Das was Du mit individuellen Fehlern beschreibst, ist das, worauf Hannovers Spiel ausgerichtet ist. Die Hannoveraner haben unsere Schwachstellen genutzt.
Deshalb sage ich, dass Hannovers Taktik voll und ganz aufgegangen ist. Ich behaupte nämlich, dass Hannover die Bargfredes Fehler forciert hat und uns so schonungslos aufzeigt, welchen Malus Bargfrede hat. Er verliert bisweilen die Kontrolle über Ball und Spielgeschehen.

Wie bereits
hier erwähnt.
Hinzu kommt, dass gut organisierte Teams wie Hertha oder Hannover gestern diese Schwäche natürlich lesen und folglich oft über diese Position spielen.
Für mich hatte das Ganze jedoch zuvorderst mit der falschen, strategischen Spielführung zu tun, also das nicht klappte, was in den 4 Spielen zuvor sehr gut funktionierte.
Rückstand durch einen Doppel-Fehler (Iggy, Bargy) in der zweiten Minute, von nun weiss das Team, dass H96 voll in die Karten spielt wurde. Die wissen aber auch, dass noch 88 Minuten zu spielen sind.
Vorausgesetzt, der Gegner spielt in den Überlegungen eine Rolle, geht es unabhängig davon doch nun darum, Hannover` s Stärken (gute Organisation und Staffelung, gezielte Konter, in der Regel steil über aussen) möglichst nicht zum Tragen kommen zu lassen und deren Schwächen (IV, Spielgestaltung) auszuloten und zu nutzen. Die hätten auch bei 0:0 nicht anders gespielt/ spielen können.
Das hat Werder in HZ 1 nicht hinbekommen, sondern hauptsächlich auf Spielkontrolle über Ballbesitz und fussballerische Mittel agiert. Glücklicherweise gelingt der Anschlusstreffer praktisch mit dem Halbzeitpfiff.
Nun lagen doch drei Dinge in der Pause klar auf der Hand. 1.) die Defensivschwächen (besonders links) abstellen, dann 2.) anders spielen (denn wir hatten bei allem Spielen um des Spielens Willen keinen Raumgewinn), Schwächen des Kontrahenten gezielter nutzen, 3.) es waren noch 45 Minuten zu spielen, um wenigstens den einen Treffer zu erzielen, eben um 1.) und 2.) umzusetzen. Wie aber lässt sich 1.) und 2.) am besten verknüpfen?
Möglichkeit: eine bessere Raumbeherrschung durch Scheinpassivität und austariertere Staffelung mittels geschicktem Verschieben erreichen. Bspw. dem Gegner die spielgestaltende Zone im Mittelfeld (scheinbar) überlassen, um gerade einer Truppe wie Hannover, die wenig spielerische Mittel hat, genau zu dem zu zwingen, was sie nicht kann. Nebenbei kannst Du auf diese Weise den eigenen Defensivverbund stabilisieren (der in der 1.HZ Schwächen zeigte), wenn Du die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen kürzer und die Räume enger hälst. Theoretisch schlimmstenfalls, geht H96 sich nicht darauf ein, wird es ein Grottenspiel und bleibt am Ende 1:2 (aber dann kannst Du auch noch in den letzten 10 Minuten aufmachen).
Gelingt obiges allerdings einigermaßen, nicht zuletzt weil ein durch den EC müder werdender Gegner Konzentration und folglich Kräfte lässt, hast Du in der Regel die Lücken, um durch variables und schnelles Passen zu überbrücken, ohne dabei die Kontrolle abzugeben und den eigenen Verband zu lockern. Denn das wäre nicht nur erfolgversprechender in der Offensive, sondern auch sicherer bei Ballverlust.
Es geht darum geduldig zu spielen.
Doch Werder machte genau das Gegenteil zu Beginn der zweiten Hälfte: die Abwehrschwächen der 1. HZ ignoriert, Abstände zwischen DM und Viererkette nicht verringert, teils noch grösser werden lassen, versucht über mehr Offensivwucht den Gegner reinzudrücken. Also alles das, was schon 1. HZ nicht funktionierte, weiterhin und gar nur mit höherer Intensität betrieben. Und damit dem Gegner weiterhin geholfen.
Das kann natürlich auch gutgehen, z. Bsp. wenn Pizarro`s Ding sitzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese dumme Spielweise bestraft wird, ist aber erfahrungsgemäß weitaus höher. Wie eben in Hannover.
Spieltaktisch war die Partie in Hannover von Werder (wieder mal) ganz schwach geführt. Aber Aussagen wie vom Käpt`n
Zitat von Clemens Fritz:
In den vergangenen Wochen haben wir Vieles richtig gemacht, heute haben wir viel falsch gemacht
geben Hoffnung, dass Mannschaft und Trainer sich dahingehend endlich weiterentwickelt haben. Jede Mannschaft hat solche Spiele mal in der Saison. Entscheidend ist die Häufigkeit, in der diese vorkommen und da war Werder in den letzten Jahren zwar BL-Spitze, in dieser Saison aber (bisher!) zum Glück nicht.