Weil es nicht die Entscheidung eines Landes sein darf, wann es legitim ist, in einem anderen zu "intervenieren", sondern nur die der "Weltgemeinschaft" UNO?!
Klar widerstrebt das, was Saddam mit seiner Bevölkerung getan hat, "unseren" (auch meinen) "Moralvorstellungen". Aber diese Vorstellungen sind halt von Land zu Land unterschiedlich. Die Expansionspolitik der Sowjetunion könnte man ja ansonsten auch damit rechtfertigen, dass in den entsprechenden Ländern die Arbeiterschaft durch den Kapitalismus geknechtet wurden.
Hinzu kommt ja, dass man in den Irak eben nicht einmarschiert ist, nachdem man vergeblich versucht hat, Hussein zu mehr Menschenrechten und Demokratie zu bewegen. Sondern weil der keine Massenvernichtungswaffen herausgeben wollte - was er ja auch schlicht nicht konnte.
Dass er seiner Bevölkerung viel Leid angetan hat, war auch nichts keine neue Entwicklung des Jahres 2003. Das hat er auch schon 1988 getan (Giftgaseinsatz gegen die kurdische Minderheit - die war "uns" damals herzlich egal, erst jetzt liefert man denen Waffen, um sich gegen unseren Feind IS zu wehren, damit wir das nicht selber machen müssen), damals war Hussein aber noch ein Verbündeter.
UNO ist für Dich gleich "Weltgemeinschaft"? Alles klar.
Die UNO ist ein Verein, der vor ein paar Jahren Assad und Gaddafi im Menschenrechtsrat sitzen hatte. Da wo jeder Diktator ein Stimmrecht hat, egal wie viele Menschen er überhaupt vertritt. Wo im Sicherheitsrat Putin und die Chinesen Vetorechte haben und damit den Massenmord in Syrien decken. Für mich ist es die UNO, die keinerlei Legitimität hat. Welche denn? Und warum?
Nein, die UNO ist genauso eine Interessenvertretung und zwar eine von überwiegend Diktatoren. Diesen Verein erkenne ich nicht an. Man sieht es doch daran, was er zu Massakern seiner Mitdiktatoren wie Assad oder Gaddafi zu sagen hat: Nichts. Die UNO ist dazu da, mit dem Finger auf die USA und Israel zu zeigen, das ist alles und deswegen sollte man diesen pathetischen Zirkel von Massenmördern nicht mehr finanzieren.
Was die Rechtfertigung von irgendetwas angeht: Man kann alles, was in irgendjemandes Interesse liegt, rechtfertigen. Die Russen behaupten ja auch, dass die Ukrainer kein richtiges Volk seien, aber eins von Nazi-Faschisten, die keine richtige Sprache hätten, den Russen aber verböten, Russisch zu sprechen. Das macht zwar alles keinen sinn und ist alles gelogen, aber so ist das mit Kriegsgründen. Die USA haben viel gelogen und viele unsinnige Kriege geführt und die Russen bzw. Sowjets haben auch sinnvolle Kriege geführt, zum Beispiel in Afghanistan, wo der Westen damals gegen die Sowjets islamistische Rebellen unterstützt hat, die er später wieder bekämpfen musste. Niemand behauptet, dass Weltpolitik einen Sinn hat oder dass irgendjemand alles richtig mache. Nur geht es darum nicht.
Worum es geht, ist die unbestreitbare Tatsache, dass nur dort auf der Welt die Dinge einigermaßen in die richtige Richtung liefen und laufen, wo versucht wird, eine funktionelle Wirtschaft und einen funktionellen Staat nach mehr oder weniger westlichem Vorbild zu errichten. Die USA haben wenige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg einen enormen Blutzoll gezahlt, der dafür gesorgt hat, dass kanpp 50% der Fläche und ca. 80% der Koreaner heute nicht unter steinzeitlicher Herrschaft von Chinas Gnaden leben müssen. Der Vormarsch wurde gestoppt. Die laizistische Türkei war bis in die späten 60er auf dem Weg in ein mordernes Land. Das repressive Schah-Regime im Iran hat immerhin vieles für die Gleichberechtigung der Frau und bessere Bildung getan und wäre dieses Regime 1979 nicht von Ayatollahs sondern von Demokraten beerbt worden, wäre Persien heute bestimmt ein ganz wudnervolles Land.
Kuckt man sich die Entwicklung in anderen Weltgegenden an, dann sinkt in Russland die Lebenserwartung, dann haben in China 200-300 Millionen Menschen gar keine Rechte, dann geht Kuba immer mehr pleite und Venezuela und dessen Hauptstadt Caracas ist heute eine Hauptstadt des Mordens, Verbrechens und Bandenwesens bei einer kollabierenden Ökonomie. Was soll und das sagen: Das sagt uns, dass vieles, was uns von Leuten wie "Der Anstalt" als irgendwie widerständig gegen den Westen präsentiert wird, seien es Islamisten, Diktatoren wie Assad, Chavez bzw. dessen Nachfolger Maduro oder Vladimir Putin, im Gegenteil das größere Übel sind. Sie sind es, die mit ihrer Politik dafür sorgen, dass über kurz oder lang gar nichts mehr geht und nicht einmal mehr für eine gewisse nennenswerte Minderheit das einigermaßen angstfreie Leben noch möglich ist.
Leute, die hier im Westen proklamieren, dass die Islamisten gar nicht so schlimm seien, dass der Islam eine prima Religion ist oder dass alles, was sich irgendwie den westlichen Interessen widersetzt, eine grundsätzlich gute Sache sei und das Grundübel der große und der kleine Satan USA und Israel seien, die sind unsere Islamisten. Die laufen bei Pegida, Montagsdemos, Stuttgart 21 rum oder hocken vor der Anstalt, Hagen Rether oder Volker Pispers. Die sind meiner Meinung nach viel gefährlicher für unser Leben als die Islamisten, die werden aufgrund der Bevölkerungsstruktur lange sehr minoritär bleiben. Aber sie erzeugen einen Block, der für die Vernunft nicht mehr ansprechbar ist, der glaubt, die Welt wäre dann besser, wenn der Westen sich nicht engagierte, wenn er seine Interessen nicht wahrnehme und den nahen osten an Islamisten, Fernost an China und das ganze Gebiet der Ex-UdSSR mit Randgebieten dem Einfluss Russlands überließe. Diese Menschen haben keine Ahnung, was in der Welt passiert und jonglieren mit Fakten, wie es ins Ressentiment gerade passt.
Da ist ja auch die Sache mit den Griechen ein schönes Beispiel. Die einen verhöhnen sie als "Pleite-Griechen", die anderen wollen mit der Querfront-Regierung zusammen nach Brüssel marschieren und glauben, wenn die Griechen noch mehr Geld rauswerfen und noch mehr Schulden machen, wenn endlich wieder Keynesianismus käme, dann wird alles wieder gut. Dieser naive Glauben passt prima zu PEGIDA, man will zurück in die wohlige Vergangenheit einer alten Zeit, als die Welt übersichtlich war, es hier den Ostblock und da die größtenteils wachsenden Kapitalismen gab und die alte Bundesrepublik als Frontstaat gegen den Ostblock ein schönes Leben hatte, in dem immer wenn die Arbeitslosigkeit mal 5% zu erreichen drohte, das deficit spendig zu neuen Arbeitsplätzen führte.
Nur sind diese Zeiten restlos vorbei und es gibt kein Zurück, nicht für die Griechen und nicht für die Deutschen. Die Beschleunigung der kapitalistischen Dynamik führt dazu, dass immer mehr Menschen für die Kapitalverwertung restlos überflüssig werden und keine Links- oder Rinks-Lechts-Regierung der Welt kann das aufhalten. Dass dies an den Rändern des Zentrums, an der südlichen Peripherie der Eurozone nun mit voller Wucht durchschlägt, wo Länder seit Jahren es nicht geschafft haben, eine für die Weltökonomie relevante Produktivität zu erreichen, verwundert nicht. Andere Staaten außerhalb der EU leben seit Jahren nur von Rohstoffen und Auslandsinvestitionen und wenn die auch noch ausbleiben, dann sieht es in Russland immer finsterer aus. Da mag der Nationalismus und das Auftrumpfen, es dem Westen gezeigt zu haben, den hungernden Menschen vielleicht ein schwacher Trost sein - Essen bringt er ihnen nicht.
Es wird immer gesagt, der Westen und der Kapitalismus, das sei dasselbe. Aber der Kapitalismus ist ein universales Prinzip, dem Grenzen, Regime, Regierungen, Traditionen, Religion oder Nationalismus völlig egal sind. Das heißt dass alle staaten im selben Boot namens globaler Ökonomie sitzen und wer nicht mit im Boot sitzen will, hat nur noch die Wahl zu ertrinken.