Ich denke auch, dass der Glaube nicht das Übel ist. Glaube ist sogar ne sehr schöne Sache, da Gläubigen viele Ängste genommen werden. Meiner Meinung nach haben es Gläubige einfacher.
Das ist aber wohl eher die persönliche Ebene. Da stimmt das sicher. Aber es ist in meinen Augen nichts anderes, als wenn ich jemandem, dem sehr viele schlimme Dinge passieren, ein vierblättriges Kleeblatt gebe und sage, dass bringt dir ab jetzt Glück. Wenn du dran glaubst, wirst du keine Angst mehr haben, dass dich das Pech verfolgt. Ob's stimmt... Was ich dadurch im schlimmsten Fall erschaffe, ist ein Mensch, der nicht für sich selbst denkt, sondern nur auf seinen Glauben vertraut. Natürlich ist das einfacher.
Der Glaube ist mMn nicht das Übel, es sind die Menschen, die ihn leben. Jede Glaubensrichtung hatte ihre Leute, die Böses taten und sich dabei auf die Religion beruften. Das machte aber nie wirklich Sinn, da Religionen grundsätzlich friedlicher Natur sind. Oberstes Gebot "Töten ist verboten" und damit wird viel Böses, was quasi im Namen der Religion getan wird, schon ausgeschlossen...
Ursprünglich hatte Glaube nix mit Friede und Krieg zu tun. Da ging es eher um einen Totenkult. Was passiert nach dem Tod? Wo komme ich hin? Durch dieses Unwissen, das wir bis heute haben, entstand der Glaube an etwas anderes. Hinzu kamen natürlich Naturerscheinungen, die nicht zu erklären waren, und dann irgendwelchen Geistern und Göttern zugeordnet wurden. Irgendwann dankte man dann den Göttern oder was auch immer, dass man einen anderen Stamm abgeschlachtet hat oder so. Irgendwann kamen dann mal mit dem Entstehen größerer Gesellschaften auch gewisse Grundregeln des Zusammenlebens. Ob die nun religiös motiviert waren oder nicht, weiß ich nicht. Aber mal anders gefragt: Wer ist der bessere Mensch - ein Atheist, der dich nicht umbringt, weil er das für moralisch falsch hält, oder ein Mensch, der dich nicht umbringt, weil er glaubt, dass er in die Hölle kommt, wenn er dich umbringt? Klar kannste jetzt fragen, wo Moral herkommt.
Die meisten Gläubigen leben ein friedliches und freundliches Leben. Daher würde ich Religion und Glauben nicht in ein schlechtes Licht rücken.
Na ja, da wo 2 Religionen aufeinanderprallen, kann das auch schon mal schief gehen. Und da braucht es nur ein paar Leute geben, die sagen: "Hey, die glauben was anderes und wollen uns was böses." Siehe oben ("Was ich dadurch im schlimmsten Fall erschaffe, ist ein Mensch, der nicht für sich selbst denkt, sondern nur auf seinen Glauben vertraut.") Wenn Menschen sich nicht ihrem eigenen Verstand bedienen, wird es leichter sie zu instrumentalisieren. Das hat man am 30-jährigen Krieg gesehen, das hat man bei Anglikanern gesehen, das ist, warum es Puritaner in Amerika gibt, warum Juden lange Zeit verfolgt wurden, darum gibt es Stress zwischen Schiiten und Sunniten oder zwischen Christen und Moslems.
Dagegen gibt es etliche Gegenbeispiele, wo Leute unterschiedlichen Glaubens friedlich miteinander lebten. Das hat man ja sogar im römischen Reich geschafft. (Zumindest gab's dort eher keine religiösen Konflikte. Rom hat den Besetzten meist ihren Glauben gelassen (bis das Christentum kam).)
In der letzten Klammer sitzt dann auch schon der Clou. Wer weiß, wo wir heute wären, wenn es das Christentum nicht gegeben hätte. (Ja, alternative Geschichtsschreibung... finde ich aber spannend.) Vielleicht hätte man die römischen Götter tatsächlich irgendwann abgelegt, hätte sich Technik und Wissenschaft mehr zugewandt, und kein Mittelalter gehabt, wo es vor religiösen Fanatismus und Militarismus nur gestrotzt hat. 1000 Jahre bis zur Aufklärung, die uns zumindest in Europa richtig aufgehalten haben.
Demnach kann man leider auch nicht immer sagen, Religion sei Privatsache, denn sie ist nun mal ein großer Bestandteil des eigenen Zutuns zur Gesellschaft, sowohl in positiver als auch in negativer Richtung, da sie einen großen Anteil des eigenen moralischen Empfinden ausmacht.