Moin,
Bücher. Gut. Zeitungen. Gut. Alles, was sich umblättern lässt, nicht im Dunkeln leuchtet und statt umblättern Seiten runterscrollt. Sehr gut.
Allerdings muss ich mich hier kurz als kleinen Gegenpol zur Stieg Larsson-Fankurve etablieren: Das sind in meinen Augen solide Krimis in klassischer schwedischer Machart (wobei ich die Mankell-Schinken um Längen besser finde). Ich habe nur Verblendung gelesen und da hat mich der Hauptplot tatsächlich einigermaßen gefesselt (wenn ich ihn auch relativ schnell durchschaubar fand), der ganze wirtschaftskriminelle Nebenstrang, dem Anfang und Ende gewidmet sind, hat mich allerdings genervt (weil das eben auch so an die klassischen skandinavischen Krimis gemahnt, die ohne eine gehörige Portion Gesellschafts-, Wirtschafts, und/oder Politikkritik nicht auskommen wollen). Ohne Zweifel hat Larsson da interessante Charaktere geschaffen, die in mehr oder weniger komplizierten Fällen wider die unendlich böse Welt mit zuweilen zweifelhaften Waffen zu Werke gehen. So unglaublich gut wie gern behauptet sind die Bücher für mich allerdings nicht. Im Endeffekt kann ich also den Hype um Larsson nicht ganz nachvollziehen, der wird sicherlich auch geschickt durch seine Lebensgeschichte gespeist, die so ganz wie ursprünglich angenommen dann vielleicht doch nicht war (nur ein auf gewisse Art spekulativer Artikel, aber mit interessanten Aspekten):
http://www.sueddeutsche.de/kultur/787/501048/text/
Und als Abrundung und damit nicht der Eindruck entsteht, es ginge mir hier allein um ein klein angelegtes Larsson-Bashing, noch kurz ein paar der Bücher, die ich mir in letzter Zeit zu Gemüte geführt habe oder es immer noch tue:
Karl-Heinz Ott: Ins Offene (eine äußerst empfehlenswerte, tragikomische Reflexion über Familie und Tod, Leben und Scheitern, angesiedelt in der oberschwäbisch-katholischen Provinz), ebenso zu empfehlen von Ott: Ob wir wollen oder nicht
Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt (fiktiv-biographisch an Alexander v. Humboldts und Carl Friedrich Gauß´s Leben und Wirken angelehnt, eine furiose Parallelerzählung, die Tiefen wie Banalitäten der deutschen Wissenschaft und Forschung des 18. und 19. Jahrhunderts offenlegt. Unglaublich lesenswert, für meine Begriffe das Beste, was deutsche Literatur in den letzten Jahrzehnten zustande gebracht hat), und wiederum ebenso empfehlenswert von Kehlmann: Ich und Kaminski
Arnold Stadler: Komm, gehen wir (eine Liebes-Dreiecks-Urlaubs-Lebensgeschichte, leicht geschrieben, dennoch anstrengend zu lesen und nichtsdestotrotz für heiße Tage an felsigen italienischen Stränden empfohlen)
David Foster Wallace: Unendlicher Spaß (Infinite Jest) (Wenn ihr Lust auf 1600 kranke Seiten US-Literatur habt, bitte. Geht um Tennis, Drogen, Leben und den ganzen Rest. Die deutsche Übersetzung ist, so weit ich weiß, erst im vergangenen Jahr erschienen, der arme Übersetzer, Ulrich Blumenbach hat sechs Jahre (!) dran gesessen und dafür den unglaublich bescheidenen Pauschalbetrag von ca. 50.000 Euro erhalten...)
Sehr schön auch, weil unglaublich tiefblickend in den deutschsprachigen Literaturbetrieb in den 50er und 60er Jahren, gleichzeitig äußerst intim, weil real: Herzzeit - Briefwechsel zwischen Paul Celan und Ingeborg Bachmann (zugegeben, das muss man erstmal lesen wollen..., aber wenn man will, dann auch: Der Riss der Welt geht auch durch mich - Briefwechsel von Theodor W. Adorno mit Siegfried Kracauer)
Und abschließend, es soll ja nicht immer nur der scheiß schwere Stoff sein: Die Allgäu-Krimis um Kommissar Kluftinger von den Herren Klüpfel und Kobr. Stilistisch wieder bei Mankell geklaut, bei weitem nicht so perfekt geschrieben und gebaut, sprachlich bisweilen gewöhnungsbedürftig (ist aber ja auch Bayern) - aber bei aller Kritik äußerst liebenswürdig.
So. Mit Fantasy kann ich leider nicht dienen, aber vielleicht findet ja der ein oder andere hier auch seine Anregungen (und ich auch?)
Viel Spaß beim Lesen!