Das betonst du ja häufiger. Aber wie ist denn deine Meinung zu TS? Soll er weitermachen? Sollte er gehen? Du kannst dich nicht permanent über die Unsachlichkeit anderer aufregen, aber selber nichts zur Sache beitragen. Mich würde deine Meinung wirklich interessieren!
EDIT: Puh, der Beitrag ist doch ganz schön lange geworden... hoffe das schreckt nicht vom Lesen ab.
Meine Meinung über die Persona Schaaf ist die, dass ich fast schon neutral dazu stehe. Erstmal bekommt der Trainer und jeder Spieler von Werder Bremen vor einem Spiel meine Unterstützung und die Hoffnung auf einen Sieg. Deswegen kann ich "Fans", die jubeln wenn wir verlieren, nur damit der Trainer geht, nicht verstehen. Genauso wenig diejenige, die schon Niederlagen voraussagen, nur weil Fritz, Prödl oder Selassie spielt. Jeder Spieler wird erstmal angefeuert, und es wird das Beste gehofft. Soviel vorweg.
Klar, dass wir viele Gegentore kassieren ist nichts Neues, und es zieht sich durch die Bremer Zeit wie ein roter Faden, seit Schaaf da ist. Wobei ich die Gegentor-Statistik, ein paar Seiten vorher, ganz interessant finde, da sie zeigt, dass wir von den Tabellenplätzen der Gegentore nicht so oft in der unteren Hälfte waren, wie gedacht.
Ein Abwehrverhalten und gutes Umschaltverhalten einzustudieren, traue ich einem Trainer zu. Das er es kann, hat er in den guten Jahren bewiesen, denn sowas hatten wir mal, auch wenn wir mehr Gegentore bekommen haben als andere Spitzenmannschaften, weil wir generell offensiver gespielt haben. Egal wie sich der Fussball entwickelt wird, ein Trainer kann sowas nicht verlernt haben. Hier nehme ich eher die Spieler in die Pflicht.
Kritisieren tue ich bei Schaaf zT Aufstellungen, die ich nicht verstehe. Heute hätte ich Selassie und Iggy getauscht. Ich würde evtl generell mit einer Doppel-6 spielen. Aber dazu bin ich nicht im Training um das ausreichend fundiert begründen zu können, da rutsche ich in Begründungen die FM13-Niveau haben, und deshalb mache ich das eigentlich nicht.
Ich finde, dass man immer noch berücksichtigen sollte (und das ist ja mittlerweile ein böses Wort bei der extremen Fraktion der Schaaf-Gegner) dass wir immer noch in einem Umbruch sind. Egal, wie blöd und wie "ausreden-haft" es sich anhört, es ist einfach so. Wir haben letzten Sommer eine halbe A-Elf weggegeben und eine neue halbe A-Elf bekommen, die noch dazu in der Bundesliga fast keine Erfahrung hatte. Für mich waren die Ergebnisse in der Bundesliga erstmal zweitrangig, und vorrangig erstmal zu sehen, wie sich die Spielkultur entwickelt hat. Vor allem nach der spielerisch wirklich gruseligen Saison 2010/11 und 11/12. Und die hat sich um mehrere Stufen gesteigert, wir spielen attraktiv und schnell nach vorne, wir spielen variabel, wir spielen frisch, wir spielen hungrig. Wir spielen aber auch unvernünftig, und das ist eben die fehlende Erfahrung. Was man nun kritisieren kann, ist dass im Vergleich zu Saisonbeginn noch keine spürbare Besserung eingetreten ist. Dass ist, meiner Meinung nach, aber eher eine psychische Angelegenheit, dass die jungen Spieler von ihrer Spielweise der HR selbst vielleicht nicht mehr überzeugt sind. Trotzdem haben wir in der HR und in HH, Hannover und Stuttgart alleine bessere Spiele hingelegt als größtenteils letzte Saison. Und das war erstmal für mich entscheidend. Bessere hungrige Spielkultur, dazu viele geldfressende Kaderleichen entfernt und ausgejüngt. Und meiner Meinung nach hat es Schaaf auch geschafft, die Mannschaft gut zusammen zu formen.
Genauso wie er es geschafft hat, den ein oder anderen Spieler zu entwickeln. Hier ist als Beispiel nur mal Arnautovic, ein vorher ungebändigter Rohdiamant, und Aaron Hunt zu nennen. Ich will nicht wissen, wieviele BL-Trainer bzw unzählige Hobby-Trainer hier im Forum Hunt in der Saison 10/11 verschenkt hätten, wenn sie die Möglichkeit dazu gehabt hätten. Heute ist er der wichtigste Spieler in Bremen und einer der besten Mittelfeldspieler Deutschlands.
Als Gegenargument werden ja immer unsere "Mega"Talente Hartherz, Trinks, Thy angeführt. Ich finde, das man das absolut nicht vergleichen kann. Dass die sich in der Bundesliga nicht durchgesetzt haben, hatte andere Gründe die bereits mehrfach angesprochen wurden, und hatte nichts damit zu tun dass Schaaf keine jungen Spieler entwickeln kann.
Das Festhalten an dem ein oder anderen Spieler kritisiere ich selbst bei Schaaf, auch wenn ich das Märchen von den "Lieblingsspielern" als völligen Bullshit bezeichne. Dass dies auch ein Märchen ist hat Schaaf ausreichend bewiesen.
Zu den gerne scharf kritisierten Aussagen von Schaaf vor der Presse sage ich mal folgendes: Ich habe lieber einen Trainer, der die Spieler sachlich in Schutz nimmt, als einen Trainer der vor der Kamera draufhaut. Sowas bringt überhaupt nix, ausser Genugtuung bei den Fans. Die Presse bekommt Schlagzeilen geliefert, die den Spielern schlaflose Nächte bereiten. Persönlich kritisiert wird in der Kabine.
Dass sich dann Aussagen von Schaaf jeden Spieltag gleichen, ist dann eben logisch. Aber versetzt (also die, die das kritisieren) euch mal in seine Lage. Welche Möglichkeiten hat er? Spieler sofort kritisieren statt in Schutz zu nehmen? Was bringt das, ausser dass der Spieler dann weiter ins Loch fällt und mit unangenehmen Zeitungsartikel klarkommen muss. Gar keine Interviews mehr geben? Würdet ihr wahrscheinlich als "feige" "ratlos" und "dünnhäutig" bezeichnen. Schaaf bleibt sich hier selbst treu, und das finde ich ganz gut, er lobt und kritisiert im Allgemeinen, je nach Spiel mehr oder weniger. Und dass die ersten 30 Minuten heute ganz gut waren, das muss man ja nun zugeben.
Jetzt noch zu der Frage: Soll er bleiben oder gehen, die Mezzo mir gestellt hat. Hier bin ich nicht festgelegt. Es wäre sicherlich interessant, was andere Trainer aus dieser Mannschaft machen würden, bestimmt. Als erstes fielen mir hier Slomka und Streich ein. Ich bin mir auch sicher, dass der Leitsatz "Neue Besen kehren gut" bestimmt erstmal greifen würde, und viele Kritiker, sachlich und extrem, sich bestätigt fühlen würden.
Die andere Frage ist, ob es nachhaltig ist oder nicht. Das kann man nicht beantworten, ein gewisses Risiko ist immer da.
Allerdings, und das würde gegen einen Trainerwechsel sprechen, ist dass Schaaf diese Mannschaft nun einmal aufgebaut hat. Er ist als Bauherr jetzt gerade mal dabei, das Erdgeschoss fertigzustellen, und dass da einige Mauern nochmal einfallen werden ist auch klar. Nur, tauscht man deswegen gleich den Bauherren aus, oder wartet man mal, wie das 1.OG aussieht, solange das Haus nicht komplett zusammenfällt? Wenn diese Gefahr droht, dann kann man drüber nachdenken, ob es besser wäre den Bauherren auszutauschen. Aber diese Gefahr (damit meine ich akuter Abstieg) droht eben nicht. Dafür ist die Mannschaft samt Trainer zu gut.
EDIT2: Warum ich hier die Extrem-Kritiker gerne angreife, auch manchmal unter der Gürtellinie und deswegen wohl auch manchmal zu Unrecht in die extreme-PRO-TS-Ecke gestellt werde: Ich finde diese gnadenlosen Übertreibungen, bei Trainer und bei Spielern einfach zum Kotzen. Kein einziger Spieler in unserem Kader ist "bundesligauntauglich", der hier schon CL und EL recht erfolgreich bestritten hat. Genauso ist es Blödsinn zu sagen, dass Schaaf kein BL-Trainer ist oder "keine Leistung" zeigt.