Was bei Werder unter Fritz und Niemeyer komplett fehlt (eigentlich seit 15 Jahren schon) ist jede Form von langfristigem Denken. Moderne Kaderplanung heißt: Spieler frühzeitig scouten, Profile definieren und für jede Position mehrere Alternativen haben. Plan A, B, C – und wenn es sein muss D und E. Scheitert Option eins, greift man zur nächsten. Punkt.
Bei Werder passiert genau das Gegenteil. Wochenlang Funkstille – und dann am letzten Tag der Transferperiode hektisch eine Leihe, die angeblich „sofort hilft“. Das ist kein Konzept, das ist Aktionismus. Diese Last-Minute-Leihen sind der beste Beweis dafür, dass es offenbar keine vorbereiteten Alternativen gibt. Es wirkt, als würde man alles auf einen Namen setzen – und wenn der nicht klappt, wird improvisiert.
Und selbst wenn man keine passenden externen Alternativen findet, dann muss man den Mut haben, konsequent auf die Jugend zu setzen. Nicht aus Not, sondern aus Überzeugung. Ein funktionierendes Scouting- und Entwicklungssystem muss dafür sorgen, dass jedes Jahr ein bis zwei Spieler aus der Jugend realistisch an die Profimannschaft herangeführt werden. Bei Werder passiert das gar nicht. Aber nur das kann der Weg sein wenn ich mir keine guten und fertigen Bundesligaspieler leisten kann, weil mir seit Jahren das Geld fehlt.
Dazu kommt: Transfers müssen nicht immer auf den letzten Drücker passieren. Man kann Spieler ein Jahr im Voraus verpflichten, man kann gezielt ablösefreie Spieler sichern, man kann vorausschauend planen. Andere Vereine machen das längst. Bei Fritz und Niemeyer wirkt es dagegen, als würde jede Transferperiode neu überraschen, dass der Kader Lücken hat.
Unterm Strich sieht es so aus, als gäbe es keinen Plan A, keinen Plan B und schon gar kein langfristiges Konzept. Statt Struktur, Vorbereitung und Mut gibt es Hektik, Leihen und Hoffnung. So führt man keinen Bundesligaverein – so verwaltet man Probleme.