Aber der Ertrag, der zwischen 2004 und 2010 dem gegenübersteht, ist unter dem Strich - vergleichsweise - überschaubar. Demzufolge wäre es schon lange mal eine Überlegung wert gewesen, eine variablere, mit nicht ganz so viel Aufwand, dafür aber zielstrebiger geführte Spielweise zu wählen. Und genau das kann ich mir mit Schaaf fast nicht mehr vorstellen.
Genau dort liegt auch Dein persönliches Problem in der Bewertung. Der Ertrag zwischen 2004 und 2008 ist als überragend zu bezeichnen, der der letzten beiden Jahre verbesserungsfähig. Aber Du solltest in dieser Sache mal ein wenig Abstand zur Lebensleistung von KATS gewinnen und dort den Hebel bei dir selbst ansetzen. Champions League ist
nicht Werder-Standard. Und wieder rühre ich in den alten Geschichten herum und sage: Die fünfmalige Qualifikation dazu ist zielstrebig und variabel genug.
Natürlich wäre sogar noch mehr (Titel) im Bereich des Möglichen gewesen. Zunächst bewerte ich allerdings, dass in den fünf Jahren immer Mindestens 15 Teams hinter uns standen - und nicht dass ein oder zwei Clubs vor uns standen.
Meiner Meinung nach setzt Du den Standard zu hoch an und bemisst die Leistung des Teams stets am Optimum. Das kann sie nicht leisten.
@Lothar Matthäus
Solange es kontinuierlich zielführend und erfolgreich ist, bzw. Werder auf dem erreichten Optimum/Level hält, stimmt das.
Kaum schreib ich´s, schon stellt sich der Beweis ein.
Nur darf nicht der Zeitpunkt verpasst werden, an dem es eben nicht mehr zum Ziel, sondern zu schleichenden Rückschritten führt. Und da hat Werder mMn schon seit 3-4 Jahren angefangen, sich darauf auszuruhen, bzw. aus Furcht vor der von Dir genannten "Das ist genau der Fehler, den viele Vereine begehen."-Theorie gar nichts machen und alles beim Alten belassen.
Ob es überhaupt ein Rückschritt ist, wird sich noch zeigen. Keine Leistungskurve der Welt zeigt kontinuierlich nach oben. Thomas Schaaf wird hoffentlich noch lang genug Trainer sein, um zu beweisen, dass das von Dir angeprangerte Siechtum lediglich ein kurzfristiger Trend ist.
Meine "Das ist genau der Fehler, den viele Vereine begehen"-Theorie ist insofern schon zutreffend, dass andere, durchaus vergleichbare Vereine weitaus unbeständiger in der Tabelle anzutreffen sind - bzw. sich seit Jahren dort wünschen, wo Werder schon vor Jahren war. Kontinuität ist nicht Stillstand. Das Team, der Trainer und auch der Verein entwickeln sich stets weiter. Nur diese Entwicklung wird teils ausgebremst durch Spielerabgänge, Verletzungen, beschränkter finanzieller Mittel oder durch sonstige externer Faktoren, die nun einmal nicht immer voll aufzufangen sind.
Natürlich kann man auch in einer solchen Saison, wie der letzten, oder in einer Entwicklung der letzten Wochen, den Trainer nicht völlig aus der Kritik nehmen. Nur eine Generalkritik, er sei stur, nibelungentreu oder taktisch unflexibel, ist unangebracht, da Schaaf doch diesen Entwicklungen, hervorgerufen eben auch durch o.g. Faktoren, entscheidend entgegenwirkt. Nun haben sich im Laufe des Herbstes neue Störfaktoren ergeben - die Vertragssituation um Özil und Hunt, die Verletzungen von Pizarro, Bargfrede, Boenisch, Almeida, Jensen, Formkrisen und Unruhe im Kader durch die sogenannten Kaderleichen, Debatten um NM-Einsätze usw. usf. ...
Nicht für alles ist letztlich Schaaf die letzte Instanz. Da darf man schon den einen oder anderen Spieler selbst hinterfragen.
Stillstand ist Rückschritt
Diese Phrase tut inne Augen weh...
und viele Vereine lassen sich nicht mehr so übertölpeln wie 2008, wo Werder trotz Naivität, gleicher Fehler und fehlerhafter Umsetzung des Spielsystems im Schlussspurt noch Rang 2 erklomm.
Auch diese Aussage unterstreicht Deine einseitige Sichtweise. Ist es der Dämlichkeit der Gegner zu verdanken, dass wir Zweiter wurden? Sollten wir uns gar dafür entschuldigen müssen?
Setze meinetwegen individuelle Klasse als Grund dafür, dass wir Zweiter wurden. Pah, drauf gesch....
Schau Dir mal die Spielweise der Schalker an, die Du überschwänglich für deren Effektivität lobst. Dort die Klasse Magath´s angepriesen, der es schafft, aus begrenzter spielerischer Substanz sehr viele Punkte zu machen, hier ist mangelnder Spielfluss und mannschaftliche Brillianz, die kritisiert wird. Wie viele Meisterschaften hat Bayern München aus gleichen Gründen gewonnen, obgleich es Mannschaften gab, die den wesentlich besseren Fußball spielten? Dennoch werden und wurden sie immer als das beste Team tituliert.
Werder bewegt sich da auf einem sehr, sehr schmalen Grat. Zu oft fehlt es - trotz hinzugewonnener internationaler und nationaler Erfahrung in der Bundesligaspitze - immer noch an Professionalität, Reife und vor allem an Wettkampfdenken. Letztlich wird es das Saisonende zeigen, aber im Moment hinken wir schon im zweiten Jahr in Folge weit hinter den Zielen hinterher. Das sicher nicht ganz ohne Grund.
Dann denke doch mal bitte darüber nach, wie viele Leistungsträger wir schon abgeben durften, die diese internationale und nationale Erfahrung in Bremen sammeln durfte. Wie viele Jahre CL haben Özil, Boenisch, Bargfrede, Niemeyer und Marin denn gespielt? Dass es bei 19-23-jährigen an Professionalität, Reife, Konstanz und Wettbewerbshärte über eine lange Saison mit drei Wettbewerben mangelt, ist ganz sicher nicht grundlos so.