Protokoll: Verletzungsaufkommen beim SV Werder Bremen
Gegenstand: Langfristige Entwicklung des Verletzungsaufkommens, Suche nach dem Zeitpunkt der Verschlechterung
Betrachtungszeitraum: Saison 2006/07 bis Saisonstart 2026/27 (20 Jahre)
Stand: 02.09.2026
Erstellt von: fritzmeyer4werder
1. Zweck, Vorgehen und Grenzen
Geprüft wird die These, dass Werder Bremen seit vielen Jahren überdurchschnittlich stark von Verletzungen betroffen ist, mit Schwerpunkt in Vorbereitung und Hinrunde — und ab wann sich diese Entwicklung nachweisbar ins Negative gedreht hat.
Datenlage über 20 Jahre — und das ist die zentrale Einschränkung:
Es gibt keine offizielle Verletzungsstatistik der Bundesliga. Die einzige über Jahre durchgehend geführte Auswertung stammte vom Portal
fussballverletzungen.com, das seit 2009 Ausfalltage aller Bundesligisten erfasste (Summe der Ausfalltage geteilt durch Kadergröße).
Dieses Portal ist inzwischen offline; die Daten sind nur noch über Medienberichte rekonstruierbar, die die jeweiligen Auswertungen zitiert haben.
Daraus folgt eine ehrliche Bestandsaufnahme:
- Für 2006/07 bis 2016/17 liegen keine belastbaren Ranglisten mehr vor. Diese Lücke lässt sich mit öffentlich zugänglichen Mitteln nicht schließen.
- Für 2017/18 bis heute liegen belastbare Werte vor, teils als Halbserien-, teils als Saisonbilanz.
- Für 2024/25 fehlt eine Auswertung.
Belastbar ist die
Rangfolge innerhalb einer Saison, nicht der Vergleich absoluter Werte über 20 Jahre hinweg (die Kadergrößen und die Zählweise änderten sich). Das Protokoll argumentiert deshalb über Ränge, Brüche und strukturelle Ereignisse — nicht über eine Zeitreihe von Einzelzahlen.
2. Befund 1 — Liga-Vergleich
Rang 1 = wenigste Ausfalltage der Liga, Rang 18 = meiste.
| Saison | Werder Bremen | Rang | Bester Klub der Liga | Schlechtester Klub der Liga |
|---|
| 2006/07 – 2008/09 | keine Auswertung verfügbar | — | — | — |
| 2009/10 – 2016/17 | keine Auswertung mehr abrufbar | — | — | — |
| 2017/18 (Winterpause) | Ø 22,27 Tage/Spieler | 5 von 18 | k. A. | 1. FSV Mainz 05 (Ø 40,27) |
| 2018/19 (Hinrunde) | 1.142 Tage / Ø 34,61 | 16 von 18 | k. A. | — |
| 2018/19 (Saisonbilanz) | keine Einzelangabe überliefert | — | k. A. | Hannover 96 (Ø 66,48) |
| 2019/20 | Ø 69,06 Tage/Spieler | 18 von 18 | Hertha BSC (Ø 30,20) | Werder Bremen |
| 2020/21 | Ø 46,07 Tage/Spieler | 7 von 18 | k. A. | TSG Hoffenheim (Ø 77,45) |
| 2021/22 | nicht erfasst (2. Bundesliga) | — | — | — |
| 2022/23 | 1.269 Tage / Ø 42,30 | 9 von 18 | Union Berlin (Ø 18,45) | FC Augsburg (Ø 71,85) |
| 2023/24 (Hinrunde) | 693 Tage / Ø 24,75 | 9 von 18 | 1. FC Heidenheim (Ø 13,79) | FC Bayern München (Ø 34,96) |
| 2024/25 | keine Auswertung vorliegend | — | — | — |
| 2025/26 | 1.512 Ausfalltage / 184 verpasste Spiele | 17 von 18 | FC Augsburg (525 Tage / 61 Spiele) | VfL Wolfsburg (1.584 / 197) |
| 2026/27 (Vorbereitung) | zeitweise 13 Profis verletzt oder krank | — | — | — |
Quellen: 2017/18 bis 2023/24 fussballverletzungen.com (über Medienberichte belegt); 2025/26 transfermarkt.de.
3. Befund 2 — Der Zeitpunkt des Bruchs
Das ist die Antwort auf Ihre eigentliche Frage.
Die Verschlechterung hat einen datierbaren Bruchpunkt: den Zeitraum zwischen Winter 2017/18 und Sommer 2020.
| Zeitpunkt | Position |
|---|
| Winterpause 2017/18 | Rang 5 von 18 — einer der gesündesten Kader der Liga |
| Hinrunde 2018/19 | Rang 16 von 18 — und in absoluten Zahlen die meisten Ausfalltage aller Bundesligisten |
| Saison 2019/20 | Rang 18 von 18 — klares Liga-Schlusslicht, Ø 69,06 Tage pro Spieler |
Innerhalb von
rund 24 Monaten fiel Werder von Rang 5 auf Rang 18. Das ist der mit Abstand schärfste Ausschlag im gesamten dokumentierten Zeitraum — und er widerlegt zugleich die naheliegende Annahme, es habe sich um einen langsamen, 20 Jahre andauernden Verfall gehandelt.
Warum dieser Befund Ihre Position stärkt und nicht schwächt: Ein schleichender Verfall über zwei Jahrzehnte wäre kaum jemandem zuzurechnen und ließe sich mit Verweis auf allgemeine Entwicklungen im Profifußball (Spieldichte, Terminkalender, Intensität) wegargumentieren. Ein
scharfer Bruch innerhalb von zwei Jahren verlangt dagegen nach einer konkreten Ursache: einer Entscheidung, einem Personalwechsel, einer geänderten Arbeitsweise. Wer dieses Protokoll vorlegt, sollte genau darauf zielen — nicht auf „das war schon immer so".
Seit diesem Bruch ist das Niveau
nie wieder stabil gut geworden. Es schwankt zwischen Mittelfeld (Rang 7 bis 9) und Extremwerten (Rang 17 bis 18). Verbesserungen hielten jeweils nur ein bis zwei Spielzeiten.
4. Befund 3 — Die strukturelle Vorgeschichte 2009 bis 2020
Hier liegt der einzige Befund, der tatsächlich weit zurückreicht — und er betrifft die medizinische Infrastruktur.
| Jahr | Vorgang |
|---|
| 1986 / 1990 | Werder gründet das SporThep Werder — ein vereinseigenes sportmedizinisches und therapeutisches Rehabilitationszentrum direkt im Weserstadion. Initiator ist Präsident Dr. Franz Böhmert; die Einrichtung gilt als Pionierprojekt, das 1994 sogar auf einem internationalen sportmedizinischen Kongress des FC Barcelona vorgestellt wird. |
| 2009 | Das SporThep verlässt das Weserstadion und zieht an das Klinikum Links der Weser. Zwei Begründungen finden sich in den Quellen: der Verein nennt Umbaumaßnahmen in der Westkurve; der langjährige ärztliche Leiter Dr. Götz Dimanski (1991–2012) spricht rückblickend von einer „nach dem Tod von Dr. Böhmert geänderten Vereinspolitik". |
| 01.10.2011 | Fusion: Die Sporthep Werder GmbH verschmilzt mit der Rehazentrum Bremen GmbH und tritt fortan als „Rehazentrum Bremen" auf. Das Zentrum wird später hundertprozentige Tochter des Klinikverbunds Gesundheit Nord. Werder besitzt damit keine eigene Reha-Einrichtung mehr. Der damalige Geschäftsführer Sport Klaus Allofs kündigt an, „perspektivisch" wieder eine enge Anbindung an das Spiel- und Trainingszentrum am Weserstadion herzustellen. |
| 2012 | Dr. Dimanski beendet nach 21 Jahren die ärztliche Leitung. |
| 2020 | Erst jetzt entsteht wieder eine permanent besetzte sportmedizinische Praxis im Weserstadion (Turm 3, in Kooperation mit der Paracelsus-Klinik) — als Reaktion auf die Rekordsaison 2019/20. |
Bewertung: Zwischen 2009 und 2020 lagen
elf Jahre, in denen Werder über keine eigene sportmedizinische Reha-Einrichtung am Trainingsstandort verfügte. Die 2011 angekündigte Wiederanbindung wurde erst neun Jahre später umgesetzt — und erst, nachdem der Verein Liga-Letzter der Verletzungsstatistik geworden war.
Vorsicht bei der Argumentation: Der Bruch in den Zahlen liegt 2018/19, also acht bis neun Jahre nach der Auslagerung. Ein direkter kausaler Zusammenhang lässt sich daraus
nicht ableiten, und wer ihn behauptet, macht sich angreifbar. Was sich sagen lässt: Der Verein hat eine über Jahrzehnte aufgebaute, europaweit beachtete Kernkompetenz abgegeben, den angekündigten Ersatz elf Jahre lang nicht geschaffen — und hat in genau diesem Zeitraum den schärfsten Einbruch seiner Verletzungsbilanz erlebt. Das ist eine legitime Frage an die Vereinsführung, keine bewiesene Ursache.
5. Befund 4 — Das zeitliche Muster innerhalb der Saison
Die Häufungen setzen wiederholt bereits in der Sommervorbereitung ein.
| Zeitpunkt | Dokumentierter Sachverhalt |
|---|
| Hinrunde 2018/19 | Mehrere Langzeitverletzte gleichzeitig (u. a. Fin Bartels, Stefanos Kapino, Aron Jóhannsson, Philipp Bargfrede) — in absoluten Zahlen die meisten Ausfalltage der Liga. |
| Herbst 2019 | Niclas Füllkrug erleidet im Training einen Kreuzbandriss (ca. sechs Monate); nahezu alle gelernten Innenverteidiger fehlen. Kohfeldt spricht von der schwierigsten Phase seiner Amtszeit. |
| Hinrunde 2019/20 | Zeitweise mehr als elf Spieler gleichzeitig ausgefallen. |
| Januar 2020 | Kohfeldt und Baumann beauftragen externe Experten, die Ursachen der Verletztenmisere zu ermitteln. Auf einer Pressekonferenz drehen sich die ersten vier Fragen nur um dieses Thema. |
| Saison 2019/20 gesamt | 22 Spieler verpassten mindestens ein Spiel; acht Profis verletzten sich während der laufenden Reha erneut. |
| Sommer 2023 | Neuzugang Naby Keïta erleidet beim Aufwärmen vor einem Testspiel eine Adduktorenverletzung und verpasst den Saisonstart. |
| Juli 2025 | Vor der Saison 2025/26 spricht der Verein von „unglücklichen Umständen". Die Berichterstattung hält fest, dass es bei Werder in der Vergangenheit immer wieder Phasen mit gehäuften Verletzungen und auffällig langen Rückkehrzeiten gab — und dass über die Gründe zwar viel spekuliert wurde, klare Fakten aber nie öffentlich wurden. |
| 4. Spieltag 2025/26 | Sieben Profis gleichzeitig verletzt nicht verfügbar. |
| Frühjahr 2026 | Trainer Thioune kommentiert eine Ausfallliste mit acht Namen: „Das klingt ja fast wie eine Mannschaftsaufstellung." Kurz darauf Saison-Aus für Karl Hein und Keke Topp (Kreuzbandriss). |
| Sommer 2026 | Zeitweise 13 Profis verletzt oder krank; beim Test gegen Paderborn fehlen 13 Spieler, das Spiel wird auf 2×70 Minuten verkürzt, zwei U23-Spieler müssen nachrücken. Stark, Agu und Heitmann reisen nicht ins Trainingslager. |
| 30.08.2026 | Saisonauftakt in Freiburg 1:4 verloren, Vorbereitung vom Trainer selbst als „holprig" bezeichnet. |
Der Punkt aus Juli 2025 ist der wichtigste dieser Liste: Er stammt nicht von einem Kritiker, sondern aus der regulären Berichterstattung — und er bestätigt sowohl das langjährige Muster als auch, dass der Verein die Ursachen nie öffentlich benannt hat.
6. Befund 5 — Art der Verletzungen (Saison 2025/26)
Die Unterscheidung bestimmt, wer überhaupt verantwortlich sein kann.
Traumatische Verletzungen (Unfälle, präventiv kaum vermeidbar): Kreuzbandriss Mitchell Weiser, Syndesmosebandriss Felix Agu, Knöchelbruch Olivier Deman, Kreuzbandriss Keke Topp, Daumenverletzung Karl Hein.
Muskuläre Verletzungen (klassischer Indikator für Belastungssteuerung): Oberschenkel Karim Coulibaly, Oberschenkel Samuel Mbangula, Adduktoren Senne Lynen, Wade Niklas Stark — über Wochen anhaltende Häufung.
Erklärung des Vereins (Sportchef Clemens Fritz, April 2026): Die schweren Unfallverletzungen hätten eine Kettenreaktion ausgelöst. Mit jedem Ausfall steige die Belastung der übrigen Spieler; Rückkehrer würden aus Personalnot zu schnell wieder hoch belastet, was weitere Ausfälle provoziere. Fritz nennt das selbst einen Teufelskreis.
Einordnung: Diese Erklärung ist fachlich plausibel — und zugleich ein Eingeständnis. Sie verlagert die Ursache von der medizinischen Betreuung auf
Kadertiefe und Kaderplanung, also in den Zuständigkeitsbereich der sportlichen Leitung. Wer die Argumentation des Vereins übernimmt, landet zwangsläufig bei der Frage, warum ein Kader, der eine normale Verletzungsquote nicht kompensieren kann, überhaupt so geplant wurde.
7. Befund 6 — Personelle Veränderungen über 20 Jahre
7.1 Sportliche Leitung
| Zeitraum | Funktion |
|---|
| 1999 – 2012 | Klaus Allofs, Geschäftsführer Sport |
| 2013 – 2016 | Thomas Eichin, Geschäftsführer Sport |
| 2016 – 30.06.2024 | Frank Baumann, Geschäftsführer Fußball |
| ab Sommer 2020 | Clemens Fritz, Leiter Profifußball |
| ab 01.07.2024 | Clemens Fritz, Geschäftsführer Fußball |
| ab 17.06.2024 | Peter Niemeyer, Leiter Profifußball |
7.2 Cheftrainer
| Zeitraum | Trainer |
|---|
| 1999 – Mai 2013 | Thomas Schaaf |
| 2013 – Herbst 2014 | Robin Dutt |
| Herbst 2014 – 18.09.2016 | Viktor Skripnik |
| 02.10.2016 – 30.10.2017 | Alexander Nouri |
| 10.11.2017 – Mai 2021 | Florian Kohfeldt |
| 2021 (interimistisch) | Thomas Schaaf |
| Sommer – November 2021 | Markus Anfang |
| Dezember 2021 – Frühjahr 2025 | Ole Werner |
| Sommer 2025 – 01.02.2026 | Horst Steffen |
| seit 04.02.2026 | Daniel Thioune |
7.3 Medizin und Athletik
| Zeitpunkt | Vorgang |
|---|
| 2009 / 2011 | Auslagerung und anschließender Verkauf des vereinseigenen Reha-Zentrums (siehe Abschnitt 4). |
| Januar 2020 | Externe Experten sollen die Ursachen der Verletztenmisere ermitteln. Ergebnisse wurden nie öffentlich gemacht. |
| Sommer 2020 | Umstrukturierung der medizinischen Betreuung: neue Praxis im Weserstadion. Dr. Benjamin Schnee ist die zentrale Figur — und verlässt den Verein bereits nach wenigen Monaten wieder. Dr. Daniel Hellermann übernimmt als Mannschaftsarzt, Dr. Alberto Schek wird Chefarzt des neuen sportmedizinischen Bereichs. |
| 02.01.2026 | Mitten in der Saison mit dem zweitschlechtesten Ausfallwert der Liga wechselt Reha-Athletiktrainer Marcel Abanoz zu RB Leipzig. Die Reha-Einheiten übernimmt „vorerst" Kira Klemmer, Athletiktrainerin aus dem Leistungszentrum. |
| Frühjahr 2026 | Fritz kündigt eine „großangelegte medizinische Analyse" nach Saisonende an. |
| Sommer 2026 | Thioune stellt um: Trainingsbeginn nach freiem Tag erst nachmittags statt morgens, kein Doppeltraining am ersten Tag nach der Pause, verpflichtend verlängerte Regenerationszeiten, regelmäßige Kontrolle des CK-Werts zur Früherkennung von Muskelschäden und Überbelastung. |
7.4 Was die Personalwechsel bewirkt haben
- Trainer erklären das Problem nicht. Es trat unter Kohfeldt, Werner, Steffen und Thioune auf. Kohfeldt hatte im Winter 2017/18 den fünftgesündesten Kader der Liga und zwei Jahre später den schlechtesten — bei gleichem Trainer. Damit scheidet der Trainer als Hauptursache faktisch aus.
- Die medizinische Umstrukturierung 2020 brachte eine kurzfristige Verbesserung (Rang 18 auf Rang 7), die nicht stabil blieb. Die zentrale Personalie dieser Umstrukturierung war binnen Monaten wieder weg.
- Kontinuität besteht nur auf einer Ebene. Clemens Fritz ist seit Sommer 2020 durchgehend in leitender sportlicher Funktion — erst als Leiter Profifußball, seit 2024 als Geschäftsführer. Das ist ein Sachverhalt, keine Schuldzuweisung; aber es ist die einzige Ebene mit durchgehender Kontinuität, während Trainer, Ärzte und Athletikpersonal mehrfach wechselten.
- Zwei Untersuchungen, kein veröffentlichtes Ergebnis. Im Januar 2020 wurden externe Experten beauftragt, im Frühjahr 2026 eine „großangelegte medizinische Analyse" angekündigt. In beiden Fällen ist öffentlich nichts über Befund oder Konsequenzen bekannt. Das ist der Punkt, an dem man ansetzen sollte.
8. Befund 7 — Trainingsplätze
| Zeitpunkt | Sachverhalt |
|---|
| Sommer 2019 | Trainingsplatz und Stadionrasen werden erneuert. Kohfeldt kritisiert, der Trainingsplatz habe nicht die korrekten Maße eines Fußballfeldes, und regt einen grundsätzlichen Umbau an. |
| Frühjahr 2022 | Ole Werner bemängelt öffentlich den Zustand der Trainingsplätze. |
| April 2023 | Werner erneut, deutlicher: Ein Trainingsplatz sei seit vier Monaten nicht nutzbar (keine Rasenheizung, dazu ein Wasserschaden), der zweite durch Belastung so schlecht, dass vernünftiges Training kaum möglich sei. Die Profis weichen für den Rest der Saison auf Platz 11 aus. Werner verweist ausdrücklich auf dasselbe Problem im Vorjahr. |
| Sommer 2023 | Reaktion: Sanierung der Plätze 4 und 5, Einbau von Hybridrasen. Platz 11 erhält aus Termingründen keinen neuen Untergrund. |
| Sommer 2025 | Beginn der Sanierung von Platz 11. |
| Sommer 2026 | Neuer Rasen im Weserstadion. |
Bewertung Ihrer Platz-Hypothese: Der schlechte Zustand der Trainingsanlage ist über mehrere Jahre öffentlich und vom eigenen Cheftrainer dokumentiert — das ist unstrittig. Als
Ursache der Verletzungshäufung trägt sie in dieser Form jedoch nicht:
- Zeitliche Diskrepanz. Die Platzkritik fällt jeweils ins Frühjahr, wenn die Plätze über den Winter abgenutzt sind. Die Häufungen beginnen dagegen im Sommer, direkt nach der Sanierung und teils auf frisch verlegtem Rasen.
- Ortswechsel ohne Effekt. Große Teile der Vorbereitung finden im Trainingslager statt (2023 Zillertal, 2026 Harsewinkel). Auch dort traten Ausfälle auf.
- Falscher Verletzungstyp. Schlechte Plätze verursachen typischerweise Sprunggelenks- und Knieverletzungen durch Unebenheiten. Der auffällige Bremer Befund sind muskuläre Verletzungen — die an Belastungssteuerung und Regeneration hängen, nicht am Untergrund.
- Zeitlich falsch platziert. Der Bruch in den Zahlen liegt 2018/19. Die dokumentierte Platzkritik setzt in dieser Schärfe erst 2022 ein.
Wo die Hypothese trägt: Nicht als medizinische Ursache, sondern als
struktureller Belastungsfaktor und als Beleg für knappe Ressourcenausstattung. Wenn über Monate nur ein nutzbarer Platz zur Verfügung steht, wird dieser überbeansprucht, Trainingsformen werden eingeschränkt, Ausweichlösungen kosten Wege und Zeit. So formuliert ist der Punkt haltbar. Als „der Platz ist schuld" ist er in zwei Sätzen widerlegbar.
9. Gesamtbewertung
Was sich über 20 Jahre belegen lässt:
- Bis einschließlich Winter 2017/18 war Werder in der Verletzungsstatistik überdurchschnittlich gesund (Rang 5 von 18).
- Zwischen Winter 2017/18 und Sommer 2020 erfolgte ein scharfer Bruch: von Rang 5 über Rang 16 auf Rang 18. Das ist der datierbare Beginn der negativen Entwicklung.
- Seither wurde das Niveau nie wieder stabil: Schwankung zwischen Rang 7 bis 9 und Rang 17 bis 18, ohne dass eine Verbesserung länger als ein bis zwei Spielzeiten gehalten hätte.
- Die Häufung setzt wiederholt bereits in der Sommervorbereitung ein — belegt für 2019, 2023, 2025 und 2026. Zwei aufeinanderfolgende Sommer (2025, 2026) zeigen ein nahezu identisches Bild.
- Der Verein hat zweimal Untersuchungen angekündigt (2020, 2026) und in keinem Fall ein Ergebnis öffentlich gemacht.
- Von 2009 bis 2020 — elf Jahre — verfügte Werder über keine eigene sportmedizinische Reha-Einrichtung am Trainingsstandort, obwohl der Verein zuvor mit dem SporThep bundesweit als Vorreiter galt und 2011 selbst eine Wiederanbindung ankündigte.
- Die Erklärung des Vereins selbst verweist auf Kaderplanung und Belastungssteuerung, nicht auf Zufall.
Was sich nicht belegen lässt:
- Eine 20 Jahre andauernde, kontinuierliche Verschlechterung. Die Daten zeigen einen Bruch, keinen langsamen Verfall — und für 2006 bis 2016 existieren keine abrufbaren Zahlen.
- Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Auslagerung der Sportmedizin 2009/2011 und dem Einbruch 2018/19. Dazwischen liegen acht bis neun Jahre.
- Ein kausaler Zusammenhang zwischen Platzzustand und Verletzungen.
- Ein individuelles Verschulden einzelner Personen. Dafür wären interne Trainings-, Belastungs- und Reha-Daten nötig, die nicht öffentlich sind.
Einschätzung zu Ihren beiden Vermutungen:
Die Vermutung
„sportliche Leitung" ist deutlich besser belegbar als die Vermutung
„Trainingsplatz". Die Kette
unfertiger Kader → keine Kompensation von Ausfällen → Überbelastung der Verbliebenen → muskuläre Folgeverletzungen wird vom Sportchef selbst so beschrieben und lässt sich für 2025/26 und 2026/27 identisch nachzeichnen. Der Platz gehört in dieselbe Argumentation — aber als Beleg für knappe Ressourcen, nicht als medizinische Ursache.
Der stärkste Punkt liegt allerdings in einer Zahl, die in Ihrer ursprünglichen Vermutung nicht vorkam:
2019/20 verletzten sich acht Profis während der laufenden Reha erneut. Wiederverletzungen in der Reha sind der klassische Indikator für zu frühe Belastungsfreigabe. Dass sechs Jahre später der zuständige Reha-Athletiktrainer mitten in einer Rekord-Ausfallsaison abwandert und nur „vorerst" ersetzt wird, verbindet Anfang und Ende des kritischen Zeitraums zu einem Muster — und dieses Muster liegt genau in dem Bereich, den der Verein 2009 aus der Hand gegeben und erst 2020 wieder aufgebaut hat.
10. Offene Fragen, die zu stellen wären
- Was war das Ergebnis der im Januar 2020 beauftragten externen Untersuchung? Wurde ein Bericht erstellt, und welche Maßnahmen folgten daraus?
- Was war das Ergebnis der für Sommer 2026 angekündigten „großangelegten medizinischen Analyse"?
- Wie viele Wiederverletzungen (Re-Injuries innerhalb von 60 Tagen nach Rückkehr) gab es je Saison seit 2017/18?
- Wie hat sich das Verhältnis traumatischer zu muskulären Verletzungen seit 2017/18 entwickelt?
- Warum wurde die Stelle des Reha-Athletiktrainers im Januar 2026 nur interimistisch nachbesetzt?
- Wie hoch war die Personalstärke der medizinischen und athletischen Abteilung im Ligavergleich?
- Welche fachliche Bewertung gab es 2009 zur Auslagerung des SporThep aus dem Weserstadion, und warum dauerte die 2011 angekündigte Wiederanbindung neun Jahre?
- Wie viele nutzbare Trainingsplätze standen der Profimannschaft in jedem Monat der letzten zehn Jahre tatsächlich zur Verfügung?
- Warum war der Kader in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zum Pflichtspielstart nicht komplett?
11. Hinweis zur Verwendung
Dieses Protokoll ist eine Auswertung öffentlich zugänglicher Quellen durch einen Außenstehenden. Es enthält keine internen Vereinsdaten und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; die Datenlücke 2006 bis 2016 ist ausdrücklich benannt. Die Stärke der Argumentation liegt im datierbaren Bruch 2017/18 bis 2019/20, in der Wiederholung des Musters über mehrere Personalkonstellationen hinweg und darin, dass der Verein selbst zweimal Untersuchungen angekündigt, aber nie ein Ergebnis vorgelegt hat.
12. Quellen
- fussballverletzungen.com, 30.12.2017 — Verletzungstabelle zur Winterpause 2017/18 (Werder Rang 5, Ø 22,27)
- DeichStube — Hinrunden-Auswertung 2018/19: Werder drittgrößtes Verletzungspech, 1.142 Ausfalltage / 33 Spieler / Ø 34,61
- fussballverletzungen.com, 19.05.2019 — Verletzungstabelle 2018/19 (Schlusslicht Hannover 96, Ø 66,48)
- fussballverletzungen.com, 28.06.2020 und Weser-Kurier, 28.06.2020 — Verletzungstabelle 2019/20 (Werder Ø 69,06, letzter Platz; Hertha BSC Ø 30,20 als bester Wert)
- DeichStube, 09.06.2021 — Verletzungsstatistik 2020/21 (Werder Ø 46,07, Rang 7)
- DeichStube / Weser-Kurier, 24.06.2023 — Verletzungstabelle 2022/23
- Sky Sport / Sky Sport Austria, 27.12.2023 — Verletzungstabelle der Hinrunde 2023/24
- DeichStube, 01.04.2026 — „Werder von Verletzungssorgen verfolgt — einfach Pech oder doch ein strukturelles Problem?" (Daten transfermarkt.de; Zitate Clemens Fritz)
- Weser-Kurier, 29.08.2026 — „Wie Werder das Dauerthema Verletzungen in den Griff bekommen will" (Zitate Thioune, CK-Wert, Trainingsumstellung)
- Weser-Kurier / DeichStube, August 2026 — 13 Ausfälle in der Vorbereitung, Testspiel Paderborn, Trainingslager Harsewinkel
- buten un binnen / sportschau.de, 20.07.2025 — „Unglückliche Umstände": Werder hadert mit seinem Verletzungspech
- DeichStube, Januar 2020 — „Verletzungspech beim SV Werder Bremen: Experten sollen Grund finden" (Kohfeldt, Baumann)
- DeichStube, Juli 2020 — Umstrukturierung der medizinischen Abteilung, Abgang Dr. Schnee, 22 verletzte Spieler und acht Reha-Wiederverletzungen 2019/20
- werder.de und Gesundheit Nord, 12.10.2011 — Fusion Sporthep Werder GmbH / Rehazentrum Bremen GmbH; Umzug des SporThep 2009; Zitat Klaus Allofs
- RehaZentrum Bremen — Historie und Interview „125 Jahre Werder Bremen: Das Bremer Erfolgsmodell in der Sportmedizin" mit Dr. Götz Dimanski (ärztlicher Leiter 1991–2012)
- Weser-Kurier, 06.04.2023 — Ole Werner kritisiert Zustand der Trainingsplätze
- DeichStube, Juni 2023 — Sanierung der Trainingsplätze 4 und 5, Hybridrasen
- Eurosportsturf, Juni 2019 — Rasenerneuerung, Kohfeldt-Kritik an den Maßen des Trainingsplatzes
- werder.de, 02.01.2026 — „Veränderungen im Funktionsteam" (Abgang Marcel Abanoz, Interimslösung Kira Klemmer)
- werder.de, 22.02.2024 und 06.05.2024 — Personalien Clemens Fritz und Peter Niemeyer
- goal.com, 2019 und 2023 — Kreuzbandriss Füllkrug im Training, Adduktorenverletzung Naby Keïta in der Vorbereitung
- Wikipedia, Saisonartikel SV Werder Bremen 2010/11 bis 2025/26 — Trainer- und Funktionärsdaten