Allgemeiner Politik Thread

Ja, habe ihn aber nicht wirklich verfolgt - war der nicht im Bayrischen R. ?

Jepp, und ich werde nie ein Interview von ihm mit Franz-Josef Strauß vergessen, wo er völlig unkritische Frage getsellt hat (oder nur durfte) und bei jeder Antwort von FJS einen wohlwollenden Bückling getätigt hat. Wenige Jahre später habe ich gelesen, daß Feller selbst bei konservativen Journalistenkollegen den Spitznamen "Kettenhund der CSU" hatte.
 
Daran kann ich mich nicht erinnern, aber vorstellbar ist es. Zu der Zeit habe ich in den BR eh weitesgehend vermieden, denn was FJS von Pressefreiheit hielt, weiß ja jeder, der sich mit der Spiegel-Affäre nur ein wenig befaßt hat.
 
Was die Marktanteile angeht, so gebe ich dir da unbenommen recht. Nur muss dazu auch wissen, dass viele, gerade ältere Leute, mit den Privaten nichts anfangen können und wollen. Mein Großvater hatte langezeit nur ARD, ZDF und die im Kabelnetz eingespeisten Dritten Programme programmiert. Dann Irgendwann Phoenix, N24 und n-tv.

Zudem denken viele Menschen, dass sie eben bei den ÖR eine politisch neutrale Berichtersttattung bekämen, was wir ja nun alle wissen nicht der Fall ist. Und wer sich über den BR aufregt, der sollte sich mal RB genau anschauen, einem Sender bei dem Straftaten noch kleingeredet werden und sogar zum Teil gerechtfertigt. Das bringt alles nichts sich drüber zu streiten welche Partei auf welchen Sender einfluss nimmt. Fakt ist, dass diese Einflussnahme erfolgt. Und sie damit keine neutralen Informationsquellen darstellen.

Die Nachrichtsensender aus den bei denen großen Medienkonzernen sind mittlerweile auf einem anständigen Niveau. Ein Niveau was mit den ÖR ohne weiteres mithalten kann.

Zu dem Thema Interviews gerade relativ aktuell:

ARD-Sommerinterview - Bei einer Frage setzt Gabriel die Polit-Worthülse ein

(...) Für Ulrich Deppendorf scheint der Siegeszug der SPD jedoch bereits festzustehen. Im gestrigen ARD-Sommerinterview, das der Leiter des ARD-Hauptstadtstudios gemeinsam mit Rainald Becker immer sonntags mit den Vorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien führt, hofierte der Polit-Journalist seinen Gast, SPD-Chef Sigmar Gabriel, als wäre dieser der junge Kennedy.

Linken-Schelte, Euro-Krise, Steuerpolitik: Egal, zu welchem Thema Gabriel Stellung bezog - Deppendorf nickte beifällig und begleitete dessen Ausführungen stets mit einem aufmunternden „Ja“. Statt kritischer Nachfragen, wie sie Thomas Walde eine Woche zuvor im Sommerinterview des ZDF stellte, lieferte Deppendorf Steilvorlagen. (...)

Und dafür muss ich bezahlen? :stirn:
 
...oder Judith Schulte-Lohe - ein verkorkstes MoMa Produkt - versucht dem geneigten Hörer im WDR5 die Notwendigkeit von Eurobonds zu erklären. Ein furchtbar indoktriniertes Gespräch mit Christian Lindner (FDP) - von der Güte gibt es leider noch viel zu viel...
 


Die demoskopische Entwicklung hat sicherlich einen Einfluß auf das Fernsehverhalten, aber es wäre jetzt vermessen, damit die schlechteren Einschaltquoten der Privaten (bei politischen Sendungen) schönzureden, denn auch ältere Menschen gehören zu unserer Gesellschaft und werden in den nächsten Jahren auch noch deutlich mehr werden. Offensichtlich scheint sich das pauschale Schubladendenken der Werbenden "werberelavante Zielgruppe bis 49 Jahren" leider auch in den Köpfen manch anderer Menschen festgesetzt zu haben. Abgesehen davon sind die Privaten nicht erst seit "gestern" zu empfangen, sondern die beiden Großen RTL und Sat1 strahlen auch schon seit über 20 Jahren ihr Programm weitesgehend flächendeckend aus, so daß wenn man schon meint, das pauschale Argument, "daß ältere Leute, mit den Privaten nichts anfangen können und wollen" wohl nur auf die zutreffen kann, die schon damals im fortgeschrittenen Alter gewesen sind und nicht auf die heute ca. 60-70jährigen.

Auch wenn es machner mir gleichgesinnter nicht tun würde, so ist meine Kritik an den Einfluß der Politik in den ÖR-Sendern nicht einseitig, wie man meinen Beiträgen unschwer erkennen kann. Aber es sagt schon viel über die dahingehende Intensitiät der unterschiedlichen politischen Lager aus, wenn eine unionsnahe Zeitung wie FAZ den Versuch einer steigenden Einflußnahme durch die Unionspartien kritisert, so daß selbst der Mitherausgeber der FAZ kritisch Stellung dazu bezieht.

Daß die Nachrichtensender ein anständiges Niveau haben, ist unbestritten, auch wenn zwischen "anständig" und "gut" liegen doch noch die eine oder andere kleine Welt liegt. Die Nachrichtensendungen von RTL aktuell vllt. ausgenommen hinken da doch ein wenig hinterher, was auch die Einschaltquoten unterstreichen - alte Leute hin oder her.
 
...

Zudem denken viele Menschen, dass sie eben bei den ÖR eine politisch neutrale Berichtersttattung bekämen, was wir ja nun alle wissen nicht der Fall ist.

Man muss ja überhaupt nicht "politisch neutral" berichten. Eine der Stärken des Ör-Rundfunks ist es doch, dass man sich im demokratischen Sektor je nach Standpunkt von "Links" (z. B. Panorama) bis "Rechts"
(z. B. Report München) umfassend informieren kann.

Eine derartige Bandbreite von politischen Meinungen habe ich bei den privaten TV-Sendern jedenfalls noch nicht festgestellt.
 
Sachverhalte sind neutral zu berichten. Alles andere ist als Meinung/Kommentar zu kennzeichnen, was aber nicht getan wird.

Gleichzeitig versteht sich das ÖR mittlerweile auch sehr gut darin mit hilfe von Schnitten Aussage völlig zu verfälschen. War bei einem solch Interview selbst dabei und habe den O-Ton gehört und dann auch das was draus gemacht wurde. Die Printmedien haben wenigstens den Anstand auf die Freigabe eines Interviews zu warten.

Und für solch einen Mist möchte ich eben nicht bezahlen. Wer das will, der solls gerne machen.

Glaube es sollte dem freien, mündigen Bürger erlaubt sein selbst zu entscheiden welche "Produkte" dieser kaufen möchte und welche nicht.
 
Sachverhalte sind neutral zu berichten. Alles andere ist als Meinung/Kommentar zu kennzeichnen, was aber nicht getan wird.

So sehr ich dir bei dieser Abgrenzung auch zustimme, ist das nichts, was man den öffentlich-rechtlichen Sendern alleine ankreiden muss. Es gibt kaum ein Medium, das diese Vorgabe noch uneingeschränkt befolgt, insofern ist das ein allgemeiner Niedergang des journalistischen Handwerks.
 
:tnx:


@Feli:

Um Meinungen als Nachrichten tarnen zu können, brauchts Umfragen, die die richtigen Fragen stellen. Es ist einfach lachhaft. Medien sind Meister des Puppenspiels.
 
So sehr ich dir bei dieser Abgrenzung auch zustimme, ist das nichts, was man den öffentlich-rechtlichen Sendern alleine ankreiden muss. Es gibt kaum ein Medium, das diese Vorgabe noch uneingeschränkt befolgt, insofern ist das ein allgemeiner Niedergang des journalistischen Handwerks.

Wie ich aber weiter oben schon mal schrieb, genießen gerade zu den ÖR bei vielen Menschen ein ungheures Vertrauen eben aufgrund der Tatsache, dass man sich als neutal betrachtet, weil dieses sich ja hauptsächlich über Gebühren finanzieren.
 
Und das ist der Irrtum. Du zahlst zwar nicht direkt an Privatsender, aber die Werbung, die dort zur Finanzierung dient, bezahlst du als Verbraucher über den Produktpreis mit - du bekommst deine Rechnung nur nicht so schön übersichtlich wie von der GEZ....

Richtig und gleichzeitig falsch. Unternehmen haben ein Budget für Werbemaßnahmen. Dieses steht fest. Und somit ist das eh immer eingepreist. Wofür das am Ende ausgegeben wird ist dabei noch nicht festgelegt. Im übrigen zeigen die ÖR auch Werbung und Sponsoring ist ja mittlerweile auch nach 20 Uhr erlaubt ;)
 
Die ÖR haben einen Haufen wertvoller Formate im Angebot, die bei Privaten undenkbar sind. Sendungen wie Zapp oder Frontal21 bspw. Auch die relativ unaufgeregte Darstellung würde mir fehlen. Auch viele Radiosendungen: Features und ganze Hörspiele, Interviews, Auslandsberichte.......

Dennoch zahle ich keine GEZ und dennoch werde ich mich mit allen halbwegs verhältnismäßigen Mitteln gegen die Haushaltspauschale wehren. Die ÖR sind eine Job- und Imagemaschine geworden, die weit mehr als medialen Einfluss bietet. Aber in den meisten Radiosendern keine Spartenmusik oder die verfassungsgemäße Grundversorgung, sondern massenkompatibles Gedudel, so wie auch im TV zwischen 6:00 Uhr und 20:15 Uhr.

Ein völlig unverhältnismäßiger Preis, gerechtfertigt mit den als Feigenblatt im Programm belassenen wenigen qualitativen Sendungen (u.a. "Neues aus der Anstalt") für ein Allerweltsprodukt. Ich wäre bereit, ~10€ zu zahlen. Aber dann will ich keinen politischen Einfluss, keinen Marienhof-Blödsinn (wird an Sat.1 verkauft), keine 70 Radiosender mit dem immer selben Programm, keine Allerweltsmoderatoren mit Mondgehältern (Gottschalk, Lierhaus...) und keine allabendliche Verkündung der Realität in der Abendschau. Gerade diese Sendung ist derart peinlich...schon das Format: die Welt in 15min. ARGH! Man schaue zur BBC, die nimmt sich auch zur prime time noch die nötige Zeit für Darstellungen.

Und ich will besseren Service. Das online-Angebot ist ein Witz. Viel zu unübersichtlich, viel zu wenige Features. Ich darf verpasste Sendungen gucken; toll. Bei Sportübertragungen kann ich die Kommentatoren nicht wegschalten, Interaktion tediert gegen Null... Das ganze ist nicht am Kunden orientiert, sondern den Bedürfnissen des Anbieters.

Mitarbeiter der GEZ stehen in meiner moralischen Job-Wertung noch weiter hinter Gebrauchtwagenverkäufern, Türstehern und Kartenabreissern!
 
Zitat von Niedersachse Beitrag anzeigen
Und das ist der Irrtum. Du zahlst zwar nicht direkt an Privatsender, aber die Werbung, die dort zur Finanzierung dient, bezahlst du als Verbraucher über den Produktpreis mit - du bekommst deine Rechnung nur nicht so schön übersichtlich wie von der GEZ....

Richtig und gleichzeitig falsch. Unternehmen haben ein Budget für Werbemaßnahmen. Dieses steht fest. Und somit ist das eh immer eingepreist. Wofür das am Ende ausgegeben wird ist dabei noch nicht festgelegt. Im übrigen zeigen die ÖR auch Werbung und Sponsoring ist ja mittlerweile auch nach 20 Uhr erlaubt ;)

Ich kann aber noch entscheiden ob ich das Produkt kaufe, oder nicht. Es existiert ein wechselseitiges Verhältnis. Die GEZ sagt einfach ich habe zu zahlen, egal ob mir das Produkt gefällt, bezeichnet mich als Verbrecher und ähhh, wieviele Menschen sitzen eigentlich wirklich im Gefängnis, weil sie keine GEZ bezahlt haben? Wenn ich das Produkt nicht einmal nutze, also ich nur die Prvaten schaue, oder die Internetangebote des ÖR ignoriere, zahle ich trotzdem. Wie sowas rechtmäßig sein kann, werde ich nie verstehen.

Übrigends hängt doch jedes Unternehmen von Verkäufen ab. (auch wenn es da spezielle Branchen gibt, in denen Käufer und Produkte kaum definierbar sind...) Da ergänzt die Akzeptanz bestimmter (Art von) Werbung die Funktion des Geldes hinsichtlich sicherer Erkenntnisse über Marktprozesse. Da verzerren die ÖR das Ergebnis.
 
Ich kann aber noch entscheiden ob ich das Produkt kaufe, oder nicht. Es existiert ein wechselseitiges Verhältnis. Die GEZ sagt einfach ich habe zu zahlen, egal ob mir das Produkt gefällt, bezeichnet mich als Verbrecher und ähhh, wieviele Menschen sitzen eigentlich wirklich im Gefängnis, weil sie keine GEZ bezahlt haben? Wenn ich das Produkt nicht einmal nutze, also ich nur die Prvaten schaue, oder die Internetangebote des ÖR ignoriere, zahle ich trotzdem. Wie sowas rechtmäßig sein kann, werde ich nie verstehen.

:tnx:

Es geht eben nicht ausschliesslich um die Höhe der Gebühren, sondern um die fehlende Möglichkeit, sich für oder gegen etwas entscheiden zu können. Wenn schon keine Mitbestimmung über Umfang und Inhalt möglich sind, dann sollte zumindest Wahlfreit pro/con öR bestehen, zumal sich die Idee Grundversorgung schaffen zu wollen und hierfür Gebühren zu verlangen, konterkarieren. Des Weiteren gibt es genügend Möglichkeiten sich über Internet und Zeitungen/Magazine entsprechend zu informieren, konsumieren muss ich schon selber. Menschen die sich für bestimmte Themen (z.B. Politik) nicht interessieren, werden weder die entsprechenden Sendungen im öR, noch die Wirtschaftsseite im WK lesen. Letzteren habe ich aber bewusst abonniert und kann entscheiden, wann ich darauf verzichten möchte.
 
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