Allgemeiner Politik Thread

Dass die Löhne so stark gestiegen sind in Griechenland, liegt doch vor allem daran, dass man in Griechenland inzwischen nicht griechische, sondern europäische Preise zahlt, weil der Euro eben zu einer Angleichung des Preisniveaus innerhalb der Eurozone führt.

Im griechischen öffentlichen Sektor liegt der Grundlohn bei 780 Euro. 30% mehr klingt ja super, aber davon kann man nicht leben bei dem Preisniveau, nicht nur in Athen. Die Zahl der Selbstmorde steigt. Die Wirtschaft wird durch das EU-Diktat endgültig zugrunde gespart, das "Wachstum" liegt bei -5%.

Wer Griechenland in der EU wollte, der hätte in den letzten 10 Jahren permanent Transferleistungen, insbesondere für INvestitionsprogramme nach Griechenland schicken müssen, und zwar in großem Stil. Es hat nichts mit Verschwendung der griechen zu tun, was da passiert, sondern damit, dass Griechenland der wirtschaftlich schwächste EU-Staat ist und das ohne massive Hilfe nicht mittragen kann. Innerhalb einer Währungs- und Zollunion sind die griechischen Produkte mit denen aus Italien, Deutschland und Frankreich in keiner Weise konkurrenzfähig. Das ist ein grundsätzliches Strukturproblem, das nichts mit faulen oder verschwenderischen Griechen zu tun hat.
 
Das ist so auch nicht ganz richtig. Es ist eine Mischung aus beidem. Die Griechen haben sich schon Dinge "geleistet", die sich andere EU oder auch Euroländer nicht geleistet haben. Wir haben uns auch ganz schön zusammengerissen, was häufig vergessen wird, um eine Konkurrenzfähigkeit gerade im Niedriglohnsektor wiederherzustellen.
Die Griechen haben übrigens das Niveau künstlich angehoben. Nehmen wir das Beispiel Olivenöl. Warum ist es möglich, dass italienisches Olivenöl in Griechenland günstiger ist als das Einheimische. Die haben mit ihrer Lohn- und Angleichungspolitik auf Pump ihrer eigenen, ohnehin schon immer vergleichsweise schwachen Wirtschaft, selbst die Konkurrenzfähigkeit genommen. Mal ganz abgesehen von den ganzen anderen Schwachstellen, die sich der griechische Staat leistet.

In anderen Ländern hat das ganze ja auch funktioniert ohne sich gnadenlos der Überschuldung zu bedienen. Allerdings gab man sich da auch mit einem geringeren, wenn auch besserem und mittlerweile recht guten, Wohlstandsniveau zurfrieden und gibt dem Angleichungsprozess zeit. Was aber eben auch mit einer klugen Fiskal- und Wirtschaftspolitik zu tun hat, was uns eben auch unter Druck setzt.
 
Du verschweigst die Tatsache, dass die durchgängigen Steuerhinterziehungen und der riesige Beamtenapperat die wahren Gründe des Niedergangs sind. Des Weiteren ist das Preisniveau viel niedriger als von Dir angegeben und der unnötige Hinweis auf eine angeblich gestiegene Selbstmordrate ist zwar bedauerlich, aber keineswegs in Kontext mit der Krise zu sehen. Letztendlich hat sich Griechenland in die EU gelogen und weil alles es so wollten, ist passiert, was langfristig passieren musste. Vielmehr bekommen wir Deutsche immer wahrscheinlicher in eine Transferunion und das wäre das Ende von Europa.
 
Ach, die "kluge Politik" ist nichts weiter als eine funktionierende Ökonomie. Der Nepotismus in Griechenland ist die Folge einer bankrotten Ökonomie, nicht die Ursache.

In der griechischen Regierung ist ein Streit über das Referendum zum EU-Rettungsschirm ausgebrochen, Regierungschef Papandreou droht eine Niederlage beim Mißtrauensvotum. Dabei sind die Stimmzettel für die Volksbefragung bereits gedruckt. TITANIC liegt ein Musterexemplar vor:

Griechenland sollte den Euro-Rettungsschirm annehmen, auch wenn das bedeutet, daß das ganze Volk in bitterer Armut versinkt, mit Ausnahme einiger führender Politiker und Schwerreicher.
O Das will ich


Griechenland sollte den Euro-Rettungsschirm ablehnen, auch wenn das bedeutet, daß das ganze Volk in bitterer Armut versinkt, mit Ausnahme einiger führender Politiker und Schwerreicher.
O Das will ich

http://www.titanic-magazin.de/rss.4554?utm_source=twitterfeed&utm_medium=facebook
 
...die Griechen (nicht nur) haben von der EZB die Erlaubnis erhalten Geld zu drucken für nur einen Prozent Zinsen - über den Rettungsschirm hätten sie 6 Prozent zahlen müssen und daher auch die Zögerung (auch der PI(G)S) sich dem unterzuordnen. So durften sich Griechenland und Portugal hierüber die Leistungsbilanzdefizite finanzieren !!! Das Spiel geht aber noch weiter und hat erhebliche Konsequenzen für Deutschland, da es keinen Zugriff auf die EZB hat - paradoxer Weise auf Wunsch Deutschland und nach Vorbild der Deutschen Bundesbank.
 
Du verschweigst die Tatsache, dass die durchgängigen Steuerhinterziehungen und der riesige Beamtenapperat die wahren Gründe des Niedergangs sind..

Wie würdest Du die hohen griechischen Rüstungsausgaben in diesem Kontext sehen, deren Profiteure u. a. hier in diesem Lande sitzen und deren Geschäfte per Bankbürgschaften und der Bundesregierung "abgesegnet wurden"? Ich frage mich, wie solche Deals zustande kommen, obwohl klar war, dass die Griechen kein Geld in der Kasse haben..
 
Ach, die "kluge Politik" ist nichts weiter als eine funktionierende Ökonomie. Der Nepotismus in Griechenland ist die Folge einer bankrotten Ökonomie, nicht die Ursache.



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Nepotismus hat es auch schon vor dem Euro gegeben und letzterer ist somit nicht die Ursache, sondern die willkommene Verlängerung und Vertiefung des Status Quo.
 
Wie würdest Du die hohen griechischen Rüstungsausgaben in diesem Kontext sehen, deren Profiteure u. a. hier in diesem Lande sitzen und deren Geschäfte per Bankbürgschaften und der Bundesregierung "abgesegnet wurden"? Ich frage mich, wie solche Deals zustande kommen, obwohl klar war, dass die Griechen kein Geld in der Kasse haben..

Diese Argumentation erinnert mich an einen ARD Presseklub unter Teilnahme eines griechischen Journalisten, der ein ähnliches Beispiel (hier ging es um die deutschen Autos die in Griechenland verkauft wurden) aufmachte und ich mich fragte, ob der in der richtigen Veranstaltung war. Natürlich werden solche Geschäfte immer und überall auf der Welt permanent getätigt und wenn man sich von dem belasteten Bereich "Rüstung" frei macht, sehe ich die lediglich die natürliche Vorgehensweise bei solchen Geschäften. Die Griechen hätten ja Panzer aus Russland kaufen können und die Autos aus den US, letztendlich hätten sie beides gewollt und ich sehe hierin nichts, aber auch gar nichts Verwerfliches.
 
Diese Argumentation erinnert mich an einen ARD Presseklub unter Teilnahme eines griechischen Journalisten, der ein ähnliches Beispiel (hier ging es um die deutschen Autos die in Griechenland verkauft wurden) aufmachte und ich mich fragte, ob der in der richtigen Veranstaltung war. Natürlich werden solche Geschäfte immer und überall auf der Welt permanent getätigt und wenn man sich von dem belasteten Bereich "Rüstung" frei macht, sehe ich die lediglich die natürliche Vorgehensweise bei solchen Geschäften. Die Griechen hätten ja Panzer aus Russland kaufen können und die Autos aus den US, letztendlich hätten sie beides gewollt und ich sehe hierin nichts, aber auch gar nichts Verwerfliches.

Deine Antwort zielt (leider wohl ganz bewusst) an meiner Frage vorbei.. ich sag's mal so.. wenn die Kasse leer ist kann nichts gekauft werden.. oder es ist "Beschiss" im Spiel. Wenn der Verkäufer weiss, dass "Beschiss" im Spiel ist und das Geschäft trotzdem zustande kommt, wer trägt dann mehr Verantwortung? Ganz simpel.
 
Deine Antwort zielt (leider wohl ganz bewusst) an meiner Frage vorbei.. ich sag's mal so.. wenn die Kasse leer ist kann nichts gekauft werden.. oder es ist "Beschiss" im Spiel. Wenn der Verkäufer weiss, dass "Beschiss" im Spiel ist und das Geschäft trotzdem zustande kommt, wer trägt dann mehr Verantwortung? Ganz simpel.

Geschäfte zwischen Staaten sind kaum auf das tägliche Leben übertragbar. Deutschland ist ebenfalls hochverschuldet und jeder macht mit uns Geschäfte und fragt nicht danach - die offizielle Bewertung übernehmen dann die Ratingagenturen. Wenn Du die moralische Verpflichtunhg ansprichst dann sag ich Dir - vergiss es.
 
Geschäfte zwischen Staaten sind kaum auf das tägliche Leben übertragbar. Deutschland ist ebenfalls hochverschuldet und jeder macht mit uns Geschäfte und fragt nicht danach - die offizielle Bewertung übernehmen dann die Ratingagenturen. Wenn Du die moralische Verpflichtunhg ansprichst dann sag ich Dir - vergiss es.

Ja, leider wird unser Grundgesetz zur Klopapierrolle degradiert..
 
:tnx:

Unsere Politiker sinds ja auch so langsam leid, vom Bundesverfassungsgereicht immer auf Ihre Verfehlungen hingewiesen zu werden.

Auch der Mappus mit seinem EnBW-Deal ist da ein willkomenes Beispiel, wieviel eine Verfassung wert ist.
 
Darum muss die Gesellschaft kämpfen und notfalls auf die Strasse gehen, oder vielleicht einmal eine andere Partei ausser SPDCDUGRÜNEFDP wählen - z.B. die Piraten. Nicht dass ich die aus Überzeugung wählen würde, aber zumindest neu, anders und hoffentlich immer demokratisch.

Auch ich bin gespannt ob aus der Piratenpartei was werden kann.. die Propaganda bspw. aus Bayern "Report aus München" tut ganze Arbeit diese neue Partei zu diskreditieren.

http://blog.br-online.de/report-muenchen/tag/piratenpartei
 
Jupp. Aber auf die Programmatik sollte man schon hinweisen. Da ist dann nun wirklich nicht viel. Was sie ja auch ganz selbstbewusst in der Öffentlichkeit zur schau stellen. Es mag etwas anderes sein, aber ob sie auch nur annähernd in der Lage sind überhaupt die Probleme politisch zu erfassen, lass ich jetzt mal dahingestellt.

Nochmal zum Euro. Wie ich bereits sagte ist Griechenland eigentlich nicht wirklich das Problem. Es wäre es noch viel weniger, wenn wir sie gleich in die Insolvenz geschickten hätten, was bei Einhaltung der europäischen Verträge im übrigen gar nicht anders möglich gewesen wäre.
 
Na ja, jetzt die Sache mit dem Referendum eher eine Zeitfrage. Aus der Schweiz kenne ich den Ablauf solcher Plebiszite, die bedürfen der mittelfristigen Vorbereitung und die Presse informiert über Wochen sehr ausführlich über Pros & Cons. Die aktuelle Frage ob sich die Griechen für Pest oder Cholera entscheiden sollen, kann in dieser kurzen Zeit nicht mehr geklärt werden. Grundsätzlich bin ich aber absolut für die Einführung plebiszitärer Elemente zumindest in Deutschland.
 
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