Was Stimmung und Hoffnung angeht, hat diese Niederlage heute aber mal so komplett den Stecker gezogen. An einen Sieg gegen Spanien unter diesen Voraussetzungen kann ich bei bestem Willen nicht glauben. Es hätte gegen Japan heute mindestens ein Remis geben müssen. Aber so?
Tja, nun erlebt der DFB wohl sein zweites sportliches Waterloo, nach Russland 2018. Damals hatte man in dem langjährigen Bundestrainer Löw und seiner spieltaktischen Sturheit schnell einen Sündenbock gefunden.
Unter Flick lief es nach dessen Übernahme deutlich besser. Er schien die Spieler auf ihren besten Positionen einzusetzen und nicht krampfhaft an einem System festzuhalten. Das Team dankte es ihm mit einer vorzeitigen, souveränen Qualifikation für Qatar.
Heute nun der jähe Absturz des Hansi Flick. Mit einem Kader, der zwar Schwächen hat, der nominell dennoch deutlich stärker einzuschätzen ist als der des heutigen Gegners Japan. Wie ist das zu erklären? Waren es die sportpolititischen Störgeräusche im Um- und Vorfeld des Spiels? War es eine gewisse Angst des Trainers bei der Benennung der Startelf? Warum spielten Süle und Schlotterbeck statt Kehrer und Ginter? Warum spielte ein Müller, der zuletzt kaum Spielpraxis hatte? Warum spielte ein Havertz, der zuletzt seiner Form hinterher lief, während Füllkrug und Götze zuletzt in hervorragender Form waren? Warum wechselt Flick so spät?
Machen wir uns nichts vor, heute hat Hansi Flick bitteres und teures Lehrgeld bezahlt. Er muss gegen Spanien etwas ändern, um ggf. gewinnen zu können. Hoffentlich ist es, dank der speziellen Gruppenkonstellation, nicht schon zu spät. Ginter, Kehrer, Goretzka, Götze und Füllkrug rein. Süle, Schlotterbeck, Gündogan oder Kimmich, Müller, Havertz raus.
Der Kader ist, trotz angesprochener Schwächen in der Defensive, eigentlich gut genug, um damit die Vorrunde einer WM zu überstehen.