Allgemeiner Politik Thread

Letztendlich ist es irrelevant, wie man eine solche Vertreibungspolitik bezeichnet, da sie für die Betroffenen sich als eine Vertreibung darstellt. Dennoch kann man deutlich daran sehen, dass dies auf Grund eines bestimmten Anlasses (nämlich der Beginn eines Krieges mit Israel) geschah; um nochmal zu sagen, es gibt für mich keine Rechtfertigung für die Vertreibung von Menschen. Wie man aber ganz gut daran sieht, war diese Vertreibung nicht systematisch. Ich kann dir auch sagen, dass meinem Großvater (er ist kein Jude) auf Grund der sozialistischen Bewegung nach der ägyptischen Revolution der 50er Jahre Ähnliches widerfahren ist.
 
Zum einen gelten die Menschenrechte universell oder sie gelten gar nicht. Da musst du dich schon entscheiden @maddin. Dass du diese einer bestimmten Gruppe von Menschen schlicht absprichts, spricht dann auch wieder für sich.

Wie stehts du eigentlich zu der gewaltsamen Vertreibung von hundertausende Arabern (Christen und Muslime) seit Anfang des 20. Jh. aus dem Gebiet, auf dem später der Staat Israel entstanden ist? Und der fortgesetzten Vertreibung danach?
 
@1910

Naja, da für Dich ein Präsident Bush auch schon ein Faschist ist (und Kevin Barth ein Parteigenosse), stelle ich mal infrage, dass Du überhaupt eine Definition von Faschismus hast, die etwas aussagt, insofern sehe ich das auch nicht als Beleidigung.

Ich zitiere mich mal selbst:
"Wer kein Scharfmacher ist, wird von dir als "Verharmloser" diffamiert. Diese TINA-Politik ist die Verneinung demokratischer Tugenden und führt zwangsläufig zur Ausweitung des Konflikts. Solche, in der Tradition Carl Schmitts stehende, Interpretation der Politik kennzeichnete unter anderem das System der Nazis. Aber auch George W. befleissigte sich entsprechneder Methodik." Nur weil er sich dieser Deutungsmethodik bedient ist er noch kein Faschist. Wer zu solchen Themen den neunmalklugen Erklärbär spielt darf auch etwas Lesekompetenz ins Spiel bringen.

Carl Schmitt ist natürlich deswegen interessant, weil er nun hin und wieder erstaunlich offen gewisse Wahrheiten ausplaudert, zum Beispiel, dass Politik im Freund-Feind-Schema funktioniert.

Dies ist nicht der Fall. Du hinkst mit dieser Ansicht hinter den Erkenntnissen der Wissenschaft um locker 15Jahre hinterher. Nur weil die Neocons der Bush-Admin Schmitt ausbuddelten um ihre Schleifung demokratischer Umgangsformen (Pseudo-) zu legitimieren werden Schmitts Auslassungen nicht richtiger.
Exakter: die s/w-Dichotomie ist das Problem - und nicht, dass in der (internationalen) Politik Akteure gemäß der Kräfteverhältnisse agieren.


Nach Deinen Kriterien ist auch Churchill mit seiner "Blut-Schweiß- und Tränen"-Rede ein Faschist. Er war aber antifaschist.

Nein. Als Regierungschef eines angegriffenen Staates hat er zur Verteidigung der Insel und zur Vernichtung des Aggressors aufgerufen. Dieser Aggressor hatte sich selbst bereits klar als verbrecherischer Staat positioniert.
 
Zum einen gelten die Menschenrechte universell oder sie gelten gar nicht. Da musst du dich schon entscheiden @maddin. Dass du diese einer bestimmten Gruppe von Menschen schlicht absprichts, spricht dann auch wieder für sich.?

Entweder Du verstehst nicht was ich sage, oder Du missinterpretierst mich.

Nochmal: Die Menschenrechte sind eine Wunschvorstellung, eine Idee und als solche universell. Sie gelten aber nur dort, wo sie herrschende Praxis sind und eingeklagt werden können. Sie gelten nicht deswegen in Tel Aviv und nicht in Teheran, weil die Regierung in Tel Aviv sie umsetzt und die in Teheran nicht. Sie gelten deswegen, weil in Israel jedem der Rechtsweg offen steht, in Teheran die Leute in den Folterknästen verschwinden, wenn sie nicht parieren. Damit die Menschenrechte mehr sind als eine Idee, müssen sie auch in dem konkreten Staat einklagbar sein.

Wie stehts du eigentlich zu der gewaltsamen Vertreibung von hundertausende Arabern (Christen und Muslime) seit Anfang des 20. Jh. aus dem Gebiet, auf dem später der Staat Israel entstanden ist? Und der fortgesetzten Vertreibung danach?

Erstmal gab und gibt es, von ein paar Ausnahmen abgesehen, keine gezielte und direkte Vertreibung von Arabern aus dem späteren Israel. Der Großteil der Flucht setzte im von den Arabern angezettelten Krieg von 1948 ein. Da gab es, es war ein Krieg, auf beiden Seiten Verbrechen. Die gab es vor 1948 auch. Das ist Krieg und Krieg ist immer schlecht.

Was jedoch nie gesagt wird: Die freisten und wohlhabendsten Araber in der Region sind die 20% israelischen Araber, die im Land geblieben sind und dort volle Rechte haben. Wenn man bedenkt, dass nach der Gründung eines Palästinenserstaates dieser judenrein sein wird, dass also älteste jüdische Städte wie Hebron komplett aufgegeben werden müssten, das Judäa und Samaria, die Kernland des Judentums sind, in dem seit über 4000 Jahren Juden leben (die heute absurderweise als "Siedler" verunglimpft werden), dann muss man sagen, dass es sowohl aus israelischer wie auch aus palästinensischer Sicht ein Fehler war, die Westbank zu besetzen anstatt sie zu anektieren und die Bewohner zu Israelis zu machen. Das wäre eine relativ sinnvolle Ein-Staaten-Lösung gewesen, in der alle Zugang zu Bildung, einem Job und erst Recht zu den Heiligtümern gehabt hätten. Der Palästinenserstaat, der nun wohl irgendwann kommen wird, wird dagegen mit ziemlicher Sicherheit ein Gangland, Failed-Terror-State, so wie Gaza es schon ist. Darum finde ich auch die Rede vom "Friedensprzess" immer so absurd - keiner dieser Gestalten wird eher Frieden geben, als bis Israel zerstört ist.
 
Dieser Aggressor hatte sich selbst bereits klar als verbrecherischer Staat positioniert.

Genau wie der Iran. Das ist doch offensichtlich, dass der Iran ein verbrecherischer Staat ist. Genau das ist der Kernpunkt. Der Iran als verbrecherischer Staat mit seiner Forderung, Israel zu vernichten, der gesamten zivilisierten Welt den Krieg erklärt. Genau darum geht es. Nicht um Scharfmacher, sondern darum, einem Aggressor entgegenzutreten.

Nochmal: Antisemitismus fordert die Vernichtung der Juden. Das ist seine immanente Logik. Diese Logik ist es, die eben von denen, die keine sind, eine Reaktion verlangt.
 
Genau wie der Iran. Das ist doch offensichtlich, dass der Iran ein verbrecherischer Staat ist. Genau das ist der Kernpunkt. Der Iran als verbrecherischer Staat mit seiner Forderung, Israel zu vernichten, der gesamten zivilisierten Welt den Krieg erklärt. Genau darum geht es. Nicht um Scharfmacher, sondern darum, einem Aggressor entgegenzutreten.

Ja. Aber indem man sich auf dessen Spiel einlässt? Es gibt in diesem Fall andere Möglichkeiten. Denn Iran ist kein Axtmörder in unserem Keller sondern ein Staat mit Abhängigkeiten und einer komplexen Gesellschaft.
Die Frage, die du laufend mit "airstrike!" beantwortest lautet: kann ich Iran zu einer freien Gesellschaftsform bomben oder bewegen?
Die US-Interventionen der letzten Jahre haben die Möglichkeiten, mittels Anschlägen humanitäre/demokratische Ziele zu erreichen, eindrucksvoll dargelegt: nicht praktikabel/historischer Fehler/kontraproduktiv.
Darum geht es, nicht um Appeasement.
 
Ja. Aber indem man sich auf dessen Spiel einlässt? Es gibt in diesem Fall andere Möglichkeiten. Denn Iran ist kein Axtmörder in unserem Keller sondern ein Staat mit Abhängigkeiten und einer komplexen Gesellschaft.
Die Frage, die du laufend mit "airstrike!" beantwortest lautet: kann ich Iran zu einer freien Gesellschaftsform bomben oder bewegen?
Die US-Interventionen der letzten Jahre haben die Möglichkeiten, mittels Anschlägen humanitäre/demokratische Ziele zu erreichen, eindrucksvoll dargelegt: nicht praktikabel/historischer Fehler/kontraproduktiv.
Darum geht es, nicht um Appeasement.

Krieg ist nur ultima ratio, kein Selbstzweck.

Im Übrigen weiß ich nicht, wie man eine freiere Gesellschaftsordnung im Iran herstellen kann
 
Krieg ist nur ultima ratio, kein Selbstzweck.

Das liesst sich bei dir gänzlich anders, bzw. hast du für dich zumindest bereits eine Entscheidung getroffen.

Im Übrigen weiß ich nicht, wie man eine freiere Gesellschaftsordnung im Iran herstellen kann

Na, dann frag mal bei der iranischen Internetgemeinde nach, oder der iran. Opposition.
P.S.: "frei" meint nicht gleich westlich
 
Das Problem dort wie in allen arabischen Staaten ist der, das wenn einer da zum "chef" gewählt oder gemacht wird, er bestrebt ist, dieses auf seine Nachkommen (Söhne) vererben zu wollen. Das ist den arabischen Völkern wohl immanent.

Interessant wie 1910 und Felis versuchen "irgendwie" Iran verstehen zu wollen und den Agressorstaat iran mit Israel vergleichen zu wollen. Einen Staat wie den Iran, der Israel nicht nur negiert und den Krieg erklärt, sondern ihn und seine Bevölkerung und daneben alle Juden auslöschen will, kann man wohl schlecht verteidigen. Da muß man auch keine Krücken bauen. Schon gar nicht über Menschenrechte, Vökerrecht etc.pp. das lenkt nicht davon ab, daß man sich in eine Argumentationsfalle begibt. Manch einer der so argumentiert würde von bestimmten Personen als Antisemit bezeichnet werden. Wahrscheinlich auch zu recht.
 
Naja ich denke mal es sind sich alle darin einig, dass ein Militärschlag wirklich nur als allerletzte Option gewählt werden kann, wenn wirklich alle anderen Mittel ausgeschöpft wurden. Und den Eindruck haben viele einfach nicht. Ich habe zum Beispiel sehr gute Freunde, die gebürtige Iraner sind und die ihre aktuelle Führung als absolute Katastrophe ansehen und sich nichts lieber wünschen als Ablösung. Dennoch sind sie natürlich auch gegen die Drohung anderer Staaten ihr Land anzugreifen, weil so etwas immer viele unschuldige Leben fordert und opfert. Und es gibt im Iran eine nicht unerhebliche gebildete, "liberale" Schicht, die denken wie meine Bekannten. Und die muss man ins Boot holen und einen Umsturz dort anstreben. Denn nur so ist auch eine nachhaltige Stabilisierung möglich. Und die kann nicht aus einer Verwestlichung bestehen, sondern muss die Kultur- und Glaubensunterschiede berücksichtigen.

Bei einem Militärschlag kommt nachher die Frage: ist es legitim X Menschen im Iran zu töten um Y Menschen in bspw. Israel das Leben zu retten?? Das kann keine Formel des Handelns sein.
 
Aggressor Iran? Ich frage dich gerne nochmal, zu welchem Zeitpunkt der Iran einen Krieg begonnen hat seit der islamischen Revolution. Nur damit ich das mit dem Aggressor besser verstehe.

Und auch erkenne ich nicht, wo der Iran Juden auslöschen möchte. Im Übrigen leben im Iran noch vergleichsweise viele Juden. Sie gelten auch im Iran auch Dhimmi. Aber es passt so schlecht in die eigene Propaganda.


@maddin: Leseempfehlung!
 
Darf man, um mal ein anderes Thema anzuschneiden, diese interessante Entwicklung mal in den Raum werfen? Ich finde die Konstellation im Präsidentschaftsvorwahlkampf in den USA durchaus interessant. Vor allem auch, weil es durchaus wahrscheinlich scheint, dass die Präsidentschaftswahl im Herbst eher in der politischen "Mitte" gewonnen werden kann. Nichts desto Trotz scheint Mitt Romney, der im Gegensatz zu Santorum und Gingrich eher als moderat gilt, nun alles andere als der sichere Kandidat der Republikaner zu sein. Bleibt abzuwarten, ob sich der konservative Flügel der Partei auf einen Kandidaten "einigen" kann. Solange Santorum und Gingrich im Rennen sind, dürfte Romney recht gute Karten behalten, sich durch setzen zu können.
 
Interessant wie 1910 und Felis versuchen "irgendwie" Iran verstehen zu wollen und den Agressorstaat iran mit Israel vergleichen zu wollen.

Interessant, dass die Ergebnisse der PISA-Studien hier auf jeder Seite eindrucksvoll belegt werden.
Wer lesen kann ist noch immer klar im Vorteil. Nochmal: es geht nicht um die Verteidigung des Regimes in Iran! Es geht um die Konsequenzen für die Zivilbevölkerung und die moralischen Maßstäbe der Intervenierer.

Aber wenn du möchtest, Schmolle, dann verteidige ich hier Achherjedertratscht: Die viel zitierte Forderung Israel zu vernichten basiert auf einem absichtlichen Falschzitat. Von Beendigung der Vorherrschaft Israels war in Real die Rede. Dass einzelne, einflußreiche Leute immer wieder die Vernichtung Israels fordern ist leider trotzdem Tatsache.
 
Das mit dem Versprecher Ahmadenidschad überhaupt argumentiert wird ist eine Sache. Das sich die Regimes unter denen Iran geführt wurde in dem Punkt Israel auszulöschen einig waren/sind die andere.
Da magst du meinetwegen auch noch die Bologna Studie anführen, wenn du möchtest.
Mit Moral würde ich in politischen Fragen sowieso nie als diskutant argumentieren, du kannst es gerne machen. Da es ersteinmal der Begriff ist, der am meisten vorgeschoben wird, und kaum argumentativ da wenig objektiv gebracuht werden kann. Im Konsens muß man damit die Moral des anderen meinen, und wie will man die Moral eines Staates werten, dessen Regierung es zum Ziel sich erkoren hat, einen anderen von der Landkarte zu tilgen?
 
Entschuldigung. Seine wissenschaftlich fundierte Ausarbeitung passt ja nicht in dein Weltbild. Damit muss er ja ein Scharlatan sein. Habe vergessen, dass du im Besitz der einzig wahren Wahrheit bist. Übrigens noch etwas, was du mit dem Regime in Theran hast. Die glauben das von sich auch.
 
Das mit dem Versprecher Ahmadenidschad überhaupt argumentiert wird ist eine Sache. Das sich die Regimes unter denen Iran geführt wurde in dem Punkt Israel auszulöschen einig waren/sind die andere.

Guck mal: F-A-L-S-C-H-Z-I-T-A-T --- das ist etwas anderes als ein Versprecher. Kannst ja mal drüber nachdenken, wo der Unterschied liegt.

Da magst du meinetwegen auch noch die Bologna Studie anführen, wenn du möchtest.
Mit Moral würde ich in politischen Fragen sowieso nie als diskutant argumentieren, du kannst es gerne machen.

Liest du eigentlich überhaupt irgendetwas in diesem Thread? Die Frage stelle ich mir gerade ganz ernsthaft und ohne bösen Hintergedanken.
Mir ging/geht es darum aufzuzeigen, dass die pseudomoralischen Argumente für einen Militärschlag eben fehl am Platz sind. Das man überdies bei zumindest halbwegs nüchterner Analyse der Situation - vorausgesetzt man ist demokratisch und humanistisch gesinnt (an dieser Stelle ein lieber Gruß an die Vertreter der sich hier aufs Blut bekämpfenden Weltuntergangsideologien) - einen Militärschlag bestenfalls im letzten Moment vor der Durchführung des bereits eingeleiteten Angriffs seitens Iran befürworten kann. Gerade ich argumentiere nicht "moralisch". Da musst du mich verwechseln, mit der Moral hab ich's nich' so... ;) --- Ausser du kannst Humanismus und Moralismus nicht unterscheiden. Kann ja sein.


Da es ersteinmal der Begriff ist, der am meisten vorgeschoben wird, und kaum argumentativ da wenig objektiv gebracuht werden kann. Im Konsens muß man damit die Moral des anderen meinen, und wie will man die Moral eines Staates werten, dessen Regierung es zum Ziel sich erkoren hat, einen anderen von der Landkarte zu tilgen?

Tja, schwierig. Vielleicht sollten wir mindestens 10% der dortigen Bevölkerung wegbomben und in den Hunger embargoen - und dann gucken welche Farbe ihre Organe haben. Dass könnte uns Aufschluß über ihren moralischen Kompass geben.

Oder wir könnten ketzerische Gegenfragen stellen: wie rechtsstaatlich ist Israel? Wie oft hat die USA gegen Menschenrechte verstoßen (alleine der globale Maßstab liefert schon 'ne ellenlange Liste), wie konsistent sind die Werte der Aussenpolitik der BRD/EU? Die sind nämlich alle schnell mit der Moralkeule dabei, wenn es gegen die Arabs oder Chinesen oder sonstwen geht.
Wobei ich zugebe dass die schon das geringere Übel darstellen. Ich bin kein totaler Relativist. Mir ist bewusst, dass mein Perso eine Art "Backstagepass" für die Megaparty ist auf die alle 7Mrd. Menschen wollen. So Gegenfragen dienen weniger der Schuldzuweisung als vielmehr der Werteorientierung und dem Ist-Abgleich. Und da Ups, ich muss meine Wortwahl ändern ;) unsere lieben Moralwächter diarrhömäßig.

Im Gegensatz zu diesen Moralaposteln der Staatenfamilie hat der Iran wenig subtile Mittel zur Verfügung. Handelsabkommen aka Knebelverträge sind kaum durchsetzbar, Wirtschaftsförderung zum Nachteil der "Partner" wie es die EU - franz. Bauern sei dank - seit Ewigkeiten mit den afrikan. Partner-Staaten macht, auch nicht. Da hat man es als Westler natürlich leicht, den bösen zu definieren: "Ieh, guck ma, der spielt mit Bomben, bääh." Was auch sonst? Im Gegensatz zu Saudi-Arabien verhökert Iran auch nicht alles Öl ums in Las Vegas zu verzocken und Panzer aus BRD zu kaufen. Aber die Saudis haben Israel nie bedroht, nein, kein Stück nicht, also, wie sollten die auch...Die sind ja damit befasst, sich in der Region als Hegemon zu positionieren. Da kommt der Konkurrent Iran mit Bombe gar nicht gut an, der muß weg, sonst... Da toben regionale Konflikte epischen Ausmasses und Liesschen Müller meint, Tel Aviv sei dem Untergang geweiht. Nichts könnte einen solchen atomaren Schlag gegen Israel bezahlen. Iran würde definitiv dem Erdboden gleichgemacht werden. System, Eliten, Religion, Werte, Alltag, alles wäre dem Untergang binnen kürzester Zeit geweiht - nicht materiell, schlimmer: ideologisch würde diese Regime ausgelöscht. Aber gut, man soll's ja nicht laut sagen, sonst funzt das ganze Theater nicht mehr...
Wenn aber die selbsternannte Führungsnation der free world mal eben so 1,xxxMillionen Zivilisten wegbombt um sich dem von ihr selbst verhetschelten Saddam H. zu entledigen (nebst div. anderen, nicht weniger halbseidenen Gründen...), dann ist das totale Scheitern dieser Taktik für manch einen (siehe oben) nicht nur kein Anlass dazu, mal über die Funktionalität der ihm vermittelten Werte nachzudenken, nein, es ist sogar noch nicht einmal ein Grund dafür, daran zu zweifeln, dass eine militärische Eskalation IN DIESEM FALLE erfolgreich sein könnte. - Ca. beinahe direkt nach Abzug der Truppen aus Irak. So Ignorant muß man erstmal sein.

Soll heissen: Moral ist nicht aus der Politik wegzudiskutieren, sollte aber auch nicht Handlungsmaxime sein. Jeder Staat vertritt eine gewisse Weltsicht etc., jeder Staat hat gewisse Leichen im Keller. Man sollte besser die Frage stellen: was nutzt den Leuten? Ein Regime, dass sich lediglich mit roher Gewalt und systematischer Verdummung halten kann soll nun durch einen Militärschlag aus dem zu Recht verhassten Westen (Schah! usw.) gestürzt werden? Das ist nicht nur unmoralisch und unmenschlich, das ist obendrein dumm.
 
@Felissilvestris

Du wirst ja sicherlich die Kritik an Shlomo Sands "wissenschaftlicher" Arbeit, seinen guttenbergesken Umgang mit Quellen sowie seinen aus dem Wissenschaftsmarxismus stammenden Grundansatz zur Kenntnis genommen haben. Über dies hinaus hat er wenig anzubieten, was von den sogenannten "neuen israelischen Historikern" wie zum Beispiel Tom Segev längst geschrieben wurde.

Warum Sands Buch in Deutschland so überaus freundlich rezipiert wurde, ist dagegen überhaupt nicht verwunderlich. Denn nimmt man mal an, dass alle Nationalmythen Quatsch und alle Völker Erfindungen sind, ist natürlich die Behauptung einer "Erfindung" des jüdischen Volkes total unoriginell. Newt Gingrich hat kürzlich die Palästinenser als "erfundenes Volk" bezeichnet, weil so ziemlich bis 1967 immer nur von Arabern die Rede war. Solcherlei Rede vergisst, dass ein volk nicht aus dem Boden wächst, das glauben die Deutschvölkischen insbesondere des 19. Jahrhunderts, sondern dass ein Volk deswegen ein volk ist, weil es ein Volk sein will. Genetisch oder rassenkundlich lässt sich die Existenz eines Volkes nicht herleiten.

Da aber die Deutschen ohnehin mit dem Ahnherr des Antizionismus, Alfred Rosenberg ("Der Staatsfeindliche Zionismus") der ansicht sind, dass ein wurzelloses, raffendes und in die ganze Welt verstreutes Volk wie die Juden keineswegs einen organischen Volkskörper und einen guten, aus dem Boden wachsenden Volksstaat bilden können, sondern allenfalls ein "künstliches Gebilde", sind die 10 bis 20 bekannten israelischen Nationalismuskritiker und Antizionisten hierzulande überaus beliebt und gelten, auch wenn sie kein Methodenbewusstsein haben wie z.B. sand und so argumentieren, wie es ihnen in den Kram passt, als das "andere", sprich: bessere Israel. Dieser Bezug auf die immergleichen jüdischen Judenhasser (neben Sand noch Uri Avnery, Felicia Langer, Norman Finkelstein, Moshe Zuckermann, die nebenbei bemerkt alle aus der antinationalen Linken stammen, einer Fraktion, die im Inland jedes Landes zu Recht überhaupt nicht ernst genommen wird) ist nichts weiter als durchsichtiger Antizionismus, wobei Antizionismus seit seinem Gründungsdokument, der Protokolle der Weisen von Zion und nachweislich der schriften A. H.itlers und Alfred Rosenbergs immer schon nichts weiter als finsterster Antisemitismus war und auch nur sein kann.
 
Aber wenn du möchtest, Schmolle, dann verteidige ich hier Achherjedertratscht: Die viel zitierte Forderung Israel zu vernichten basiert auf einem absichtlichen Falschzitat.

achso. Dann wirst Du sicherlich wissen, dass die iranische Nachrichtenagentur IRNA die Passage seiner Rede, die er übrigens auf einer Konferenz mit dem Titel "A World Without Zionism" gehalten hat, an der etliche international bekannte Holocaustleugner und Vernichtungsantisemiten teilnahmen, exakt so übersetzte: "Israel must be wiped off the map!" Das war aber eine Fälschung, um ihn besonders böse darstehen zu lassen, von den eigenen Leuten, um Krieg gegen den Iran anzuzetteln.

:wall:

Im Übrigen solltest Du Dich mal eingehender mit dem Regime befassen, denn Kriegs- und Vernichtungsdrohungen gegen Israel senden die Vertreter dieses Regimes in Permanenz ab. Eine sehr gute Analyse findet man in diesem Buch:

http://www.amazon.de/Analyse-islami...5993/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1328770441&sr=8-2

Übrigens hat der eigentliche Führer des Irans, ayatollah chamenei, erst wieder von Israel als "Krebsgeschwür" gesprochen, das "abgeschnitten werden muss und auch wird". Insofern würde ein wenig Bildung durchaus nutzen und das Festhängen an einem Ahmadineschad-Zitat, das der Iran selbst nie bestritten hat, sollte man den Verschwörungstheoretikern überlassen (wobei die natürlich in der Piratenpartei naturgemäß zuhause sind).
 
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