Du gehts aber in deinem Post genau von der These aus, dass weil dort seit 4000 Jahren Juden lebten, alle Juden dieser Welt einen in dieser Tatsache innewohnenden Anspruch auf eben dieses Land hätten.
Und genau das ist der Kern des Buches von Sand. Er widerspricht dieser These wehement. Kein Mensch streitet ab, dass dort immer Juden gelebt haben. Aber eben Juden, wenn man mal ohnehin von der Durchmischung der Ethnien über die Jahrtausende der Menschheitsgeschichte absieht, die man heute wohl als Araber bezeichnen würden. Es geht um den Anspruch, den beispielsweise osteuropäische Juden, also eigentliche (heutige) Polen, Russen, Ukrainer etc. auf das Land geltend machen. Ein Land in dem sie eben keine Vorfahren haben.
Ändert aber nichts an der Tatsache, dass Isreal heute besteht, was etwas ist, was ich auch nicht Abrede stellen will und soweit man Staaten Existenzrechte zu billigen will, weil auch Staaten eher fragile Gebilde sind, wenn man einen größeren zeitlichen Maßstab ansetzt, hat auch Isreal dieses.
Und jetzt kommen wir zu dem Problem, welches sich daraus für die Diskussion ergibt. Bei aller Ablehnung der Rethorik des iranischen Regimes, mal davon abgesehen, dass durch Reden und kein Mensch gestorben ist, ist es doch so, dass es eben nicht um die Vernichtung der "Juden" geht, wie du oder ein anderer Diskutant auch in diesem Thread gesagt hast, sondern, dass der Iran die Existenz Israels nicht anerkennt. Und genau das sind dann noch mal zwei paar Schuhe. Übrigens eine These, die ich genauso ablehne, wie es oben bereits geschrieben habe.
Man sollte das schon unterscheiden, um die Diskussion auf einer sachlichen Ebene zu führen, die mal weg geht von der nationalsozialistischen Ideologie. Es ist eben Unterschied vorhanden.
Aber all diese Rethorik erlaubt es dennoch weiterhin nicht Angriffskriege gegen den Iran zu führen. Und da kommen wir eben wieder zu dem Punkt, weshalb ich den Auszug aus der BVerfG-Entscheidung zum Luftsicherheitsgesetz zitiert habe. Du sagts selbst für dich wäre Krieg die "ultima ratio". Da sollte sie auch sein. Aber wenn du jetzt einen Militärschlag forderst ist dies mitnichten das letzte Mittel, denn eine tatsächliche Gefahr eines militärischen Angriffs steht nicht unmittelbar bevor.
Im übrigen, wenn man gegen jeden Staat vorgehen wollte, deren Politiker mehr als fragwürdige und aggressive Thesen in ihren Reden verbreiten, dann hätten wir schon längst einen 3. Weltkrieg. Spannend ist beispielsweise das erneue Säbelrasseln um die Falkland-Inseln. Der derzeitige israelische Außenminister ist da übrigens auch Kind von Traurigkeit.
Aber all das spielt in meinen Augen nur eine untergeordnete Rolle, wenn man eine rationale Überlegung anstellen, was ein mögliches Vorgehen angeht. Und da bin ich dann bei dem längeren Beitrag von der_1910.
Was nutzt den Leuten?
Nicht wenige Iraner, vor allem Menschen die sich eher der innerstaatlichen Opposition zurechnen, sagen, dass ein Angriff von Außen im Grunde das derzeitige Regime nur stärken würde. Die Iraner sind, anders als beispielsweise die Iraker zuletzt, kein auseinanderdividiertes Volk. Sie sind ein stolzes Volk, welches das eigene Land tatsächlich verteidigen würde. Im Irak war es der shiitischen Bevölkerungsmehrheit, denen bereits weitestgehend in Autonomie lebenenden Kurden im Norden, völlig Recht, dass die sunnitische Herrscherkaste um Saddam weggebomt wurde. Man hat selbst auch mit vergleichsweise wenig Verlusten in den eigenen Reihen gerechnet. Zumindest ging man davon aus, dass man diesen Kerl endlich los wird und so endlich die eigenen Machtansprüche ausspielen kann. Was wir jetzt erleben sind die Vorläufer eines Bürgerkrieges. Nicht zuletzt eben auch wieder befeuert aus einem größeren Nachbarstaat. Aber nicht dem im Osten, sondern mehr aus Richtung Süden.
Lange Rede kurzer Sinn. Kann sich das Regime einigermaßen behaupten nach einem Militärschlag, dann wird es eher gestärkt hieraus hervorgehen.
Das wären aber nur die unmittelbaren Wirkungen im Iran und auch nur davon ausgehend, dass sich die kriegerischen Auseinandersetzung auf den Iran beschränken sollten. Womit vielmehr zu rechnen sein wird, ist aber, dass ein massiver Flächenbrand in der ganzen Region ausgelöst wird. In der gesamten Golfregion stellen heute schon shiitische Araber die Mehrheitsbevölkerungen. So übrigens auch im ölreichen Osten Saudi-Arabiens oder den Golfstaaten. Nicht zuletzt haben die Saudis ein großes Interesse gehabt die Demokratiebestrebungen im Bahrein massiv niederzuschlagen. Es gibt schon heute, obwohl sich Araber und Perser eigentlich eher nicht so wirklich wohlgesonnen gegenüber standen in der Geschichte, eine große Solidarität der shiitischen Araber mit dem Iran. Zwar nicht zwingend mit dem iranischen Regime, aber dennoch verstehen sie den Iran und das iranische Volk als einen "großen Bruder".
Ich möchte mir dieses Szenario gar nicht weiter ausmalen. Es wird sehr schlimm werden.
Meine Überzeugung ist es weiterhin die inneriranische Opposition mit finanziellen und materiellen Mitteln zu unterstützen. Es wäre sinnvoll Aufklärungsarbeit zu ermöglichen, auch wenn diese aus dem Untergrund heraus Geschehen müsste. Übrigens bringt es da wenig irgendwelche Exiliraner zu unterstützen, die noch irgendwie entfernt zur ehemaligen "Nomenklatura" des Shah-Regimes gehörte. Man vergisst glaube ich häufig, dass die islamische Revolution nur gelingen konnte, weil diese Leute beim eigenen Volk zutiefst verhasst waren.
Und genau das ist der Kern des Buches von Sand. Er widerspricht dieser These wehement. Kein Mensch streitet ab, dass dort immer Juden gelebt haben. Aber eben Juden, wenn man mal ohnehin von der Durchmischung der Ethnien über die Jahrtausende der Menschheitsgeschichte absieht, die man heute wohl als Araber bezeichnen würden. Es geht um den Anspruch, den beispielsweise osteuropäische Juden, also eigentliche (heutige) Polen, Russen, Ukrainer etc. auf das Land geltend machen. Ein Land in dem sie eben keine Vorfahren haben.
Ändert aber nichts an der Tatsache, dass Isreal heute besteht, was etwas ist, was ich auch nicht Abrede stellen will und soweit man Staaten Existenzrechte zu billigen will, weil auch Staaten eher fragile Gebilde sind, wenn man einen größeren zeitlichen Maßstab ansetzt, hat auch Isreal dieses.
Und jetzt kommen wir zu dem Problem, welches sich daraus für die Diskussion ergibt. Bei aller Ablehnung der Rethorik des iranischen Regimes, mal davon abgesehen, dass durch Reden und kein Mensch gestorben ist, ist es doch so, dass es eben nicht um die Vernichtung der "Juden" geht, wie du oder ein anderer Diskutant auch in diesem Thread gesagt hast, sondern, dass der Iran die Existenz Israels nicht anerkennt. Und genau das sind dann noch mal zwei paar Schuhe. Übrigens eine These, die ich genauso ablehne, wie es oben bereits geschrieben habe.
Man sollte das schon unterscheiden, um die Diskussion auf einer sachlichen Ebene zu führen, die mal weg geht von der nationalsozialistischen Ideologie. Es ist eben Unterschied vorhanden.
Aber all diese Rethorik erlaubt es dennoch weiterhin nicht Angriffskriege gegen den Iran zu führen. Und da kommen wir eben wieder zu dem Punkt, weshalb ich den Auszug aus der BVerfG-Entscheidung zum Luftsicherheitsgesetz zitiert habe. Du sagts selbst für dich wäre Krieg die "ultima ratio". Da sollte sie auch sein. Aber wenn du jetzt einen Militärschlag forderst ist dies mitnichten das letzte Mittel, denn eine tatsächliche Gefahr eines militärischen Angriffs steht nicht unmittelbar bevor.
Im übrigen, wenn man gegen jeden Staat vorgehen wollte, deren Politiker mehr als fragwürdige und aggressive Thesen in ihren Reden verbreiten, dann hätten wir schon längst einen 3. Weltkrieg. Spannend ist beispielsweise das erneue Säbelrasseln um die Falkland-Inseln. Der derzeitige israelische Außenminister ist da übrigens auch Kind von Traurigkeit.
Aber all das spielt in meinen Augen nur eine untergeordnete Rolle, wenn man eine rationale Überlegung anstellen, was ein mögliches Vorgehen angeht. Und da bin ich dann bei dem längeren Beitrag von der_1910.
Was nutzt den Leuten?
Nicht wenige Iraner, vor allem Menschen die sich eher der innerstaatlichen Opposition zurechnen, sagen, dass ein Angriff von Außen im Grunde das derzeitige Regime nur stärken würde. Die Iraner sind, anders als beispielsweise die Iraker zuletzt, kein auseinanderdividiertes Volk. Sie sind ein stolzes Volk, welches das eigene Land tatsächlich verteidigen würde. Im Irak war es der shiitischen Bevölkerungsmehrheit, denen bereits weitestgehend in Autonomie lebenenden Kurden im Norden, völlig Recht, dass die sunnitische Herrscherkaste um Saddam weggebomt wurde. Man hat selbst auch mit vergleichsweise wenig Verlusten in den eigenen Reihen gerechnet. Zumindest ging man davon aus, dass man diesen Kerl endlich los wird und so endlich die eigenen Machtansprüche ausspielen kann. Was wir jetzt erleben sind die Vorläufer eines Bürgerkrieges. Nicht zuletzt eben auch wieder befeuert aus einem größeren Nachbarstaat. Aber nicht dem im Osten, sondern mehr aus Richtung Süden.
Lange Rede kurzer Sinn. Kann sich das Regime einigermaßen behaupten nach einem Militärschlag, dann wird es eher gestärkt hieraus hervorgehen.
Das wären aber nur die unmittelbaren Wirkungen im Iran und auch nur davon ausgehend, dass sich die kriegerischen Auseinandersetzung auf den Iran beschränken sollten. Womit vielmehr zu rechnen sein wird, ist aber, dass ein massiver Flächenbrand in der ganzen Region ausgelöst wird. In der gesamten Golfregion stellen heute schon shiitische Araber die Mehrheitsbevölkerungen. So übrigens auch im ölreichen Osten Saudi-Arabiens oder den Golfstaaten. Nicht zuletzt haben die Saudis ein großes Interesse gehabt die Demokratiebestrebungen im Bahrein massiv niederzuschlagen. Es gibt schon heute, obwohl sich Araber und Perser eigentlich eher nicht so wirklich wohlgesonnen gegenüber standen in der Geschichte, eine große Solidarität der shiitischen Araber mit dem Iran. Zwar nicht zwingend mit dem iranischen Regime, aber dennoch verstehen sie den Iran und das iranische Volk als einen "großen Bruder".
Ich möchte mir dieses Szenario gar nicht weiter ausmalen. Es wird sehr schlimm werden.
Meine Überzeugung ist es weiterhin die inneriranische Opposition mit finanziellen und materiellen Mitteln zu unterstützen. Es wäre sinnvoll Aufklärungsarbeit zu ermöglichen, auch wenn diese aus dem Untergrund heraus Geschehen müsste. Übrigens bringt es da wenig irgendwelche Exiliraner zu unterstützen, die noch irgendwie entfernt zur ehemaligen "Nomenklatura" des Shah-Regimes gehörte. Man vergisst glaube ich häufig, dass die islamische Revolution nur gelingen konnte, weil diese Leute beim eigenen Volk zutiefst verhasst waren.
oder "nur"