Fussballfans sind keine Verbrecher!

Das ist zweifellos richtig. Heynemann redet da unfassbaren Unsinn, und es ist ziemlich peinlich für jemanden mit seinem Background.

Aber, und das meine ich jetzt gar nicht böse sondern als "Denkanstoß": Vielleicht ist es wirklich ein Problem, dass viele Nicht-Insider Ultras genau SO wahrnehmen. Was einerseits an deren Ahnungslosigkeit liegt, andererseits aber auch an dem, was man von Ultras meistens so mitbekommt.

Und das ist zwar -anders als Heynemann schreibt- keine Gewaltbereitschaft oder Aggression, aber es ist eben auch nicht mehrheitlich positiv und entspannt. Wenn Du mal Leute außerhalb der Ost fragen würdest, wie Ultras auf sie wirken, dann würde wahrscheinlich kommen: Protestieren grundsätzlich immer gegen irgendwas, sind oft schlechtgelaunt und nölig, klinken sich aus der Gemeinschaft der übrigen Fans zugunsten ihrer kleinen Gruppe aus, lassen sich sehr leicht provozieren (ob von Gegner oder Polizei) und wirken, als wollen sie mit der breiten Masse nichts zu tun haben.

Jedenfalls ist in der Außenwirkung nicht mehr viel übrig von dem ursprünglichen Anspruch, sich in erster Linie um positive Stimmung in Stadien verdient machen zu wollen.

Und das schreibe ich nicht als "Ultra-Bashing" (also bitte nicht gleich wieder auf Abwehrhaltung schalten!), sondern wirklich als Sammlung von Eindrücken, die man vielleicht außerhalb der Ost komplett anders wahrnimmt, als wenn man mittendrin steht und singt. Und auch wenn vieles davon vielleicht auf Missverständnissen beruht, sollte es niemandem egal sein, wie das rüberkommt, was man eigentlich beabsichtigt.

Kann gut sein, dass viele Leute außerhalb der Ost so denken. Aber du meintest, das wäre eine Sammlung von Eindrücken, also frage ich mich, wie du zu diesen Eindrücken kommst. Weil die Ultras nunmal den Verein kritischer sehen, ab und zu Spruchbänder zu bestimmten Themen zeigen, auch mal was hinterfragen, kommt man vielleicht zu dem Eindruck, dass die grundsätzlich immer gegen etwas protestieren, wenn man sich nicht richtig auskennt. Aber warum ist das ein schlechter Eindruck? Warum sollten Außenstehende zu dem Eindruck kommen, dass Ultras oft schlechtgelaunt sind und dass sie sich aus der Gemeinschaft ausklinken?
 
Warum sollten Außenstehende zu dem Eindruck kommen, dass Ultras oft schlechtgelaunt sind und dass sie sich aus der Gemeinschaft ausklinken?

Das hat sich wohl im Laufe der Jahre so entwickelt. Einerseits wurden die Gesänge der Ultras lahmer und generell wurde ein komischer Weg eingeschlagen, andererseits hat sich die restliche Fangemeinde zu Zeiten des absoluten Erfolges der letzten Jahre einen Dreck um Belange wie Fankultur geschert und wirkten erfolgsverwöhnt und irgendwie Kundenhaft (nicht alle, kommt einem aber gerade bei Auswärtsspielen wie in München irgendwie so vor). Die Ultras sind vielleicht ein wenig in ihren Überzeugungen abgehoben.
Das führte zu Pauschalisierungen: Die eine Seite schreit: "Chaoten", die andere:"Eventfans". Unter dem Strich steht mMn, dass beide Seiten Fehler gemacht haben die es jetzt gilt wieder auszubessern.
 
Erstmal Zustimmung an Linienrichter. Ich denke, das ist eine gute Beschreibung der "Aussenwirkung" von Ultras. Und in dem Punkt, dass sie nicht gewaltbereit und aggressiv wirken, muss ich Dir leider sogar widersprechen. Sicherlich ist das bei unseren Ultras so (also dass sie nicht aggressiv oder gewaltbereit wirken), wenn ich mir dann aber Bilder der Stellinger bei ihrem Marsch durch Bremen anschaue, dann wirkt das für mich alles andere als friedlich. Die Frankfurter sind da sicherlich auch ein anderes Kaliber. Nur mal so am Rande.

Kann gut sein, dass viele Leute außerhalb der Ost so denken. Aber du meintest, das wäre eine Sammlung von Eindrücken, also frage ich mich, wie du zu diesen Eindrücken kommst. Weil die Ultras nunmal den Verein kritischer sehen, ab und zu Spruchbänder zu bestimmten Themen zeigen, auch mal was hinterfragen, kommt man vielleicht zu dem Eindruck, dass die grundsätzlich immer gegen etwas protestieren, wenn man sich nicht richtig auskennt. Aber warum ist das ein schlechter Eindruck? Warum sollten Außenstehende zu dem Eindruck kommen, dass Ultras oft schlechtgelaunt sind und dass sie sich aus der Gemeinschaft ausklinken?

HB2108 hat das schon ganz gut beschrieben. Und wenn man aus dem Ultra-Umfeld ständig zu diversen Themen solche Aussagen hört wie "Wenn ihr das Spiel sehen wollt, stellt Euch doch einfach woanders hin und nicht zu uns oder hinter die Fahnen", oder "Wer zu nem Fussballspiel geht, muss schonmal damit rechnen, dass seine gekauften, reservierten Plätze durch Ultras die Stimmunge machen wollen in Anspruch genommen werden", oder "Macht bei unseren Gesängen das Maul auf oder macht was Eigenes oder beschwert Euch halt nicht", dann macht das halt nicht unbedingt den Eindruck (nach aussen), dass diese Gruppierungen an irgendwas interessiert sind was Rücksichtnahme, Zusammenhalt oder Gemeinschaftsgefühl mit denjenigen, die halt "normal" sind, ausdrückt.
 
Das ist zweifellos richtig. Heynemann redet da unfassbaren Unsinn, und es ist ziemlich peinlich für jemanden mit seinem Background.

Aber, und das meine ich jetzt gar nicht böse sondern als "Denkanstoß": Vielleicht ist es wirklich ein Problem, dass viele Nicht-Insider Ultras genau SO wahrnehmen. Was einerseits an deren Ahnungslosigkeit liegt, andererseits aber auch an dem, was man von Ultras meistens so mitbekommt.

Und das ist zwar -anders als Heynemann schreibt- keine Gewaltbereitschaft oder Aggression, aber es ist eben auch nicht mehrheitlich positiv und entspannt. Wenn Du mal Leute außerhalb der Ost fragen würdest, wie Ultras auf sie wirken, dann würde wahrscheinlich kommen: Protestieren grundsätzlich immer gegen irgendwas, sind oft schlechtgelaunt und nölig, klinken sich aus der Gemeinschaft der übrigen Fans zugunsten ihrer kleinen Gruppe aus, lassen sich sehr leicht provozieren (ob von Gegner oder Polizei) und wirken, als wollen sie mit der breiten Masse nichts zu tun haben.

Jedenfalls ist in der Außenwirkung nicht mehr viel übrig von dem ursprünglichen Anspruch, sich in erster Linie um positive Stimmung in Stadien verdient machen zu wollen.

Und das schreibe ich nicht als "Ultra-Bashing" (also bitte nicht gleich wieder auf Abwehrhaltung schalten!), sondern wirklich als Sammlung von Eindrücken, die man vielleicht außerhalb der Ost komplett anders wahrnimmt, als wenn man mittendrin steht und singt. Und auch wenn vieles davon vielleicht auf Missverständnissen beruht, sollte es niemandem egal sein, wie das rüberkommt, was man eigentlich beabsichtigt.

1.Ultras protestieren, weil sie z.b durch Spruchbänder ihre Meinung kundtun.
Das kannst du genauso tun!
2.Wir sind weder schlecht gelaunt noch nölig. Ich für meinen Teil habe auf fahrten z.b immer gute Laune und das haben auch alle anderen die ich kenne aus der Szene!
3.Wir klinken uns auch bewusst aus der Gesellschaft aus.
Wir wollen nicht ins Stadion gehen, auf Plastikschalen ein Spiel schauen ohne Stimmung. Den Ultra ist ein Fankultur die man nicht beschreiben kann!
4.Es ist so und das geben auch viele Ultras zu, dass die Ultraphilosophie immer eine Minderheitsgruppe darstellen wird.
Es können nicht alle Ultra sein. Warum? Weil dann der Baustein der Kultur fehlt.
Wir heben uns ab, weil wir anders Leben als die meisten Leute im Stadion.
Prinzipiell wie eine "Anti Spießbürgertum" truppe.
5.Wir beabsichtigen aber auch, dass wir uns offen repräsentieren.
Jeder der Interesse an der Sache hat, ist dann auch willkommen.
 
4.Es ist so und das geben auch viele Ultras zu, dass die Ultraphilosophie immer eine Minderheitsgruppe darstellen wird.
Es können nicht alle Ultra sein. Warum? Weil dann der Baustein der Kultur fehlt.
Wir heben uns ab, weil wir anders Leben als die meisten Leute im Stadion.
Prinzipiell wie eine "Anti Spießbürgertum" truppe.

Ungefähr bis zum 25. Lebensjahr. Dann kommen Job, Frau und Kind. Nicht böse sein, aber so habe ich in einem gewissen Alter auch noch gedacht und dann gemerkt, dass viele der "Spießer" genauso sind wie ich und ich genau wie die Spießer bin.
 
Wir heben uns ab, weil wir anders Leben als die meisten Leute im Stadion.
Prinzipiell wie eine "Anti Spießbürgertum" truppe.

Dann haben wir unterschiedliche Vorstellungen von Spießbürgertum.

Für mich ist es z.B. auch spießig, wenn innerhalb einer Gruppe alle Leute dieselben Klamotten tragen. Oder wenn sie Stimmung nicht individuell sondern nur hinbekommen, solange sie von einem Vorsänger angeleitet werden. Oder wenn sie sich selbst beim Supporten fotografieren, um zu belegen wie geil sie mal wieder waren und die Fotos dann irgendwo zu verkaufen oder zu tauschen.

Aber das ist sicher Geschmackssache und trifft ja auch nicht auf jeden Ultra zu.
 
Dann haben wir unterschiedliche Vorstellungen von Spießbürgertum.

Für mich ist es z.B. auch spießig, wenn innerhalb einer Gruppe alle Leute dieselben Klamotten tragen. Oder wenn sie Stimmung nicht individuell sondern nur hinbekommen, solange sie von einem Vorsänger angeleitet werden. Oder wenn sie sich selbst beim Supporten fotografieren, um zu belegen wie geil sie mal wieder waren und die Fotos dann irgendwo zu verkaufen oder zu tauschen.

Aber das ist sicher Geschmackssache und trifft ja auch nicht auf jeden Ultra zu.

Du denkst da irgendwie in eine falsche Richtung. Die tragen doch eig nie die gleichen Klamotten, und wenn, dann fände ich das auch nicht schlecht, weil das in irgendeiner Form Einigkeit ausdrückt. Mein Traum wäre es z.B. gewesen wenn 6.000 Bremer in HH im Cupfighters-Shirt eine Weiße Wand gebildet hätten. Was du für ein Problem mit dem Vorsänger hast, verstehe ich irgendwie nicht, soetwas gibt es doch schon ziemlich lange. Er ist einfach nur zur besseren Koordination der Lieder da, ich glaube dein Problem liegt eher in seiner Liedauswahl als in seiner Funktion.
Man kann doch ruhig mal Fotos von der Kurve machen, das Interesse der Ultras liegt doch darin die Kurve möglichst "geil" (wie du es sagst) aussehen zu lassen nicht sich selber. Wer verkauft eigentlich Fotos oder tauscht sie? Die kommen ins Netz damit sie sich jeder anschauen kann wie die Kurve an jenem Tag ausgesehen hat und das wars.
 
@ HB2108

Ich habe kein grundsätzliches Problem mit Vorsängern. Ich habe ein Problem mit der Behauptung, ohne Vorsänger könne es keine vernünftige, von den Fans ausgehende Stimmung geben. Und diese Aussage kommt oft von Leuten, die nach eigenen Angaben "gegen den modernen Fußball" sind und dabei völlig ignorieren, dass es früher keine Vorsänger gab, und dennoch war die Stimmung besser. Was in meinen Augen zu einem guten Teil daran lag, dass sich früher keine Gruppe in ein Biotop zurückzog und aus der Gemeinschaft einer großen Kurve ausgeklinkt hat.

Aber das ist wieder ein Thema für sich und hier OT.
 
Arnie erläutere mir bitte dieses früher in deinem Satz 90er 80er etc. pp.
Und ich sehe das anders...Ich glaube das der Vorsänger wirklich nur zur Koordination dient, ob das Lied langsamer gesungen werden soll etc. pp.
Und ich weiß nicht ob ich das richtig verstanden habe aber ich denke nicht nur weil heute ein Vorsänger auf dem Zaun steht und damals nicht hat d as mit dem modernen Fußball nichts zu tun oder?
 
Ich habe kein grundsätzliches Problem mit Vorsängern. Ich habe ein Problem mit der Behauptung, ohne Vorsänger könne es keine vernünftige, von den Fans ausgehende Stimmung geben.

Gibts doch auch bei uns nicht wirklich oder? Ich meine in Leverkusen war teilweise oder sogar das ganze Spiel niemand auffem Zaun, jedenfalls nicht mit Megaphon, und da war sehr schwache Stimmung. Ich meine, ich hätte sogar gehört, dass die Ultras das auch wegen der Proteste anderer mal ausprobieren wollten, bin mir da aber nicht sicher. Auf jeden Fall sieht man aber, dass ohne Vorsänger nicht wirklich viel kommt.
 
@ HB2108

Ich habe kein grundsätzliches Problem mit Vorsängern. Ich habe ein Problem mit der Behauptung, ohne Vorsänger könne es keine vernünftige, von den Fans ausgehende Stimmung geben. Und diese Aussage kommt oft von Leuten, die nach eigenen Angaben "gegen den modernen Fußball" sind und dabei völlig ignorieren, dass es früher keine Vorsänger gab, und dennoch war die Stimmung besser. Was in meinen Augen zu einem guten Teil daran lag, dass sich früher keine Gruppe in ein Biotop zurückzog und aus der Gemeinschaft einer großen Kurve ausgeklinkt hat.

Aber das ist wieder ein Thema für sich und hier OT.

Wo sollen wir denn darüber schreiben?
Vorsänger gibt es schon lange, vllt. in Bremen erst seit der Eastside. Vor der Eastside war die Stimmung vllt. auch ganz gut, aber zwischen ihrer Gründung (97) und der Meisterschaft 04 war die Stimmung am besten. Das es momentan nicht klappt habe ich schon beschrieben, das liegt einfach an den beiden Parteien Ultras und Nicht-Ultras und hat weniger mit der Person des Vorsängers zu tun. Ohne Vorsänger wäre die Stimmung heutzutage noch schlechter, weil die Ultras dann ohne Vorsänger ihr Ding durchziehen würden und das auch noch unkoordinierter.
Unterm Strich sei noch gesagt, dass sich eigentlich keiner aus der Gemeinschaft ausklinken will, die wollen ja mit euch singen, das das nicht klappt hat wieder die von mir bereits erwähnten Gründe.
Ich verstehe nicht was du mit "in ein Biotop" zurückziehen meinst. (oder meinst du Utopie?)
 
Gibts doch auch bei uns nicht wirklich oder? Ich meine in Leverkusen war teilweise oder sogar das ganze Spiel niemand auffem Zaun, jedenfalls nicht mit Megaphon, und da war sehr schwache Stimmung. Ich meine, ich hätte sogar gehört, dass die Ultras das auch wegen der Proteste anderer mal ausprobieren wollten, bin mir da aber nicht sicher. Auf jeden Fall sieht man aber, dass ohne Vorsänger nicht wirklich viel kommt.

Was man natürlich mit einem Versuch belegen kann, weil sich ja niemand an die Vorsänger "gewöhnt" hat und sich das "freie" Singen nicht auch erst finden muss.
 
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