Auch wenn einiges "alt" ist ;-). Aber Du widersprichst Dir imo selbst, oder wie ist es gemeint?
Zum Defensivspiel gehören allerdings nicht nur die 4 Verteidiger, sondern auch die 5 Mann davor
und:
Gerade in einem 1-Mann-Sturm-System sollte der 1 Mann immer rein offensiv denken, um sich nicht zu verzetteln
Ich bin der Überzeugung, dass es auf gar keinen Fall in unserem 4-1-2-3 einen (zentralen) Spieler geben darf, der nur offensiv denkt. Genau, weil zu offensiv gedacht wird, haben wir ja die Probleme. Die Probleme entstehen auch nicht mangels eines systemischen defensiven Positionsspiels. Dies ist völlig okay, sondern weil man zu leicht die Bälle zentral her schenkt und da durch dem Gegner beste Konterchancen gibt. Das Spiel müsste imo noch breiter werden; die Außen noch mehr ins Spiel eingebunden werden. Wie auch immer...die Ballverluste in der Zentrale sind es neben den grauenhaften Unkonzentriertheiten und der naiven (offensiven) Spieltaktik, die die Masse der Tore verschuldet hat.
Es liegt nicht an einem mangelhaften Positionsspiel, dass Prödl einen Zuckerpass zum Mainzer spielt oder Luki seinen Gegenspieler nicht deckt. Oder Junu´s Ballverlust vorm ersten (gefährlichen) Konter.
Nö, keineswegs ein Widerspruch. Das die Defensive nicht nur aus der Vierekette besteht, ist ein alter Hut und bedarf wohl spätestens seit Ende der 70er Jahrte keiner Kommentierung mehr.
Bei uns vorne drin ist Petersen, der auch bisher den Gegner immer als erster (und zusammen mit Hunt auch am häufigsten) anläuft; ob man das nun 4-3-3 oder 4-1-4-1 oder 4-1-2-3 (alles wird ja in der Presse genannt !) nennt, ist da relativ bedeutungslos, weil diese Schlagwörter angesichts dessen, was Trainer auf diesem Niveau im Spiel alles umsetzen lassen, mittlerweile nur noch relativ wenig Aussagekraft haben.
8 oder 9 Feldspieler möglichst bald hinter den Ball zu bekommen und diese 8 oder 9 als "Defensive" zu betrachten, sie sich abgestimmt (systematisch) im Kollektiv im Raum bewegen zu lassen und andererseits dann den 10. Feldspieler als reine Offensivkraft zu sehen, der immer Gefahr ausstrahlen und auch zufälig gewonnene Bälle schnell verarbeiten können soll, ist kein Widerspruch.
Schaaf macht dies nunmal leider nicht. Weder das eine, noch das Andere. Leider.
Hier sehe ich die Wurzel von vielen Übeln. Nicht mehr, nicht weniger.
Nun zu den individuellen Fehlern. Natürlich sind individuelle Fehler zunächst einmal nur dem jeweiligen Spieler zuzurechnen, alles andere könnte schnell als Ausrede angesehen werden.
Wer aber längere Zeit Fussball im Verein gespielt hat und irgendwann mal in seinem Verein oder in der jeweiligen Liga in eine höhere Mannschaft oder Klasse "aufgestiegen" ist, der weiß, das man plötzlich viel mehr laufen muss und alles auf einmal viel, viel schneller passiert. Auch wenn man die Kondition dafür hat, ist man plötzlich so mit Eindrücken und Aufgaben "überflutet", das man schnell nicht mehr weiß, wo rechts und links ist. Und auf einmal macht man dann plötzlich "individuelle Anfängerfehler" , die man von sich selbst vorher nicht kannte.
Bis man sich eben eingewöhnt hat und das "normal" geworden ist.
Es gibt also individuelle Fehler rein aus Tagträumerei oder weil man doof ist oder weil man einfach mit dem falschen Bein aufgestanden ist, ODER
es gibt
nur scheinbar individuelle Fehler, die in Wahrheit deshalb viel leichter passieren, weil man durch fehlende Gewöhnung oder eben ein besonders schwieriges oder anspruchsvolles Spielsystem oder sehr schwierige individuelle Aufgaben permanent die beste Leistung abliefern muss bzw. permanent überfordert wird.
Letzteres scheint mir -betrachtet man sich die jahrelangen Probleme- bei Werder seit Jahren der Fall zu sein.
Die Indizien dafür sind einfach zu häufig: Auch mit Weltklasseverteidigern war es in den letzten Jahren nicht viel anders als jetzt. Etliche "Systemänderungen" änderten an den Symptomen der viel zu leicht oder dämlich fallenden Gegentore und den riesigen offenen Räume für den Gegner kaum etwas. Immer wieder "individuelle Fehler" oder "fehlende Balance" oder "Probleme sich zu finden" oder "Probleme sich einzuspielen" usw. usf. .....
Mannschaften, die ihre Spieler nicht andauernd so an die Grenzen führen, haben diese Probleme komischer Weise nicht in dem Umfang. Siehe Paderborn. Dort musste in der letzten Sommerpause fast die kpl. sportliche Leitung ausgetauscht werden, gezwungener Maßen weil der sehr erfolgreiche Trainer weg gekauft wurde, dazu noch ca. 10 Spieler weg/neu das alles bei ziemlich klammer Kasse und trotzdem waren die Paderborner schon zum Saisonstart in der Lage, mit dem von mir angesprochenen systemischen Positionsspiel im Kollektiv eine geordnete Defensive vorzuführen. Auch gegen höherklassige Gegner wie Werder. Nur ein Beispiel von vielen.
Und deshalb habe ich so einen Brass darauf, dass bei Werder immer wieder die gleichen Ausreden kommen, dass am 10. Spieltag noch die Balance fehlt oder man sich noch einspielen müsse. Auch das die gleiche Leier, seit Jahren !
Die Zeit hast Du auf dem Niveau einfach nicht ! Und es ist in der heutigen Zeit auch extrem riskant, eine Mannschaft über Jahre sich erst einspielen zu lassen, weil man erfahrungsgemäß eine junge Mannschaft mit individuell guten Spielern nur mit viel Geld zusammen halten kann ! Und soviel Geld haben wir auch nicht !
Es ist die Aufgabe des Trainers, die Mannschaft so trainieren und spielen zu lassen, dass die das System nach einer langen Vorbereitung (diesmal fast ohne Verletzte !) schon in den ersten 1-3 Spieltagen verinnerlicht hat und ohne Überforderung umsetzen kann. Und wenn man schlichtweg kein Geld für bessere Spieler hat (man hat ja überraschender Weise schon viele Gute !) dann muss man eben so spielen lassen, wie die Mannschaft das umsetzen kann. Und nicht so wie es eine optimale Elite-Mannschaft vielleicht könnte, nicht aber unser Team, das gut ist aber keine Elite.
Und Umsetzen heisst: regelmäßig, nicht nur bei dem ein oder anderen Spiel, bei dem alles passt und der Gegner durch taktische Fehler oder schwache Form oder sonstwie noch mit hilft.
Konnte das Mainz-Spiel mittlerweile sehen und verstehe jetzt, warum Tuchel davon sprach, dass das Ergebnis ein Witz gewesen sei, weil man in allen Belangen überlegen gewesen sei. Natürlich ist das zu hoch gegriffen. Werder hat individuell die besseren Spieler und kann/konnte deshalb auch "schöner" spielen. Aber Mainz hatte die stimmigere Ordnung und hielt diese ein.
Oder anders gesagt:
Beim kleinen Mainz stimmt die Grundlage und man versucht, darauf aufzubauen.
Bei Werder fehlt diese Grundlage und man versucht, mit besseren Einzelspielern als in Mainz zu zaubern.