Die Raute war doch noch anspruchsvoller. Und natürlich spielte Werder - natürlich auch ganz besseren Spielermaterials 11/12 den (auch taktisch) besseren Fußball. Die Taktiken waren andere, da hast Du Recht.
Werders Spiel 11/12 war das selbe wie in den Jahren zuvor, nur ohne einen Özil oder Diego. Somit letztlich beschränkt darauf den Ball nach vorne zu bringen und dort hilft der liebe Gott (Pizarro). Während der Rest der Liga, allen voran Dortmund, bereits bis ins Mark verinnerlicht hatten das der Fußball deutlich pressing-orientierter und taktisch viel breiter aufgestellt war haben wir noch unseren Stiefel runtergespielt. Teilweise ein recht hübscher Stiefel, wir hatten ja noch Naldo, Sokratis, Marin und Pizarro, dazu den ein oder anderen Spieler der an guten Tagen zu gebrauchen ist.
Die angesprochene Raute KANN taktisch sehr anspruchsvoll gespielt werden, das war bei uns aber nie der Fall. Vielleicht noch zu Zeiten eines Micoud als wir die perfekten 8er im Team hatten und mit Baumann einen 6er der seiner Zeit voraus war. Aber so wie die Raute bei uns gespielt wurde (im Unterschied zu Gladbach beispiesweise) war sie einfach nur brachial offensiv, dadurch für den Gegner sehr gefährlich aber bei Ballverlusten für die eigene Defensive kaum mehr zu kontrollieren.
Das 4-1-4-1 das ein Jahr darauf eingespielt wurde war deutlich näher an dem Fußball der restlichen Bundesligisten, immernoch sehr offensiv interpretiert, aber taktisch einfach eine gänzlich modernere Hausnummer als das was wir die Jahre zuvor erlebt haben. Und wenn die Flügelspieler die Wege zurück gemacht haben dann hat das auch defensiv gut funktioniert. Diese Wege wurden aber eben nicht immer gemacht und dann hat der 6er wie in der Raute Räume neben sich die kaum mehr zu verteidigen sind bzw. die AV können durch Überzahl überspielt werden. Aber wie dem auch sei, ein weiterer Spieler im Mittelfeld hat das Spiel deutlich kompakter werden lassen mit besseren Möglichkeiten das Spiel zu verlagern und Räume eng zu machen. All das was uns andere Mannschaften teils schon Jahre voraus hatten, das wurde ab 12/13 auch bei uns angefangen. Und deswegen war 12/13 taktisch deutlich besser als 11/12.
Mit dem 4-2-3-1 war man anfangs gar nicht so schlecht unterwegs und hatte eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive.
Da war keine Balance. Man hat tief in der eigenen Häfte gestanden und hat teilweise nicht mal die Konter ausgespielt um ja nicht hinten aufzumachen. Ein Umschaltspiel war inexistent, darum haben wir die ersten Wochen ja auch so gut wie keine einzige Chance aus dem Spiel kreiert. Man kann das durchaus erst mal so machen, nur mit Balance hat das einfach nichts zu tun.
Danach kam das 4-3-3 zum Einsatz und scheiterte.
Das war halt eben der Versuch aus einem reinen Defensivkonzept ein vollständiges Fußballspiel zu machen und ist gleichzeitig einer meiner Hauptkritikpunkte an Dutt: Wenn man wochenlang einen Aspekt des Spiels ignoriert, dann muss genau dieser Aspekt im Zweifel voll vor die Wand fahren, wie es dann ja, du schreibst es selbst, auch passiert ist.
erstmal nur "langen Hafer" spielen ließ
Damit hätte ich kein Problem gehabt wenn es sogar an Spieltag 1 so gewesen wäre. Solange man halt das Gefühl hat das sich daraus was entwickelt, warum nicht, spielt man halt mal Kick and Rush. Aber entwickelt hat sich ja dummerweise gar nichts. Wie du selbst sagst: Spieltag 21 war es schon...
Favre hat da sicherlich tolles geleistet. Aber er hatte eben auch das Glück, dass die Verpflichtungen 100 % passten und der Erfolg sofort da war.
Favre hat das Ruder herumgerissen bevor er auch nur einen Spieler verpflichten konnte. Klar gehört später bei den Transfers auch ein wenig Glück dazu, aber irgendwie stellt sich bei Favre nicht das Gefühl ein, er müsse erst mal 12 Monate lang einem Profi erklären wie man verteidigt. Übrigens: Das ist laut Dutt selbst sehr leicht zu vermitteln. Aber gut, das sich Dutt medial schon oft vergallopiert hat brauchen wir ja vermutlich nicht zu diskutieren (ich erinnere auch z.B. mal daran das er vorm Winter erkannt haben will woran es zu arbeiten gelte...wie das nach dem Winter dann aussah ist bekannt)
Du siehst keine Spieler? Elia, di Santo, Prödl, Koby, Garcia, Iggy?
Keine Spieler die sich entwickelt hätten. di Santo ständig auf der falschen Position (offenbar wollte Dutt einen Winger aus ihm machen, nun hat er ein Erbarmen und lässt ihn stürmen), Koby bestenfalls beim Stand von gefühlt 0:8 für wenige Minuten auf dem Platz, Elia bewegt sich keinen Milimeter, wie schon unter Schaaf eine Halbserie mit viel Laufleistung, dann Bank und dann (aktuell) wieder mal ein paar gute Spiele. Konstante Entwicklung? Fehlanzeige. Das selbe gilt für Iggy, wie immer viel Einsatz und als AV, wie er es auch früher schon mal gezeigt hat, keine Katastrophe. Entwicklung? Nicht wirklich. Einzig bei Prödl wäre ich in der Tat geneigt zuzustimmen, dass ihm die Beförderung als Nummer 1 in der IV spürbar gut getan zu haben scheint und selbst Wolf scheint sich zu machen (was aber naturgemäß wenn schon, dann dem Torwarttrainer zuzuschreiben ist).