ich betrachte das eher aus ner anderen perspektive.. sicherlich ist die mauer auf den druck der DDR-bürger gefallen...
vergleiche mit dem dritten reich zeigen mir aber eher, dass kohl die kommunisten nicht unterschätzt hat...
Auch wenn diese Diskussion sicher OT ist, finde ich sie wirklich interessant.
Ich verachte zwar die Diktaturen, die östlich der Oder herrschten (die aber übrigens mit Kommunismus tatsächlich wenig zu tun hatten, auch wenn sie sich so bezeichneten), aber Vergleiche mit dem 3.Reich halte ich für vollkommen überzogen. Zwar wurden Andersdenkende brutal unterdrückt und ermordet, einen Rassenwahn wie bei Hitler gab es jedoch nicht.
Zwar wurden Stellvertreter- und Angriffskriege geführt (z.B. in Korea und gegen Afghanistan), aber diese Politik verfolgten auch die USA und unterstütze sogar den Sturz demokratischer gewählter Regierungen. In Chile wurde Salvador Allende gestürzt und ermordet, die faschistischen Putschisten um den Massenmörder Pinochet davor und danach von den USA hofiert.
In Nicaragua hatten die (mehr oder minder) linksgerichteten Sandinisten an der Spitze einer breiten Widerstandsbewegung die Somoza-Diktatur gestürzt. Die USA haben die "Contra" unterstützt, diese führten Anschläge gegen die öffentliche und wirtschaftliche Infrastruktur Nicaraguas aus und töteten im Laufe des Konflikts zehntausende von unbeteiligten Zivilisten, häufig auf äußerst grausame Weise. Dafür wurden sie 1986 vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag für ihre direkte und indirekte militärische Teilnahme am Contra-Krieg zur Beendigung der ungesetzlichen Anwendung von Gewalt gegen Nicaragua und Zahlung von Reparationen verurteilt.
Gegen diese Politik habe ich von Kohl nie ein öffentliches Wort des Widerstandes gehört.
Und Helmut Kohl hat sich zwar vielleicht für die ostdeutsche Bevölkerung eingesetzt, vor allem aber hat er sie hemmungslos belogen. Die Protestbewegung hatte zunächst vor allem eine Verbesserung der Verhältnisse in der DDR zum Ziel, einen veränderten und verbesserten Sozialismus ohne Unterdrückung der Meinungsfreiheit. Dann jedoch versprach Kohl den Menschen, dass sie die Errungenschaften des Kapitalismus erlangen könnten und keinem Nachteile entstehen würden ("blühende Landschaften", "es wird vielen besser gehen aber keinem schlechter") woraufhin die DDR der Bundesrepublik beitrat. Meiner Meinung nach hätte man vor einer Wiedervereinigung dringend die Errungenschaften beider Systeme zusammenfassen müssen. (Ich nenne da nur mal die Möglichkeit eines kostenlosen Kita-Platzes und andere Errungenschaften wie die Sicherheit, eine Ausbildung zu erhalten.)
Die Unzufriedenheit in weiten Teilen Ostdeutschlands ist auch darauf zurückzuführen, dass die Menschen zwar jetzt frei ihre Meinung sagen und nach Mallorca reisen können, aber keine Arbeit mehr haben und sich eine Reise nicht mehr leisten können. Dies mag zwar ein angemessener Preis sein, aber man hätte die Menschen zumindest darüber aufklären müssen, dass auch die Marktwirtschaft kein Paradies auf Erden ist.