Zu Beginn der Pressekonferenz präsentieren Thomas Eichin und Izet Hajrovic dessen neues Trikot mit der Nummer 14. Blitzlichtgewitter.
Michael Rudolph eröffnet die PK.
Rudolph: Zur Info: Harjovic ist bereits in Trainingskleidung, da um 13.30 Uhr der Laktattest ansteht. Zum Einstieg welche Bedeutung hat der Transfer für Dich, Thomas?
Eichin: Izet hat heute alle notwendigen Dinge erledigt und unterschrieben. Wir freuen uns sehr, denn wir wollten ihn unbedingt verpflichten und beobachten ihn schon lange. Die nächsten Tage bekommt er noch seine verdiente Ruhe nach der WM zum Team. Zum Trainingslager im Zillertal wird er endgültig einsteigen.
Zu dem Spieler selbst: Er hat großes Potential und ist für die Bundesliga prädestiniert. Er kommt sehr über die Schnelligkeit und das ist sehr, sehr wichtig für die Bundesliga. Darum wollten wir ihn auch schon seit langer Zeit verpflichten. Wir beobachten ihn schon sehr lange, konkret aber seit sich andeutete, dass wir Izet tatsächlich nach Bremen holen könnten.
Frage: Ist Hajrovic positionstechnisch der Hunt-Nachfolger?
Eichin: Izet ist sehr flexibel. Er ist kein direkter Hunt-Nachfolger, denn Aaron spielt einen ganz anderen Fußball als Izet. Wir haben einfach einen sehr guten Fußballer gesucht und jetzt gefunden.
F: Ist der Transfer perfekt angesichts der laufenden Klage?
Eichin: Wir sind der Meinung, dass Izets Situation sehr genau von unserer Rechtsabteilung und von Izets Rechtsberater, der auch bereits für die FIFA tätig war beleuchtet wurde. Wir müssen jetzt abwarten, was die nächsten Tage passiert, aber wir sind uns sehr sicher, dass er vertragslos ist und zum ersten Pflichtspiel spielberechtigt.
F: Was wissen Sie über Werder?
Hajrovic: Ich interessiere mich schon sehr lange über die Bundesliga und Werder ist ein Traditionsverein. Ich habe mich vor meiner Vertragsunterschrift sehr genau informiert und nur Gutes gehört.
F: Wie sieht die rechtliche Situation aus?
Eichin: Izet Hajrovic hat seinen Vertrag bei Galatasaray gekündigt und eine Klage bei der FIFA wg. fehlender Zahlungen eingereicht. Letzteres tangiert uns aber nicht direkt. Wir sind uns sehr sicher, dass die Freigabe der FIFA rechtsgültig ist, da dieser Fall dem Schweizer Recht untersteht und dieses besagt, dass es ein Kündigungsrecht bei fehlenden Gehaltszahlungen gibt. Daher sind wir uns sehr sicher, dass Izet vertragslos war. Jetzt geht aber natürlich das ganze Prozedere des Wechsels über das TMS-System seinen weiteren Weg.
F: Warum haben sie bei Galatasaray gekündigt?
Hajrovic: Ich möchte mich dazu nicht genau äußern. Es gab einige Dinge, die nicht gut waren. Mir hat es eigentlich gefallen dort und ich hatte Weltklassespieler neben mir, von denen ich auch viel lernen konnte. Ich möchte daher auch nichts Schlechtes über Gala sagen. Was dann passierte, war für beide Seiten nicht schön, man hat ja mitbekommen, dass es für Galatasaray nicht so gut lief ... aber ich bin ja auch Fußballer ... [Izet scheint die Frage sehr ungerne beantworten zu wollen; Unterbrechung durch Rudolpf und Eichin: Izet soll sich nur auf Werder Bremen konzentrieren.]
F: War die Situation der Vertragskündigung sehr belastend für Sie?
Hajrovic: Nein, überhaupt nicht. Ich wurde stets gut unterstützt von meinen Beratern und den Leuten von Bremen. Ich freue mich jetzt einfach auf die Fans, auf das Stadion, einfach auf alles hier.
F: Warum ist so ein hochveranlagter Spieler wie Sie in die Türkei gewechselt?
Hajrovic: Es gab auch andere Angebote. Galatasaray war aber sehr konkret. Ich war sehr lange in der Schweiz und kannte die Schweizer Liga nach vier Jahren sehr gut. Gala ist ein Riesenklub, nicht nur in der Türkei, sondern in ganz Europa. Die wollten mich und ich dahin, darum will ich auch nichts Negatives sagen. Das ist ein Riesenklub mit tollen Fans. Ich wollte damals einfach etwas Neues ausprobieren und ich konnte endlich wieder Champions League spielen, denn die internationale Bühne war sehr wichtig für mich.
F: Warum hat Galatasaray die Gehälter nicht ausgezahlt?
Eichin: Ich möchte darüber nicht sprechen. Wir sind uns sicher, dass der Zustand der Vertragslosigkeit vorliegt. Fehlende Gehaltszahlungen sind nicht selten. Es gibt zig Fälle und die Spieler haben daher als Spielerschutz auch das Recht, zu kündigen. Warum Gala die Gehälter nicht ausgezahlt hat, weiß ich nicht und dazu möchte ich mich auch nicht äußern. Das ist aber nichts Ungewöhnliches in diesem Land und da ist die Rechtslage ziemlich klar.
Radio Bremen möchte unbedingt wissen, warum bei Gala die Gehälter nicht bezahlt wurden. Eichin und Hajrovic wollen darauf aber nicht antworten. Eichin erklärt, dass er auch nicht weiß, weshalb Gala die Gehälter nicht ausgezahlt hat.
F: Wie kam es zum Kontakt zwischen Ihnen und Werder?
Hajrovic: Ich wusste, dass ich vertragslos bin. Darum konnte sich mein Berater auf die Suche machen. Ich bin sehr zufrieden mit ihm, er hatte viele Angebote, nicht nur Bremen. Aber mir war klar, dass ich in die Bundesliga möchte, dahin wo ich mich weiterentwickeln kann und wo man auf mich setzt. Da war Bremen für mich die ideale Lösung.
F: Kannst Du dich beschreiben?
Hajrovic: Ich möchte nicht zu viel über mich sagen und das lieber auf dem Platz zeigen. Ich möchte mich gut in die Mannschaft integrieren und mit ihr erfolgreich sein.
F: Auf welcher Position spielst du? Bist du eher Mittelstürmer oder auf den Außen zu Hause?
Hajrovic: Ich will auf dem Platz stehen. Wo ich spiele entscheidet der Trainer. In der Offensive habe ich fast schon alles gespielt und kann auch alles spielen.
Globisch: Wo sind deine Stärken und Schwächen? Zu mir würde der Trainer sagen: „Martin, – das ist mein Name - du musst an deinen Kopfbällen arbeiten.“ Was würde er zu Ihnen sagen? Wo sind Ihre Stärken und Schwächen?
Hajrovic: Ich weiß nicht. Ich will mich dazu nicht äußern
Eichin: Dazu kann ich etwas sagen: Er ist ein sehr schneller Spieler, starker linker Fuß, gut im Dribbling, reißt Räume auf.
Hajrovic: Wer mehr wissen will, kann auf Youtube meinen Namen eingeben, dann sehen sie meine Stärken und meine Schwächen. Meistens sind es aber meine Stärken (lacht).
F: Was bedeutet Ihr Crime-Payz-Torjubel?
Hajrovic: Keine Ahnung, das ist einfach cool. Ich habe aber damit aufgehört, weil die Fans sonst denken: „Was macht der? Ist der in einer Gang?“ Darum will ich in Zukunft normal jubeln.
F: Sie tragen bei Werder die Nummer 14, die vorher Aaron Hunt gehörte? Ist die 14 Ihre Lieblingsnummer und kennen Sie Aaron Hunt?
Hajrovic: Ich kenne Hunt. Er war lange in Bremen und hat gute Qualitäten. Schade, dass er weg ist, aber das war seine Entscheidung. Die 14 ist meine Lieblingsnummer. Ich trage sie schon seit Beginn meiner Profikarriere. Hier war sie frei. Sonst hätte ich halt eine andere Nummer genommen.
F: Sie sagten, dass Ihnen die Chance in der Champions League zu spielen bei Ihrem Wechsel in die Türkei wichtig war. Hier spielen Sie gegen den Abstieg bzw. Werder spielte die letzten drei Jahre gegen den Abstieg. Was wollen Sie in Bremen erreichen?
Hajrovic: Ich glaube nicht, dass Werder gegen den Abstieg gespielt hat. Die Bundesliga ist überall sehr eng, im Titelkampf, im Tabellenkeller und im Mittelfeld. Ich möchte mich hier vor allem auch persönlich verbessern, da ich in der Türkei auch wg. der Ausländerregel wenig gespielt habe und nicht zeigen konnte, welche Qualitäten ich habe. Man durfte nur sechs Ausländer einsetzen und fünf waren gesetzt. Da war es sehr schwierig für mich. Darum war es mir wichtig, dass ich bei meinem neuen Klub viel spielen kann und ihm weiterhelfen werde.
F: Trauen Sie sich zu irgendwann eine Bedeutung für Werder wie Hunt zu haben?
Hajrovic: Ja, ich denke dass ich die Qualität dazu habe, dass ich so gut wie Hunt oder noch besser werden kann. Ich möchte den Fans Freude bereiten. Ein gewisser Druck ist bei mir natürlich vorhanden, aber ich möchte, dass alle zufrieden sind und ich mich weiterentwickeln kann.
Globisch: Grüezi. Haben sie zwei Pässe? Wie ist das bei Ihnen? War ihr Vater eigentlich mal Fußballer?
Hajrovic: Kennen Sie die Seite wikipedia.de? Schauen sie da mal und suchen meinen Namen. Ich rede nicht gerne über meine Eltern. Tut mir leid. Ich habe zwei Pässe. Man weiß ja, wie damals die Situation in Jugoslawien war. Darum sind meine Eltern vor etwa 25 Jahren in die Schweiz. Das ist die Geschichte in kurz.
F: War Werder gleich Ihr Favorit unter den interessierten Klubs?
Hajrovic: Werder war ziemlich weit oben von allen interessierten Klubs. Werder hat viel gemacht und war stets in Kontakt. Herr Eichin hat mich ständig angerufen, mir SMS geschrieben, genau wie andere Bremer. Das war sehr wichtig für mich. Darum habe ich mich auch für Werder entschieden.
F: Herr Eichin, Sie sprechen stets von kreativen Transfers. Schauen Sie immer auf die schwarze Liste der FIFA?
Eichin: Nein. Ich schaue immer nach Spielern, die nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis top sind. Der Tipp kam von Rouven Schröder, damit hat sich auch diese Personalie schon jetzt für uns ausgezahlt. Darum sind wir sehr froh über den Transfer, genau wie bei Bartels und Galvez.
F: Sonntag steht das WM-Finale an. Glauben Sie, dass die deutsche Mannschaft Chancen hat, Weltmeister zu werden?
Eichin: Das auf jeden Fall, aber man hat bei der WM gesehen, das alles passieren kann. Ich glaube aber, dass wir das schaffen werden.
Radio Bremen: Herr Hajrovic, Sie haben bei der WM ja auch gegen Argentinien gespielt. Wie knackt man die?
Hajrovic: Wir haben ja nicht gewonnen. Trotzdem: Ich dachte, es wird ein schweres Spiel, es war aber doch ziemlich einfach, weil uns die Argentinier unterschätzt haben und kein Vollgas gegeben haben. Ich glaube, man kann die in der Defensive knacken. Die Deutschen spielen sehr guten Offensivfußball und ich denke, dass die das auch schaffen werden. Ich bin auch für Deutschland und glaube, dass sie Weltmeister werden.