Der Trainer ist die sportlich wichtigste Person im Verein. WIE wichtig, das hat Brand eindrucksvoll bewiesen.
Sehe ich - oh Wunder - tatsächlich anders

- der Trainer ist wichtig und kann viel Schaden anrichten und auch positiven Einfluss nehmen - vor allem kurzfristig, ja. Aber für die langfristige Entwicklung eines Vereins ist der Sportdirektor/Manager meiner Meinung nach wesentlich wichtiger. Fast alle Vereine, die eine gute mittel- bis langfristige sportliche Entwicklung nehmen, sind in diesem Bereich sehr gut aufgestellt. Ein Trainer hat doch in der Regel eine Halbwertzeit von 2-3 Jahren, die größere Konstante ist fast immer der Sportdirektor / Manager. Siehe zum Beispiel Gladbach mit Eberl. Oder Frankfurt unter Bobic. Oder Bayern mit Hoeneß. Und so gibts zig weitere Beispiele. Natürlich stehen auch hinter diesen "großen" Namen auch noch viele Leute, Scouts, etc. die ihren Job gut machen (wie beim Trainerteam auch) - aber wenn ich mir hier aussuchen hätte müssen, wen ich zuerst rausgeworfen hätte, Kohfeldt oder Baumann - dann würde ich letzteren wählen. Richtig wäre natürlich gewesen beide zu entlassen, aber nehmen wir an, es geht nur entweder oder, dann der Sportdirektor zuerst (und ich bin mir sicher, ein neuer Sportdirektor hätte Kohfeldt nach seiner ersten Horrorsaison nie im Leben so lange werkeln lassen, dass wir auch noch in absteigen).
Ein Sportdirektor stellt den Trainer ein (ist also auch für die Trainerauswahl und dessen sportlichen Erfolg/Misserfolg maßgeblich verantwortlich), zum anderen holt er die Spieler, was ja auch wiederum eine Entscheidung in der Regel für ein paar Saisons ist und gibt wenn es gut geht auch noch generell die Spiel-Vision und Inspiration für den sportlichen Bereich vor - alleine schon durch die Persönlichkeiten, die er holt.
Genauso auch im Misserfolg bleibt ja meistens der Sportdirektor und bekommt dann im optimalen Fall auch wieder die Trendwende hin mit einem neuen Trainer (oder durch festhalten an demselben - aber auch dass muss man erkennen können, wann festhalten lohnt und wann der Rauswurf unabdingbar ist). Baumann hat das nicht hinbekommen. Baumanns Bilanz könnte Stephen King nicht horrormäßiger erdacht haben. Aber er darf trotzdem bleiben. Baumann hat Anfang gewählt. Er hat ewig an Kohfeldt festgehalten, er hat sich für eine Verlängerung von Skripnik entschieden, Nouri geholt, Selke kaufen wollen, und die Liste des Grauens kann weitergeführt werden. Natürlich hoffe ich, dass Baumann mit Werner jetzt einen Treffer gelandet hat - aber sind wir mal ehrlich, die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht sehr hoch. Und selbst wenn Werner jetzt ein Kracher ist, kann der von Baumann zusammengestellte Kader da mit halten? Ist der Kader vielleicht gar nicht besser als Platz 10 in Liga 2 und nur total überteuert bezahlt? Oder sind die von Baumann geholten Trainer nicht besser? Und wenn Werner so ein Kracher ist, wie lange wird er dann bleiben, wenn Baumann den Kader nicht zusammengestellt bekommt, so dass Werner nachhaltigen Erfolg haben kann? Wie auch immer, im Endeffekt führen alle diese Fragen immer wieder zu Baumann zurück. Deswegen komme ich zum eindeutigen Schluss, dass der Trainer NICHT die sportlich wichtigste Person im Verein ist (vielleicht die zweitwichtigste

).
Es gibt ja eigentlich schon die Hierarchie an sich vor, wer die wichtigste Person für den sportlichen Bereich ist. Derjenige, der die meiste Verantwortung dort hat und das ist halt der Sportdirektor - und wenn man an dieser Position so unterdurchschnittlich aufgestellt ist, wie wir, wird auch ein Tuchel hier keinen Zweitligameistertitel holen. Ja, ein guter Trainer kann schon ein paar mehr Prozentpunkte rausholen und eine Mannschaft auch für eine Zeit X überperformen lassen, aber wenn er dann immer und immer wieder vom Sportdirektor mit unpassenden Neuzugängen ausgebremst wird, oder weil schlecht gewirtschaftet wird, wichtige Spieler verliert, der Sportdirektor scheut harte (notwendige) Entscheidungen zu treffen und lieber alles aussitzt... was soll der Trainer dann machen? Von daher, solange Baumann hier das Sagen hat und den Verein weiter munter zerstören darf, sehe ich schwarz. Ich freue mich über jeden Werder-Sieg und schreibe, wie schon bei der Einstellung von Baumann, ich hoffe, ich irre mich. Aber die letzten Jahre geben mir leider, leider, leider, leider Recht. Darauf hätte ich gerne verzichtet. Nichts ist wichtiger für die Entwicklung des Vereins, als endlich Baumann loszuwerden.
Und weil ich schon die Argumente höre, was ist mit dem Aufsichtsrat, was ist mit Position X: natürlich ist es im Endeffekt ein Zusammenspiel von möglichst vielen guten Leuten auf den unterschiedlichen Postitionen. Es nützt dir ein Top Sportdirektor nicht, der vom Aufsichtsrat eingebremst wird oder beim ersten Misserfolg entlassen wird. Genauso aber nützt dir auch ein Aufsichtsrat nichts, der einfach nicht handelt und immer nur die Leute schützt, weil... tja, weil das bei Werder halt anders ist. Da liegt der Erfolg im Zusammenhalt und der grünen Werdervergangenheit begründet, und nicht daran, wie gut jemand seinen Job macht. Eine gute Führungskraft muss auch harte Entscheidungen treffen können und Leuten weh tun können. Wo es hinführt an jemandem festzuhalten, weil da persönliche Empfindlichkeiten eine größere Rolle spielen, als die Leistung, sieht man ja bei uns. Geradewegs in die Bedeutungslosigkeit.
In diesem Sinne, ich wünsche Ole Werner nur das Beste. Und das ist aus meiner Sicht, dass Baumann so schnell wie möglich entlassen wird!