Werder Bremen ist als Klub nachwievor von Ablösesummen abhängig, um überhaupt dieses Niveau halten zu können. Würde jeder Spieler sein "Recht" wahrnehmen un seinen Vertrag auslaufen lassen, würde über kurz oder lang das ganze Transfersystem den Bach heruntergehen. Ablösesummen dienen dazu den Profifußball insgesamt am Leben zu erhalten, da nur dadurch Vereine überhaupt lebenswichtige Dinge wie Jugendarbeit, Scouting und Talenteförderung betreiben können..
Das ist prinzipiell richtig . Wobei man auch nicht vergessen sollte, dass es Vereine gibt, die nicht so abhängig von Ablösesummen sind, weil sie entweder genug sonstige Einnahmen haben oder einfach nicht genug gute Spieler haben, um von Ablösesummen leben zu können. Werder Bremen ist in so einer Zwischenlage, weil man mit den besten Vereinen mithalten will, aber nicht deren normale Einnahmen hat. Daher hat man sich hier ein wenig drauf spezialisiert, junge Spieler zu holen in der Hoffnung, sie später mit finanziellem Gewinn weiterverkaufen zu können. Das ist legitim, aber spätestens seit dem Bosman Urteil kann es nicht mehr die einzige finanzielle Einnahmeoption mehr sein und die Vereine haben sich da ja auch schon angepasst.
Allerdings muss das, was die Regel ist, nicht in jedem Fall zutreffen. Ich weiß nicht, wie Werder vorgeht, wenn sie eines dieser jungen Talente holen. Ich weiss nicht, ob man zum Beispiel interne vertragliche Abmachungen mit ihnen trifft bzw. überhaupt treffen darf, dass sie den Verein nur gegen Zahlung einer Ablöse verlassen dürfen. Oder ob man wenn man einen Spieler wie Özil holt, diesen Punkt überhaupt thematisiert.
Von außen betrachtet sieht sie Sache für mich so aus, dass Ablösesummen natürlich eine wichtige finanzielle Basis für Werder darstellen. Aber wenn bzw. solange es keine Basis dafür gibt, Spieler verbindlich dazu zu "zwingen", nicht ablösefrei zu gehen, wird man sich darauf einstellen müssen, dass es hin und wieder schon vorkommt, dass sie es doch tun. Spieler sind in dem Fall für einen Verein für Werder wie Anlageobjekte, etwa Aktien. Man investiert in sie in der Hoffnung auf einen Gewinn. Aber man sollte auch die Gesetze des Markts kennen und nicht anfangen zu heulen oder mit den Zähnen zu klappern, wenn es mal nicht klappt. (Zumal in einem Fall wie hier, wo Özil ja auch durch seine Leistungen Werder finanziell geholfen hat).
Das ist für mich ein wichtiger Punkt: Hier wird immer ein wenig der Eindruck vermittelt, als würde nur Özil finanzielle Interessen haben uns profitorientiert denken.
Aber auch für Werder ist Özil mit Sicherheit mehr als nur ein junger Mensch, dem man für seine Entwicklung wünschen mag, noch zwei Jahre bei Werder zu reifen. Auch Werder hat handfeste finanzielle Interessen in diesem Fall, in gewisser Weise sind Spieler halt für einen Verein auch Anlageobjekte. Und es braucht nur ein bisschen Abstraktionsvermögen um sich vorzustellen, dass man auch eine ganz andere Diskussion haben könnte (sicher in einem anderen Forum als dem Werderfanforum), nämlich eine darüber, ob Vereine hier nicht Menschenhandel betreiben, ob es nicht zynisch sei, Spieler gleichsam als Aktien zu betrachten aus denen man Gewinn pressen will, notfalls in dem man ihre Freiheit, Verträge einzuhalten, beschneidet.
Ist es legitim, wenn Özilm für sich sagt den Vertrag einfach auslaufen zu lassen? Natürlich. Ist es aber aus Werder-Sicht eine tolle Entwicklung? Nein, da wir die Kohle brauchen. Als Spieler hat man immer die Möglichkeit woanders unterzukommen, ein Verein hingegen hat diese Freiheit leider nicht.
Eine tolle Entwicklung ist es für Werder sicher nicht, wenn Özil den Vertrag auslaufen lässst.
Sicher hat Özil die Möglichkeit, woanders unterzukommen, wenn er seinen Vertrag verlängern sollte um Werder zu einer Ablöse zu verhelfen, es aber sportlich mit ihm bergab gehen sollte. Erst recht, wenn sein Niveau gleich bleibt. Aber speziell in ersterem Fall ist es für ihn ein finanzielles Risiko. Finanziell lukrativer wäre es sehr wahrscheinlich, ablösefrei zu gehen.
Aber man sollte auch nicht so tun, als wäre es für Werder auch nur ansatzweise existentiell, für Özil eine Ablöse zu kassieren. Attraktiver sicher. Aber so wie Özil immer die Möglichkeit hat, notfalls bei einem etwas schlechteren Verein zu einem schlechteren Gehalt unterzukommen, so hat Werder halt auch die Möglichkeit, notfalls einen etwas schlechteren Spieler zu verpflichten, einen Perspektivtransfer nicht zu machen, d.h. eben gewisse sportliche Abstriche zu machen, ebenso wie Özil, wenn er "woanders unterkommen" müsste.
Wobei sich das in beiden Fällen aus meiner Sicht in einem überschaubaren Rahmen halten würde: Ebenso wenig wie Özil am Hungertuch nagen würde, wenn er "Werder zuliebe" verlängert und sich die Dinge dann negativ für ihn entwicklen, ebenso wenig würde Werder etwa in Abstiegsgefahr geraten, weil sie um eine Ablöse für Özil gebracht würden.
MFG dkbs