Das nehme ich gleich mal zum Anlass, um mich auch mal wieder bemerkbar zu machen: Mit Jörg Löhr hat Werder reagiert und das Trainer- und Betreuergespann verändert. Insofern haben weder die Fraktion derer, die alles beim Alten lassen wollten, noch die Fraktion der Umkrempler, zu der ich mich bekenne, Recht behalten. Werder hat einen Mittelweg gefunden und ist auf eine Idee der Spieler eingegangen. Ich sehe darin einen Gewinn. Allerdings hätte man das rotierende Trainerkarussell auch als Chance begreifen können, jemanden wie Robin Dutt zu holen und nach dieser erfolglosen Saison einen Neuanfang zu starten. Denn bei aller Freude über den Aufwärtstrend: Werder profitiert im Moment auch von dem Durcheinander und der schlechten Arbeit, die in anderen Vereinen geleistet wird. Bei KA bleibe ich bei meiner Meinung: Die Einkäufe von Wesley und Arnautovic haben den Verein zu viel Geld gekostet und keinen entsprechenden Nutzen gebracht. Man hat mit der eigenen Philosophie gebrochen, Spieler, die schon einmal ihr Potential aufblitzen ließen, von der Bank zu verpflichten. Stattdessen sind Wesley und Arnautovic auch nicht mehr als zwei Wundertüten und nicht die notwendige Verstärkungen gewesen, die Werder gebraucht hätte. Das sollte Konsequenzen haben: Nachdem man einen Trainer dazu geholt hat, könnte man auch im sportlichen Management jemanden dazu holen.
Auch, wenn ich eher zu der Kontinuitäts-Fraktion gehöre, gebe ich Dir im Großen und Ganzen Recht: Die Transferpolitik hat sich geändert. Ich bekomme dabei mehr und mehr den Eindruck, als würde "auf Krampf" unbedingt jetzt ein neuer "Star" (á la Diego, Özil, aber auch Ailton, etc) gesucht werden müssen, den man dann teuer verkaufen kann.
Wo das Geld vom Özil Transfer geblieben ist, weiß ich immernoch nicht - da sind mir zu viele Ungereimtheiten in KA's Aussagen. Aber das gehört nicht in diesen Thread.
In diesen Thread gehört aber, dass diese neue Transferpolitik bei weitem nicht so erfolgreich ist. Carlos Alberto war wohl der erste "Risikotransfer", dem ein "schwieriger Charakter" nachgesagt wurde. Auch bei Arnautovics halten sich die Gerüchte. Viele hier im Forum dementieren das. Da ich nicht zum Training kann und ihn privat nicht kenne, kann ich nur nach dem urteilen, was ich auf dem Platz sehe. Und da bekomme ich auch hin und wieder den Eindruck, dass er schon gewisse Eitelkeiten pflegt. (Ich möchte hier aber auch betonen, dass sich diese in den Rückrunden definitiv gebessert haben!).
Bei Wesley hatte man wohl wirklich Verletzungspech, sowas kann passieren, bzw. kann man nicht vorher sehen. Er ist jung, er ist talentiert und er muß definitiv noch geschliffen werden. Das traue ich einem Thomas Schaaf aber durchaus zu.
Was ich nicht verstehe, ist, warum man absolut unfitte Spieler wie Silvestre und Avdic holt, die erst einmal ein halbes Jahr brauchen, um in Form zu kommen. Gerade bei einem Silvestre, der ja nun geholt wurde, um KURZFRISTIG zu helfen und den jungen Spielern ein "Lehrer" zu sein, ist mangelnde Fitness doch wirklich ein KO-Kriterium.
Aber nicht nur in der Transferpolitik sehe ich Veränderungen. Ich habe neulich bei YouTube wieder einmal die Zusammenfassung des Spiels Bayern-Werder 2003/2004 gesehen - und da sind Welten zwischen den Spielweisen. Damals spielte Bremen quasi One-Touch-Football. Schnell und direkt nach vorne. Bei Ballverlusten bekam man eben hinten einen rein und fing dann wieder vom Mittelkreis an. (Okay, etwas überspitzt...

).
Das hat Spaß gemacht, war Spektakel und nicht zuletzt auch erfolgreich.
Allerdings kann man so ein System nicht über mehrere Jahre spielen. Irgendwann stellen sich die Gegner darauf ein und es wurde umgestellt auf den "kreativen Zehner" - Diego / Özil.
Nachdem Abgang von Özil sollte die Last mehr verteilt werden. Insbesondere auf Marin / Hunt um nicht mehr so ausrechenbar zu sein. Was generell eine gute Idee ist, denn hatte der Gegner Diego / Özil unter Kontrolle brachen 75% der Offensivkraft Werders fast weg.
Leider wurden weder Hunt noch Marin ihren Rollen 100%ig gerecht und ließen nur hin und wieder ihre Klasse aufblitzen.
Und so spielen wir nun die klassische "kontrollierte Offensive" und ich denke, dass das auch für die nahe Zukunft (Ende dieser Saison, evtl. auch nächste) die Marschroute sein wird. Weniger Spektakel, dafür bei mangelnder Offensivkraft (und auch, wenn wir die Einzelspieler dafür hätten, fehlt doch etwas um offensiv erfolgreich zu sein) eben hinten weniger rein bekommen.
Und nicht zuletzt durch die vielen "Perspektivverpflichtungen" (Wesley, Arnautovic, Avdic, Samuel???,...) sehe ich diese Saison als eine Übergangssaison an. Weg von der Offensive über einen zentralen Kreativspieler zu einem System wo klassisch erst einmal in der Verteidigung der Ball erobert wird und dann kontrolliert der Ball nach vorne getragen wird; um bei einer Führung später sogar nur noch kontern zu brauchen.
Ich denke, Werder steckt gerade in einem Umbruch. Die Zu- und Abgänge letzte Sommerpause waren ein erster Teil davon, diese Saison einer weiterer und die kommende Sommerpause der vielleicht wichtigste, weil hier der Umbruch abgeschlossen werden muss - denn noch so eine Saison kann sich Werder nicht erlauben. Weder finanziell noch vom Ruf her.
MoS