Ja doch, der HSV ist wirklich abgestiegen, ansonsten war die Berichterstattung über das letzte Spiel der Saison aber ein Beispiel dafür, wie schnell auch seriöse Medien alternative Fakten, bzw. einfach Quatsch verbreiten. „Binnen Minuten verwandelte sich die Arena in ein Schlachtfeld.“ (
Süddeutsche Zeitung), „Schwere Krawalle in Hamburg“
(
RTL), „Randalierer verwandeln den HSV-Abstieg in eine Horror-Show“ (
stern), „Es waren Bilder, die mehr an einen Bürgerkrieg als an ein Fußballspiel erinnern.“ (
Augsburger Allgemeine).
Schlachtfeld? Bürgerkrieg? Was war passiert? Nachdem einige Ultras mit Raucheimern und Pyros die Nordkurve eingenebelt hatten, wobei eine Werbebande beschädigt wurde, stürmten Hundertschaften der Polizei mit Polizeihunden und Polizeipferden den Platz. Und dann: standen sie da rum. Weil sonst eben nichts passierte. Es gab keine Krawalle, keine Randale - und nicht einen einzigen Verletzten auf diesem „Schlachtfeld“, in diesem „Bürgerkrieg“, null. Das ist weniger als bei jedem Junggesellenabschied.
Natürlich ist ein solches Gezündel inmitten einer Menschenmenge gefährlicher Unsinn und dummes Machogehabe und strikt abzulehnen, aber: Das Feuerwerk, das hier von vielen Medien abgefackelt wurde, war verheerender. Denn so macht sich Journalismus unglaubwürdig. Man muss nur diese beiden aufeinanderfolgenden Sätze, die die
WELT zustande brachte, lesen: „Kriegsähnliche Zustände prägen das Bild des HSV-Abstiegs. Einige Chaoten zünden im Volksparkstadion Raketen, Böller und Pyrotechnik.“ Da belegt man im zweiten Satz selbst, dass man im ersten Blödsinn erzählt hat. Na gut, „kriegsähnlich“ ist natürlich auslegbar. Rauch und Böller sind ähnlicher zu Krieg als zum Beispiel ein rosa Einhorn, das mag sein. Aber man hätte auch „BBQ-ähnliche Zustände“ oder „silvesterähnliche Zustände“ schreiben können und hätte weniger gelogen. Nicht nur der HSV ist abgestiegen am Samstag, auch viele Schlagzeilenschmiede stiegen sehr tief hinab.