@Schmolle
Tut mir leid, hab das eben erst gelesen…
Die gute Ordnung mache ich an allem fest was ich schon beschrieben habe.
Weiterhin....

:zweifeln:
Wo? Wann? Inwiefern?
Hab mir gestern noch mal ca. 65min des letzten Spiels angesehen.
Spieleröffnung Naldo oder Wolf, einzige Station PB bzw. er ist derjenige, der immer zentral gesucht wird oder eben optional der lange Ball. Dabei haben Fritz/ Iggy auf einer Linie gar nicht so schlecht breitgemacht/ sich fallen lassen, was WOB schliesslich zwang, höher aufzurücken, um die Abstände zu halten und schneller zur Ballseite verschieben zu können, zum Zwecke des früheren Störens. Für einen Doppelungsfanatiker wie Magath ist sowas halt Pflicht.
Hatte Bargfrede den Ball, war wie schon bei Wolf/ Naldo der zentrale, flache Passweg zugestellt, über aussen geht`s aufgrund einer irgendwie geheimen Anweisung in 90% der Fälle nicht. Da WOB zumindest auf dieser Höhe gut verdichtete, blieb (meistens) der lange Diagonalball.
Das war an diesem Tag erfolgreich, weil Werder die Raute ständig im 4-3-1-2 interpretierte und dies auch starrer als sonst. Hing mMn damit zusammen, dass
a)Iggy viel weniger als Hunt nach vorne zustande brachte, sich aber auf seine Defensivaufgaben konzentrierte und effektiver verteidigte
b)Rosenberg seine Position konsequenter in vorderster Spitze hielt, als MA dies in der Regel tut, wodurch wegfiel, dass so wie MA und Pizza sonst beide Stürmer dazu neigen, sich fallen zu lassen, um am Aufbau teilzunehmen, sich in kleinen Kreisen gegenseitig um sich selbst drehen und sich so letztlich im Wege stehen.
Interessanterweise haben wir mit zwei spielerisch etwas schwächeren, dafür aber systemtreueren Akteuren eine klarere Linie im Spiel gehabt.
Hinzu kam
c) eine spürbar nicht eingespielte Wolfsburger Viererkette, die wie oben bemerkt einerseits den Abstand zum Mf halten wollte/ erzwungenermaßen musste, andererseits aber sehr oft nicht in der Lage war, die Höhe der Kette ballseitig so zu verschieben, dass Abseits effizient gestellt werden konnte. Wie gemalt für hohe Bälle und einen Spieler wie Rosi.
Wolfsburg hat Werder in gewisser Weise unterschätzt, weil sie offensichtlich glaubten, so wie Ende letzter Saison erfolgreich sein zu können. Damals reichte es, im Zentrum mit flacher Hierarchie eng zu machen und die Abstände zu halten, um bei der typischen, vorhersagbaren, uninspirierten Spielweise durch die Mitte diese bereits im Ansatz zu verhindern, den Ball weit vorn zu erobern und alle Nase lang mal einen Konter zu starten. Damit hatten sie sich diesmal verspekuliert und das Spiel Höhe Mittellinie praktisch zu eng gemacht, woran Werder jedoch einen (taktischen) Anteil hatte. Resultat: Vorne wurden Sechser/ DM/ IV im Aufbau überhaupt nicht gestört und hinten konnten die Stürmer nicht gestellt werden. Irrationales Wolfsburger Pressing.
Das ändert alles nichts daran, dass mE die üblichen, nicht abzustellenden Defizite auch gegen WOB zu sehen waren. Zum Beispiel kann ein Team durchaus auch unter diesen Bedingungen – enger Raum – schnell und flach spielen und trotzdem Platz schaffen.
Vorausgesetzt das Passspiel gibt es her. Aber wenn kaum einmal ein Ball präzise und druckvoll gepasst wird, geht dieser eben schnell verloren oder es behindert das Spieltempo, weil die Truppe zusätzlich laufen muss, entweder um überhaupt die Pille zurück zu bekommen oder noch mal einen Weg mehr zu gehen. Und für den Gegner isses einfacher, Ballannahme zu stören und zu kontrollieren. Eine ewige Werder-Krankheit, die mir seit knapp einem Jahrzehnt bei vielen unserer Spieler auffällt und sich in Summe kaum ändert.
Vorausgesetzt Raumaufteilung und Organisation sind gut genug. Denn in den Dreiecken der Raute kann eine Mannschaft zwar gut pressen und Druck auf den Ball ausüben, muss aber auf der anderen Seite meistens zu viel Raum lassen. Der Raum, über den wir so oft die Konter bestaunen dürfen und der bspw. AV`s bei uns so oft schlecht aussehen ließ und lässt. Weil, um beim Thema zu bleiben, die Ordnung nicht stimmt.
Ich weise auf die 8. oder 10. Minute hin, als Pizarro (tatsächlich über aussen), den Ball schnell laufen lässt und Trinks auf Rosenberg den Konter spielen. Selbst da haben die (überrumpelten) Wolfsburger trotz aller Schwächen noch genug Mann hinter den Ball gebracht und blocken Rosi. Bei uns wäre das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Überfallkonter gewesen, den nur noch Wiese gegen einen oder zwei hätte verhindern können.
Spielen wir eine defensivere Ausrichtung, haben wir mitunter wenig bis gar keine Entlastung. Eine Schieflage, die letztlich bei allen Mannschaften mehr oder weniger auftritt, bei uns meinem Eindruck nach aber besonders ausufert. Seit Jahren. Eines geht offenbar nur, weil wir die Balance nicht hinbekommen. Und das hängt eben eng mit der Ordnung auf dem Spielfeld zusammen.
Im Kontext frage ich Dich deshalb nochmal, inwiefern Du eine gute Ordnung bei uns erkennst? Gerade das stört mich an unserer Spielweise seit geraumer Zeit elementar. Dass die Jungs auf dem Rasen viel zu selten in der Lage sind, sich als Team so zu verschieben und Spieler ganz genau wissen, was sie wo und wann zu tun haben. Systemfussball eben. Das gibt einerseits Selbstvertrauen und Sicherheit, fördert zudem das Spieltempo, weil die Zeit gewonnen wird, die ansonsten verloren geht, wenn sich jeder Akteur pro Spielsituation erstmal individuell neu orientieren und was einfallen lassen muss. Es behindert ausserdem das Umschaltspiel im Sinne des Spielens (also nicht Langhafer).
Die Schaafsche Vorgehensweise zielt mMn aber genau auf jenes Individualprinzip. Deshalb auch immer wieder die Diskussionen wie jetzt mit Pizarro wegen der Abhängigkeit von individuell herausragenden Spielern. Denn eine Erkenntnis brachte doch die Schaaf-Ära insbesondere hervor, es wurde allzu oft mehr Wert gelegt auf die Förderung individueller Qualität als auf die Förderung eines ausgewogenen Mannschaftsspiels als Grundlage erfolgreichen Fussballs.
Dennoch ist das natürlich richtig, Schmolle, was Du sagst mit Dortmund und anderen, die gelobt werden, in Wahrheit jedoch reinen Malocherfussball spielen und (noch) der Beleg fehlt, dass es dauerhaft erfolgreicher sein kann als die TS-Philosophie. Hier liegt die entscheidende Frage, ob es sinnvoller ist, auf ein Stück weit Variabilität zu verzichten zu Gunsten eines besser austarierten Teamfussballs. Ich glaube weiterhin, dass konzentrierter und konsequenter Systemfussball eher eine Zukunft hat, weil Aufgabenteilung im Team bedeutender wird. Abgesehen davon, dass ich mich jetzt schon oft ertappe und frage, was mit strikteren Vorgaben und strengeren Richtlinien in der Spielweise statt zu viel übertragene Handlungsvollmacht für die Truppe bei uns in den letzten Jahren möglich gewesen wäre.