Zitat von Südfan;179722:
...Der Verein hat nur wenig Fans, wenig Merchandising, wenig Werbewirksamkeit. Ich kann mir nicht vorstellen, das sich das auf die Schnelle grundlegend ändert, egal wie gut die spielen...
Ich glaube, da irrst Du Dich ganz gewaltig. Erfolg macht bekanntlich sexy, und da wird Hoffenheim keine Ausnahme darstellen. Das sollte Dir als München-Fan nicht ganz unbekannt sein. Gleiches gilt natürlich auch Werder, die in den letzten Jahren von den Medien quasi zum "guten" Gegenpol zu Bayern stilisiert wurden, aber eben auch Erfolg hatten. Sowas zieht die Leute an. Genauso wie in Zeiten des Misserfolgs nur der harte Kern über bleibt.
Hoffenheim hat fußballtechnisch ja nicht mal einen Ansatz von Geschichte vorzuweisen, und trotzdem bekommen sie das Stadion schon jetzt jeden Spieltag rappelvoll, die SAP-Arena ist sogar voraussichtlich viel zu klein konzipiert. Was ich so gelesen habe, war auch die Nachfrage für Karten im Auswärtsblock der Allianz Arena in dieser Saison noch sie hoch wie am Freitag gegen Hoffenheim. Ich würde fast darauf wetten, dass einige derer, die sich heute bereits als Hoffenheim-Fans bezeichnen, vor kurzem noch im roten oder grünen Dress unterwegs waren. Und das mediale Interesse ist jetzt schon gewaltig. Letzten Endes haben ja nicht 168 (oder so) Länder am Freitag zugeschaut und sind die Wellen in Deutschland so hoch geschwappt, weil es ein Duell 1. gegen 2. in der Bundesliga (meilenweit weg von der entscheidenden Saisonphase) gegeben hat, sondern weil viele glauben, dass hier eine Zeitenwende im deutschen Fußball eingeläutet werden könnte.
Laut hochgerechneten Umfragen behaupten derzeit etwa 10 Millionen in Deutschland von sich, Fan von Bayern München zu sein. Dass ist letzten Endes natürlich auch ein wirtschaftlicher Faktor für den Verein (Merchandise, Fernsehgelder, Sponsoreninteresse). Dass der Großteil davon auf keinem festen Fundament steht, ist Dir sicher auch bewußt. Stell Dir das Szenario vor, Hoffenheim holt 3 mal hintereinander die Schale und mischt nebenbei auch die CL auf. Und dann starte die gleiche Umfrage nochmal.
Bayern hat sich ohne Frage im Unterschied zu Hoffenheim seine heutige Position im Wesentlichen selbst erarbeitet. Das interessiert aber, glaube ich, nur die wenigsten. Die meisten schauen drauf, was auf dem Rasen passiert und was hinten dabei rauskommt. Und dass die Hoffenheimer Euch bereits in ihrer ersten Saison eine Halbserie auf Augenhöhe begegnen konnten, sowohl in der Tabelle als auch im direkten Vergleich am Freitag, wird auch den Verantwortlichen beim FCB nicht besonders schmecken. Daher auch die ausgelassene Freude am Freitag und das große Interesse von allen Seiten. In dieser Saison ist es m.M.n. eine Selbstverständlichkeit, dass die Bayern vor den Hoffenheimern landen werden, denn Hopp hin oder her, eine Mannschaft mit 150 Millionen Gehalt pro Jahr steht da noch bei Weitem nicht auf dem Rasen. Aber mit dem Geld vom Hopp wird das sicher schneller, als ihr denkt, ganz heftige Konkurrenz werden. Von Hoffenheim hat man deutschlandweit, wenn ich mich richtig erinnere, erstmals 2006 richtig Notiz genommen, als Rangnick dahin gewechselt ist. Das Ziel Bundesliga war damals klar, und dass jede Menge Geld dahinter steckt auch. Dass es so schnell geht, hat damals aber auch keiner erwartet.
Wenn es so kommt, wird es interessant werden zu sehen, wie die Bayern darauf reagieren. In den vergangenen Jahren war die Erfolgs-Strategie der Bayern eher eine schlichte, namentlich hieß diese Festgeldkonto. Lästige Konkurrenz in der Liga wurde mit wirtschaftlicher Macht erdrückt. Ullis Konto dürfte für Hopp in etwa so beeindruckend sein wie die Kegelkasse von "Gut Holz Wanne-Eickel". Auf dem Rasen hat man allerdings schon länger nicht viel innovatives aus München gesehen. Das haben die Bayern jetzt mit Klinsmann versucht, einzukaufen. Bisher sieht's nicht groß anders aus als zu Magaths Zeiten oder in Hitzfelds zweiter Amtszeit. Mit den altbekannten Mitteln wird sich Hoffenheim allerdings schwerlich abschütteln lassen. Bleibt noch die Frage, was passiert, wenn Hopp eines Tages mal nicht mehr ist. Ob die Stiftung so ausgestaltet ist, dass Hoffenheim zu einem "normalen" BuLi-Verein mutiert oder gar komplett wieder in der Versenkung verschwindet. Im Moment kann man denen aber sicher eine goldene Zukunft vorhersagen.
Für Spannung in der Spitze der Liga ist damit m.M.n. für die nächsten Jahre gesorgt. Und wenn es so kommt, wird entweder der gesamte Kuchen größer werden müssen, oder das Stück der Bayern wird halt kleiner. Auch, wenn ich für die Vorhersage von Schmolle wieder einen Tritt bekommen werde.
