Ich bin erst später aus Berlin zurückgekehrt und kann mich deshalb erst jetzt äußern, was vielleicht gut ist, sonst hätte ich Formulierungen gefunden, die zur Disqualifikation hier im Forum geführt hätten.
Ihr Entsetzen über die Leistung am Samstag haben inzwischen ja sehr viele geäußert. Ich muss das leider voll und ganz bestätigen.
Der Sieg der Bayern war auch in dieser Höhe verdient, es hätte auch ein 8:1 werden können.
Mir ist die Einstellung, mit der die Mannschaft aufs Feld geschickt wurde, ein glattes Rätsel. Bereits nach kurzem äußerten neutrale und Bayern-Fans in meinem Umfeld, die Bremer hätten ja richtig Angst vor ihren Gegnern. Und so war es auch. Werder war nicht primär defensiv, sondern ließ sich widerstandslos abschlachten. Wieso kamen sie nicht als Titelverteidiger und CL-Qualifikant mit breiter Brust aufs Feld?
Ich hatte ja mit einer Niederlage mit 1 oder 2 Toren gerechnet, aber so??? Und dabei hatte Werder eine Truppe auf dem Feld, von der mit 2 Ausnahmen jeder problemlos im Bayern-Ensemble hätte mithalten können? Wieso bekommt da die sportliche Leitung bei Werder keine kompakte Einheit hin? Von den Einzelpersonen her hatte Werder in seiner Geschichte noch nie bessere Spieler, 2007 und 1965 waren sie vielleicht gleichwertig.
Und dies hier ist wohl kein Einzelfall. Bereits vor ca. 2 Jahren verlor Werder zu Hause gegen Bayern 0:4, in diesem Jahr mit Glück nur 2:3. Und der Hinweis, es habe auch andere Spiele von Werder gegeben, zählt nicht. Außer dem letzten Schalke-Spiel hat Werder gegen die Großen der Liga (Bayern, Leverkusen, Dortmund, HSV, Wolfsburg, selbst Frankfurt, dgl. In der Euro-League) in diesem Jahr kein einziges Spiel gewonnen. Unverständlich ist, dass der ansonsten von mir sehr geschätzte Allofs das Ganze noch schön redet.
Ich habe schon genug Niederlagen von Werder miterlebt, das ist nun mal so und muss sein. Aber etwas derart Desolates lässt mich an die Zeit des Abstiegs 1980 und davor erinnern, nur dass damals die Truppe um mindestens 2 Klassen schlechter besetzt war.
Vor dem Spiel hatten wir uns überlegt, wie man denn Werder auch bei einer Niederlage ehren könne Finale ist immerhin Finale aber diese Lust ist uns durch diesen Auftritt aber vollkommen vergangen.
Vielleicht hat Werder schon zu oft in Berlin im Finale gestanden, das Ganze ist schon zur Routine geworden, und außer einem Titel konnte man sich durch einen Sieg ohnehin für nichts Weiteres qualifizieren. Andere Vereine träumen jahrzehntelang vergeblich davon, einmal in Berlin dabei sein zu können. Da darf man nicht einen so stümperhaften Auftritt hinlegen. Obwohl ich ziemlich nah am Spielfeld saß, habe ich einige Werderaner praktisch gar nicht gesehen: Borowski, Özil, Hunt, später Marin und Almeida. Da tut es mir für die leid, die gerackert haben und für die der Titel noch ein echtes Ziel war: Wiese, Naldo, Frings, Pizarro. Von den anwesenden Werder-Fans ganz zu schweigen.
Interessant ist, dass einem nunmehr hier außerhalb Bremens nicht Trost, sondern Mitleid und Häme entgegengebracht wird. Und leider ist der letzte Eindruck einer Saison der bleibende.
Und neutrale Fußball-Fans fragen sich: Was hat diese Truppe in der CL verloren. Da könne man nur ein Scheitern in der Qualifikation wünschen! So weit ist es nun!
Ich habe erst einmal eine Weile lang die Nase voll.
Euagoras