Das wird nicht passieren.
Werder strebt natürlich an zu verlängern oder ihn jetzt zu verkaufen. Aber wenn Özil beides nicht will, wird Werder ihn kaum ein Jahr auf die Tribüne setzen.
Befürchte ich auch. Das sollten sie aber tun.
Das wäre zum einen sehr unsportlich. Denn auch wenn man - erst recht als Werderfan - auf Werders Seite ist und sich nicht wünscht, dass Özil auf keine Fall 2011 ablösefrei geht: Man muss auch mal akzeptieren, dass Spieler ablösefrei gehen. Das gehört dazu. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass das rechtlich ganz unbedenklich ist, einen Spieler nicht am Spielbetrieb teilnehmen zu lassen.
Unsportlich finde ich es, wenn ein Spieler hier eine tolle Ausbildung unter Thomas Schaaf genießt, auch in Schwächephasen die Unterstützung des Vereins hat, dann aber nicht bereit ist, einen Kompromiss zu schließen. Schließlich würde Werder nicht auf Vertragserfüllung pochen, wenn es für beide Seiten ein gutes Angebot gäbe.
Werder ist vertraglich verpflichtet, Özil an einem ordnungsgemäßen Trainingsbetrieb teilnehmen zu lassen. Aber es gibt keine Pflicht, ihn auch einzusetzen. Also wäre es auch rechtlich unbedenklich.
Und schließlich wäre das auch nicht im Interesse Werders. Gut, man würde Özil wahrscheinlich schaden, weil dessen Marktwert sinken würde. Aber Werder hätte aus Özils Schaden keinen Nutzen, außer Schadenfreude.
Das sehe ich anders. Wenn Werder das einmal mit sich machen lässt, dann wird es Nachahmer geben. Dann gehen Ausbildungsvereine wie Werder über kurz oder lang kaputt. Denn Werder ist auf Transfererlöse angewiesen, will man nicht den Etat für die Bundesligamannschaft radikal kürzen. Allofs sagt selbst, dass ein ablösefreier Wechsel von Özil wirtschaftlich gesehen eine Katastrophe für den Verein wäre.
Im Gegenteil. Schließlich könnte Özils Werder in der nächsten Saison noch helfen, vielleicht sogar das eine oder andere Mal entscheidend. Und es kann ja auch sein, dass Özil im nächsten Jahr auch umdenkt.
Wenn er nicht bis Juli verlängert, wird Özil auch im nächsten Jahr nicht verlängern. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Dann zählt wirklich nur das Geld und dass Werder mit den Angeboten der Konkurrenz nicht mithalten kann, sollte einleuchten.
Nein, so ärgerlich das auch wäre: Werder sitzt in dieser Frage am kürzeren Hebel. Das hat Allofs ja auch schon eingesehen, als er das erste Verlängerungsultimatum zurückgenommen hat.
Es gab nie ein Verlängerungsultimatum. Das war eine Meldung der BILD-Zeitung, die durch kein Zitat belegt wurde. Allofs hat lediglich gesagt, dass die Vertragsgespräche im nächsten Vierteljahr wieder aufgenommen werden müssen, was ja auch geschehen ist. Von einer Entscheidungsfrist war nie die Rede. Ob sich Özil vor, nach oder während der WM entscheidet, ist auch gar nicht so wichtig. Nur bis Mitte/Ende Juli sollte eine Entscheidung gefallen sein. Wenn nicht, sollte Werder ohne ihn planen.
Aber auf der anderen Seite ist da auch was gutes dran. Wo kämen wir dahin, wenn Vereine willkürlich Spieler mit einem Arbeitsverbot belegen, weil sie sich nicht so verhalten, wie es dem Verein passt bzw. einfach nur ihre Vertragssituation ausnutzen. Das sind ja keine Leibeigenen.
Nein. Aber wenn die jungen Spieler mit allen rechtlich legitimen Mitteln dem Verein schaden (sprich: Ablösefreier Wechsel), dann sollte auch der Verein mit allen rechtlich legitimen Mitteln da gegensteuern.
Nimmt man das einfach so hin, lohnt es sich nicht mehr, auf junge Talente zu setzen und diese auszubilden. Oder überhaupt noch in das Nachwuchsleistungszentrum zu investieren. Dann muss Werder umdenken und wegen fehlender Transfererlöse einerseits den Etat und damit die sportlichen Ansprüche zurückschrauben (Platz 9 bis 12 wäre dann realistisch), andererseits verstärkt auf ältere Spieler setzen. Fertig ausgebildete Spieler unterliegen nämlich nicht mehr solchen Leistungsschwankungen wie ein junges Talent.