@Berliner69
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Wenn Werder einen zurückhaltenden Gönner wie Hopp finden würde, wäre das keine schlechte Sache, auch wenn ich dem, nennen wir es Einfachheit halber mal dem "System Hopp", bekanntermaßen mit Vorbehalten gegenüberstehe, weil ich es bei aller Anerkennung der geleisteten Arbeit es unsportlich finde, wenn ein Dorfverein so mit Geld vollgepumpt wird, dass dieser sich in der 1. Bundesliga etablieren kann. Für die Attraktivität der Bundesliga ist das nicht gut, denn auch wenn guter Fußball zu sehen ist, verfügt z.B. eine Partie Brause Leipzig gegen Hoffenheim in der 1. Liga über weniger Anziehungskraft als Rumpelfussball bei HSV gegen Stuttgart in der Zwoten.
Doch wer könnte dieser "Bremer Hopp" sein, der diesen Ausbau der sportlichen Infrastruktur in Bremen finanziert, von dem u.U. auch der Breitensport im Land Bremen direkt oder indirekt profitieren kann? Mir fällt dazu nur Werders AR-Mitglied Kurt Zech ein, der idealerweise Bauunternehmer ist. Doch Bauunternehmern haftet ein negatives Stigma an und Anfang der 2000er Jahre kursierten hier Gerüchte, dass Zech bei den Umbauarbeiten des Weserstadions bevorzugt behandelt worden sei. Doch will Zech überhaupt Investor werden? Ende 2016 hat er jedenfalls
dementiert.
Ein weiteres Hindernis für ein Investorentum sehe ich ebenfalls bei Werder und im Umfeld, denn hier ist man noch sehr stark in der Tradition behaftet. Siehe bei der Diskussion um den Standort des NLZ, als WL äußerte, dass dieses in der Pauliner Marsch gebaut werden müsste, weil dort "Unsere Heimat" sei. So what? Wo z.B. würde Borussia Mönchengladbach heute stehen, wenn die weiterhin am altehrwürdigen, traditionsreichen Bökelbergstadion kicken würden? Um Missverständnisse vorzubeugen: Tradition ist eines der elementaren Impulse des Fußballsports, doch in Zeiten, in denen selbst im Mittelfeld der 1. Bundesliga stehende Clubs/Kapitalgesellschaften dreistellige Millionenumsätze generieren, kann du diese Institution nicht alleine durch die ruhmreiche Vergangenheit erstklassig halten. Siehe 1. FC Kaiserslautern oder aktuell im Handball den VfL Gummersbach; als Sportfan blutet einem dabei das Herz, aber das kommt eben dabei raus, wenn das eigene Wirken zu stark auf die Tradition fokussiert ist und sich ggf. deshalb für unabsteigbar hält, statt sich der wirtschaftlichen Weiterentwicklungen in diesem Sport anzupassen.
Dazu gehört es - leider (!!!) - auch, dass der Name des Stadions an einen Sponsor verkauft wird. Dass neulich 500 Werder-Fans auf die Straße gegangen sind, um für den Erhalt des Namens Weserstadion zu demonstrieren, finde ich sehr ehrenwert; jedoch muss diesen Fans auch bewusst sein, dass der traditionelle Namen des Stadions allein keinen popeligen Cent für die Wettberwerbsfähigkeit der Mannschaft oder erforderliche infrastrukturelle Baumaßnahmen ausspuckt. Wer weiterhin Erstligafussball in Bremen sehen will, der muss auch bereit sein, mit einem verkauften Stadionnamen zu leben; erst recht, wenn der ursprüngliche Name Weserstadion in der offiziellen Bezeichnung erhalten bleibt, denn auch als Fan muss man heutzutage bereit sein, mit Kompromissen wie diesen zu leben, denn das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, so wünschenswert es für das Herz eines Fußballfans auch ist.
Dass durch die von Dir genannten Negativbeispiele große Vorbehalte gegen Investoren herrschen, ist nicht nur nachvollziehbar, sondern ich teile sie auch und deshalb ist Deine Quintessenz, dass sich ins sportliche einmischende Investoren schädlich auswirken, zu 1899% korrekt. Doch es gibt auch positive Beispiele, die in solch einer Diskussion gerne unter den Teppich gekehrt werden, wie z.B. beim Leicester City FC, dessen Eigentümer Vichai Srivaddhanaprabha bei einem Hubschrauberabsturz am Stadion tragisch ums Leben kam. Auch wenn gerne gegenteiliges behauptet wird, ist ein Investor per se nicht schlecht - es muß eben nur darauf geachtet bzw. in Gesprächen geklärt werden, wen man sich ins Boot holt.