Allgemeiner Politik Thread

Großbritannien wird es so dann nicht mehr geben. Die Schotten und die Nord-Iren haben mehrheitlich für den Verbleib in der EU votiert und streben nun ebenfalls Unabhängigkeit an - von England...

Das wird vermutlich größte politische Erdbeben seit dem Fall der Mauer sein.
 
Das war's wohl auch für Großbritannien. Schottland und Nordirland haben schon angekündigt unabhängig werden zu wollen und wieder in die EU einzutreten.

Das übriggebliebene Kleinbritannien wird dann stark gegen die Bedeutungslosigkeit kämpfen müssen. Ich vermute einigen Ja-Wählern wird erst in den nächsten Jahren aufgehen, was genau der Austritt alles mit sich bringt.
 
Die Flüchtlingsthematik war lediglich Wasser auf die Mühlen der Brexit-Befürworter. Die Hauptursache für das Votum ist in der Politik Camerons zu finden: seit seiner Wahl zum Vorsitzenden der Tories vor 11 Jahren und auch als Prime Minister hat Cameron nur selten ein gutes Haar an der EU gelassen und somit die bei den Briten ohnehin schon sehr ausgrprägten Vorbehalte gegenüber der EU noch weiter manifestiert. Aufgrund dieser Vergangenheit wirkte Cameron wenig authentisch, als er sich in den letzten Monaten als Befürworter dieser Staatengemeinschaft darstellte; wahrscheinlich weil er einsehen mußte, daß ein Austritt aus der EU für das Vereinte Königreich gerade wirtschaftlich deutlich mehr Nach- als Vorteile bringt (das wußte bei übrigens schon die äußerst EG-kritische, fast schon EG-feindliche Maggie Thatcher, weshalb sie trotz allem Säbelrasseln einen Austritt nicht in Erwägung zog). Mit diesem Opportunismus und der daraus resultierenden Niederlage hat sich David "Wendehals" Cameron ins politische Absteits manövirert.
 
Eben, @ NordicW: Referenden sind, bei aller Sympathie für Basisdemokratie, immer auch gefährlich. Unberechenbar, weil vielfach stark emotional geprägt, weniger rational.

Cameron hat seinem Land einen Baerendienst erwiesen, aus wahltaktischen Gründen. Ein politischer Selbstmord ohne Beispiel.
 
Man kann Cameron nicht unbedingt vorwerfen, ein "Wendehals" zu sein. Er hat sich immer als Europäer gesehen, auch wenn er in der Gemeinschaft oft für Unmut gesorgt und häufig Sonderrechte für Großbritannien gefordert hat.

Was man ihm vorwerfen muss, ist, dass er dem zunehmendem Druck seiner Partei und auch der UKIP-Bewegung nachgegeben hat und es überhaupt zu diesem unkalkulierbaren Referendum hat kommen lassen.

Ein Regierungschef ohne Rückgrat, einer, der sich gegen eigene Überzeugungen von anderen treiben lässt, ist gefährlich.
 
Großbritannien wird es so dann nicht mehr geben. Die Schotten und die Nord-Iren haben mehrheitlich für den Verbleib in der EU votiert und streben nun ebenfalls Unabhängigkeit an - von England...

Das wird vermutlich größte politische Erdbeben seit dem Fall der Mauer sein.

Das wäre in der Tat ein politisches Erdbeben.

Fragt sich nur, wie die Nordiren das wirtschaftlich wuppen wollen. Für westeuropäische Verhältnisse ist Nordirland beinahe noch ein Entwicklungsland, denn bis Mitte der 1990er Jahre war es religiös-politischer Unruheherd, so daß dort erst in den letzten 20 Jahren investiert wurde; aber das wird kaum ausreichen, um sich einigermaßen autak zu finanzieren.

Dagegen hat Schottland wesentlich bessere Voraussetzungen, denn es verfügt u.a. über riesige Ölvorkommen in der Nordsee (auch wenn die bisher dem gesamten Königreich zugute kommenden Steuereinnahmen bei einer Lösung von GB zu einem Zankapfel zwischen Edinburgh und London wären), einer guten Genuß- (Whisky) und Nahrungsmittelindustrie. Vor zwei Jahren ist das Referendum der Befürworter einer Lösung vom Vereinten Königreich noch gescheitert, obwohl der Brexit damals schon ein politisches Thema war, dennoch wäre es iinteressant zu wissen, wie man in 2014 Schottland abgestimmt hätte, wenn der Brexit damals schon beschlossene Sache wäre.
 
Die Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland wird als neue EU-Aussengrenze auszubauen sein. Entweder bedarf es eines Freihandelsabkommens zwischen EU und Großbritannien, oder der Warenverkehr wird mit Zöllen belegt. Tritt Großbritannien nun der EFTA bei? Bleibt es handelspolitisch völlig autark und damit ggf. auch isoliert?
 
Man kann Cameron nicht unbedingt vorwerfen, ein "Wendehals" zu sein.

Und ob man das kann. Es war schließlich Cameron himself, der 2012/2013 ein Referendum über einen EU-Austritt Großbritanniens in den politischen Raum warf - möglicherweise auch mit dem Kalkül, weil zu dieser Zeit Camerons Regierung aus einer Koalition mit den europafreundlichen Liberaldemokraten bestand, die EU-Gegner in den eigenen Reihen ruhigzustellen.
 
-Es werden direkte Fragen an zB Frau Petri gestellt, die sie nicht beantwortet (vermutlich, weil die Antwort sehr brisant wäre).

-Es wird um Lösungsvorschläge gebeten. Dies wird abgetan mit Aussagen wie "wir regieren nicht, wir brauchen keine Lösungen anbieten."

das hat frau petri dann wohl von mutti persönlich gelernt. oder von dobrindt. damit ist sie dann in bester gesellschaft.
 
Das wäre in der Tat ein politisches Erdbeben.

Fragt sich nur, wie die Nordiren das wirtschaftlich wuppen wollen. Für westeuropäische Verhältnisse ist Nordirland beinahe noch ein Entwicklungsland, denn bis Mitte der 1990er Jahre war es religiös-politischer Unruheherd, so daß dort erst in den letzten 20 Jahren investiert wurde; aber das wird kaum ausreichen, um sich einigermaßen autak zu finanzieren.

Dagegen hat Schottland wesentlich bessere Voraussetzungen, denn es verfügt u.a. über riesige Ölvorkommen in der Nordsee (auch wenn die bisher dem gesamten Königreich zugute kommenden Steuereinnahmen bei einer Lösung von GB zu einem Zankapfel zwischen Edinburgh und London wären), einer guten Genuß- (Whisky) und Nahrungsmittelindustrie. Vor zwei Jahren ist das Referendum der Befürworter einer Lösung vom Vereinten Königreich noch gescheitert, obwohl der Brexit damals schon ein politisches Thema war, dennoch wäre es iinteressant zu wissen, wie man in 2014 Schottland abgestimmt hätte, wenn der Brexit damals schon beschlossene Sache wäre.

Warum nicht ein Irland, wenn Nord-Irland nicht mehr zu Groß-Britannien gehört - wäre dann nur konsequent und würde alles nochmal verschärfen. ;-)
 
Informier Dich besser nochmal etwas genauer...!

Z.B. über den Grund für die Ausrufung des Referendums.

Cameron hat nach zwar nach außen hin betont, daß es in einem Referdum nicht um einen Austritt gehen würde, weil die EU-Mitgliedschaft alternativlos sei und eine Handelsnation wie Großbritannien von einem uneingeschränkten Partizipation am EU-Binnenmarkt abhängig ist. Daraus resultiert jedoch zwangsläufig die Frage, daß wenn Cameron ein so vehementer Befürworter der EU-Mitgliedschaft ist, wie er es mit solchen Worten vorgibt und auch auf die Risiken eines Austritts hinwies, warum schafft er als Regierungschef trotzdem die Voraussetzungen dafür, daß so wie gestern geschehen, diese EU-Mitgliedschaft gekippt werden kann?

Dies führt automatisch zu der These. daß die von Cameron voegrtragende EU-Überzeugung doch nicht so groß ist, was sich u.a. auch in dieser Rede aus dem Jahr 2013 widerspiegelt, in der Cameron trotz lobender Worte überwiegend kein gutes Haar an der Institution EU läßt (soviel zum Thema "genauer informieren"...) und deswegen diese Rede nur von EU-Kritikern Beifall fand. Oder was das doch alles "nur" ein Spiel zum persönlichen Machterhalt, in dem Cameron sich verzockt hat?
 
Cameron hat sich, wie auch die von Dir angeführte Thatcher, immer für ein Verbleib in Europa und für die EU ausgesprochen. Der ebenfalls angesprochene grundsätzliche Vorbehalt der Briten gegenüber Kontinental-europa, die eigene Geschichte, der nationale Anspruch haben ihn trotzdem, wie schon Thatcher, immer wieder dazu veranlasst, die EU-Burokratie zu ändern. Das geht auch anderen Regierungen und Staaten (Griechenland. Italien) so und ist keinesfalls eine Entscheidung gegen eine EU-Mitgliedschaft. Sind Deine ständigen persönlichen Attacken gegen Werder-verantwortliche etwa auch ein eindeutiges Indiz für einen Werder-abschied und ein Wechsel zu einem anderen Verein, z.B 1860 München?

Zurück zum brexit: Wie oben schon beschrieben, war Cameron von Anfang an und immer für einen Verbleib in der EU. Zu dem Referendum hat er sich unvernünftigerweise treiben lassen, um den Strömungen in seiner eigenen Partei und in der UKIP-Bewegung zu begegnen und um die Wahl im Jahr 2015 zu gewinnen, was ihm letztendlich überraschend deutlich gelang.

Vor dem Referendum, während des Wahlkampfes und auch jetzt, war Camerons eigene Position immer klar und immer gleich: Für ein Verbleib in Europa. Er wollte eigentlich die "eigenen Reihen schließen", ein unumstößliches Votum für seine Politik und langfristige Ruhe. Dabei hat er sich kräftig verzockt, weil die "Angst-kampagne" der Gegenseite für viele Briten glaubwürdig erschien.

Die Bezichtigung Camerons als "Wendehals" ist und bleibt falsch.
 
Ich muss ehrlicherweise gestehen, dass ich zu der Debatte Cameron Wendehals Ja oder Nein nichts Subststantielles beitragen kann. Was aber doch auffällig ist, dass sich eine Mehrheit in Europa mit dem ursprüngliche europäischen Gedanken nicht mehr identifiziert. Ich persönlich bedaure den Brexit, sehe ihn aber auch als Chance für Resteuropa zu reüssieren. Jetzt sind erst einmal alle geschockt. Aber nach dem ersten Rauch muss der Blick nach vorne gehen und müssen klare für die Menschen verständliche Konzepte kommen. In jeder Niederlage liegt auch ein Chance.
Ob den Engländern die Rückbesinnung auf ein Rule Britannia gut bekommen wird, steht in den Sternen...
 
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