagen. Ist wahrscheinlich Mankells Bonus, dass er früher da war und die Themen noch nicht so ausgelatscht). Wo war ich? Also. Insbesondere, wenn man Mankell noch die ganzen anderen zur Seite stellt. Peggy erwähnte hier auch die Namen Hakan Nesser (find ich auch langweilig!) und Leena Lehtolainen (die ist gut. Macht sogar aus Eiskunstlauf ein Krimithema, ohne dass man dabei an Tonya Harding denken müsste).
Und man kann ja das ganze sogar auf die europäische Bühne heben, dann macht das als Quervergleich unter den Autoren und ihren Sichtweisen auf das jeweilige Land, das sie beschrieben und/oder aus dem sie stammen, noch mehr Spaß. Ich denke da an Donna Leons Venedig-Krimis, die leider durch die miserablen deutschen Verfilmungen (in meinem Kopf) etwas von ihrer die Phantasie anregenden Weise verloren haben und auch thematisch nachlassen (was mir aber Absicht zu sein scheint, als Ausdruck der Hilflosigkeit der Ermittler müssen die bei Leon inzwischen häufig schon im Ansatz scheitern und nicht mehr die Tat, sondern das Scheitern wird zum Krimi. Lässt sich aber auch gut lesen, so man denn mit dem pessimistischen Weltbild einverstanden ist oder sich drauf einlassen will). Ergänzend dazu die Sizilien-Krimis von Andrea Camilleri rund um Kommissar Montalbano. Sehr schönes Kontrastprogramm zu Brunetti. Und absolut empfehlenswert, weil ein wirklich interessanter Blick auf Griechenland aus Sicht eines Autoren, der wirklich viel gesehen, gelesen und erlebt haben muss, sind die Kommissar Charitos-Romane (insbesondere "Hellas Channel" und "Live!") von Petros Markaris. Der Mann hat u.a. auch als Drehbuchautor für den ebenso hervorragenden griechischen Filmemacher Theo Angelopoulos gearbeitet und schreibt vorzügliche kleine Krimis mit einer sehr energiegeladenen, charismatischen Hauptfigur Charitos, die zwar in Tendenzen ins griechische Klischee abgleitet, aber damit noch eher den Eindruck bestätigt, dass vieles, was wir als Klischee sehen wollen, oft doch gar keines ist. (Aber ja: Gyros ist eines und das kommt auch nicht vor! Wenn ich mich recht entsinne, steht Charistos auf Hackauflauf mit Auberginen!)
Und zu den Klassikern kann ich tatsächlich auch nicht so viel sagen, bis vielleicht auf Raymond Chandlers Marlowe-Krimis, die allerdings besonders im englischen Original ein absoluter Genuss sind.