Ich bin, den gesamten Zeitraum, in welchem Eichin hier nun schon das Zepter in der Hand hat, absolut mit seiner Arbeit zufrieden und vermutlich einer seiner größten Befürworter.
Grundsätzlich kann man meines Erachtens nach festhalten, dass TE ein klares Konzept vor Augen hat und dieses mit größtmöglicher Konsequenz verfolgt. Eichin versucht stets, seine Ansichten durchzusetzen (ob diese richtig oder falsch sind, sei erstmal dahingestellt) und scheint dabei zumeist überzeugen zu können, denn anders ist der plötzliche Stimmungsumschwung seitens der Übrigen Geschäftsführung, welche sich mittlerweile -trotz eingeschränkter finanzieller Rahmenbedingungen und einem erneuten Minus im letzten Geschäftsjahr- auch pro Investitionen in den Kader ausspricht, was Eichin ja lange Zeit vehement gefordert hat und meines Wissens nach nicht sofort auf Zustimmung traf. Den Weg, zu investieren, halte ich im Übrigen für den richtigeren. Man kann sich auch kaputtsparen. Ohne Investitionen in einer halbwegs passablen Größenordnung in diesen Zeiten, in welchen der Markt vollkommen überhitzt zu sein scheint und in welchen selbst die Preise für lediglich mittelklassige Spieler in die Höhe schießen, wird man a.) weder die Abgänge von Leistungsträgern -jüngst Hunt, zuvor Sokratis und de Bruyne- kompensieren, noch b.) die Qualität im Kader erhöhen können, um letztlich wieder dort hinzukommen, wo man sich mittel- bis langfristig zu sehen scheint: im internationalen Geschäft. Diesbezüglich bin ich also vollkommen bei Eichin und halte es für richtig, ein gewisses (finanzielles) Risiko einzugehen.
Darüberhinaus ist es ja keineswegs so, dass Eichin sämtliche Rücklagen aufbrauchen möchte, um sein persönlich ausgegebenes Ziel für die kommende Spielzeit, den einstelligen Tabellenplatz, zu erreichen. (Dieses Ziel halte ich by the way für angemessen, da im letzten Saisondrittel der vergangenen Spielzeit ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen gewesen ist und man schon in der letzten Spielzeit tabellarisch dichter an der oberen Tabellenhälfte als am Relegationsplatz positioniert gewesen ist. Mit einer nun weiteren Vorbereitungsphase, wo viele weitere Automatismen zu greifen beginnen werden oder zumindest sollten und punktuellen Verstärkungen des Kaders ist dieses Ziel zumindest nicht utopisch. Utopisch wäre die Forderung nach der Qualifikation für das internationale Geschäft, denn das würde auch eine gewisse Erwartungshaltung sowie Druck aufbauen, während das nun genannte Saisonziel psychologisch eher wertvoll sein müsste.) Um den oben angeschnittenen Gedankengang fortzuführen: Eichin gedenkt sicherlich nicht, den Verein finanziell zu überlasten oder in den Ruin zu stürzen; es ist doch viel mehr so, dass er die Kosten ganz einfach auf einer andere Art+Weise verteilen möchte. Eichin setzt den Hebel überall an, um die Kosten zu reduzieren und so ist es beispielsweise nicht überraschend, dass Werder mittlerweile einen Zentraleinkäufer beschäftigt, um Büromaterialien günstiger einkaufen zu können und eben in diesen Bereichen Geld zu sparen, welches widerum in die Gestaltung des Kaders investiert werden kann.
Zumal sich Eichin vor allem in puncto Kadergestaltung als unermüdlicher Arbeiter präsentiert. Nicht nur, dass er allem Anschein nach diverse Personalien parallel abwickelt, wie aus jüngstem Bericht der Kreiszeitung nochmals deutlich wird, nein, Eichin sucht auch nach "kreativen Lösungen", wie sie so oft tituliert werden, um die Qualität des Kaders zu heben. Oberste Prämisse hat bei der Suche nach neuen Kräften wohl vor allem deren Charakter, denn Eichin legt viel Wert darauf, dass Persönlichkeit und Charakterzüge stimmen. Ist dies der Fall, lassen sich Spieler nicht nur leichter integrieren, was bei Werder mittlerweile ohnehin bestens funktioniert, schließlich sind bei Werder seit Eichins Amtsantritt stets Spielerpärchen aus nahe beieinander gelegenen Regionen, wo darüberhinaus die gleiche Sprache gesprochen wird, verpflichtet wurden, nein, es lässt sich auch einfacher arbeiten. Dass der Teamgeist ein nicht zu unterschätzender Faktor ist, beweist im Übrigen währenddessen die WM in Brasilien, wo einige Teams auf Grund ihrer positiven Mentalität in das Achtelfinale eingezogen sind.
Abgesehen vom Charakter eines potentiellen Neuzuganges sucht TE stets nach günstigen Lösungen, was die Ablösesumme betrifft. Kommt ein Spieler ablösefrei, wie es unter Eichin oftmals geschieht, spart man eine zu zahlende Summe an den abgebenden Verein und kann auf Grund dieser Einsparungen mit höheren Gehältern locken. Des Weiteren traut Eichin sich, wenn er vom jeweiligen Spieler überzeugt ist, und das muss es ja im Falle Garcia zum Bleistift gewesen sein, denn sonst hätte er ihn gegenüber den erfahrenen Riise, der seine Qualität in einer der stärksten europäischen Ligen und im internationalen Geschäft nachgewiesen hat, nicht vorgezogen, an Fälle/Vertragssituationen heran, die zwar mit einer Menge Aufwand verbunden sind (auch Hajrovic dient hier als Beispiel), aber welche die Qualität des Kaders im Falle eines Transfers auch heben können. Dies sind eben die kreativen Lösungen, denn sonst wären diverse Spieler überhaupt nicht zu bekommen. Eichin rollt das auf, was Allofs lange Zeit stark gemacht hat.
Was mir an Eichins Arbeit gegenüber derer Allofs im Übrigen noch gefällt, ist die Tatsache, dass keinerlei Interna mehr nach Außen dringen. Während in der Allofs-Ära die Namen potentieller Neuzugänge schon lange vor offizieller Bekanntgabe des Transfers kusierten, ist bei Eichin ein plötzlicher Transfer ohne mediale Verbreitung zuvor nicht unüblich. Ich erinnere mich lediglich daran, dass er sich in seiner ersten Sommertransferphase in den Medien klar zur angestrebten Verpflichtung Tonevs bekannte, der Transfer dann aber scheiterte. Daraus hat er positiverweise gelernt, obwohl ich Eichins Außendarstellung als einen der größten Kritikpunkte ihm gegenüber ansehe. Diesbezüglich agiert er oftmals unglücklich, wie ich finde. Bestätigend für diese These jüngstes Zitat, in welchem Eichin sagt, er würde Lukimya sehr schätzen, aber gleichzeitig betont, dass man schon genügend Innenverteidiger habe. Ebenso die ständige Floskel, man wolle etwas neues ausprobieren. Kann man besser lösen. Wenigstens kann man nicht allzu viel hineininterpretieren.
Dass mittlerweile keine Interna mehr nach Außen dringen, kann auch dem radikalen Personalumbruch auf jeglicher Ebene zugeschrieben werden. Gut denkbar, dass es dort undichte Stellen gab. Aber auch in diesem Bereich hat Eichin jeden Stein umgedreht und, wenn er es für nötig hielt, die notwendigen Konsequenzen gezogen. Er scheut es zumindest nicht, Werder umzukrempeln, einen neuen Anstrich zu verpassen und alte, vielleicht eingefahrene System zu revolutionieren. Das fängt bei der Planung des Trainingslagers an und hört bei der Entlassung der medizinischen Abteilung, die ja schon lange in der Kritik stand, und des Trainerteams auf. Dazu gehört auch Mut, welchen u.a. Schaaf nicht an den Tag legt, zumindest lässt Schaaf sich nun in Frankfurt auf wenig neues ein, holt vertraute Personen zu sich und das Trainingslager findet auf der ebenso vertrauten Insel Norderney statt.
Generell scheint TE ein Freund von klaren Ansagen zu sein, was sein öffentliches Statement dazu, dass Ekici darüber aufgeklärt sei, dass es für ihn hier nicht weitergehen werde, bestätigt. Dabei misst er allerdings bezüglich jeder Personalie mit gleichem Maß, was auch Beispiel Hunt deutlich geworden ist. In dessen Fall hat man sich zwar im Bereich der finanziellen Möglichkeiten soweit wie möglich gestreckt, da man sich über Aarons Qualität und Bedeutung für die Mannschaft im Klaren gewesen ist, sich allerdings auch bei ihm auf kein ellenlanges Tauziehen eingelassen und ein Ultimatum gesetzt, um Planungen für einen adäquaten Nachfolger zeitnah und rechtzeitig angehen zu können. Er bemüht sich also um zügige Lösungen, um beim Trainingsauftakt möglichst das Grundgerüst des Kaders zusammenzuhaben (wenn Geduld erforderlich ist, bringt er allerdins auch diese nach seinem Ermessen auf) und dies ist ebenso ein Pluspunkt für Eichin wie die Tatsache, dass er mit vermeintlichen Leistungsträgern wie Prödl und Junuzovic frühzeitig Gespräche über eine Vertragsverlängerung aufnimmt, was unter Allofs ebenfalls nicht die Regel war, sofern man das beurteilen kann. In solch frühzeitigen Gesprächen spiegelt sich auf jeden Fall die Wertschätzung gegenüber den Akteuren wieder, zudem kommt man potentiellen Interessenten bestenfalls zuvor.
Eichin hat bei Werder einen zukunftsorientierten Weg eingeschlagen und vermarktet Werder bis dato sehr, sehr gut. Dies wird auch an der offiziellen Kooperation gegenüber Juventus deutlich, ebenso an den guten Beziehungen zu Chelsea. Derartige Partnerschaften und Verhältnissen kommen nur bei sportlichem Erfolg und wenn ein Verein von fähigen Personen geleitet wird, zustande. Und dies ist bei Werder der Fall und wahrscheinlich ausschlaggebender Grund dafür, dass die o.g. großen europäischen Clubs sich, trotz sportlicher Talfahrt Werders, auf solche Abkommen einlassen.
Ein wenig Sorge bereitet mir mein subjektiver Eindruck, dass Eichin fast schon eine Monopolstellung inne zu haben und eine Art Alleinherrscher zu sein scheint. Dieser Eindruck kann allerdings auch darin begründet liegen, dass Leute wie Baumann beispielsweise sich selten der Öffentlichkeit präsentieren und jene Arbeit in der Öffentlichkeit Eichin überlassen. Dass hat Eichin ja auch bereits selbst erkannt und eingeräumt und vor allem deshalb auch einen Mann wie Schröder ins Boot geholt. Eichin verteilt die Aufgaben nach und nach auf verschiedene Schultern, bevorzugt von externen und von ihm selbst ausgewählten Kräften, damit ein bestmögliches Arbeitsklima auch in zwischenmenschlicher Hinsicht erreicht werden kann, damit neue Innovationen angestoßen werden können und obiger Eindruck sich nicht festsetzt. Dafür, dass es diese Monopolstellung Eichins nicht geben wird, ist der Aufsichtsrat verantwortlich und diesem vertraue ich diesbezüglich voll und -ganz.
Kritisieren würde ich Eichin allenfalls noch für die Verkäufe von Trybull und Füllkrug, die ich beide für sehr talentiert halte. Diese Haltung teilt Eichin aber zumindest im Falle Füllkrug, wie zu vernehmen gewesen ist, weshalb er in Form der Rückkaufklausel noch nahezu bestmögliches herausgeholt hat.
Ob die Einstellung Dutts ein Fehler gewesen ist, wird sich im Laufe der nächsten Spielzeit herauskristallisieren und ist sicherlich einer der Punkte, an welchen Eichin sich zukünftig vor allem messen lassen müssen wird, schließlich war Dutt absoluter Wunschtrainer, wie damals geäußert wurde. Dass letzte Spielzeit unter der Rubrik "Übergangssaison" zu verbuchen gewesen ist und nicht alles rosig sein würde, war von Beginn an klar. Nach zwei kompletten Sommervorbereitungsphasen + einer im groben und -ganzen Neuausrichtung des Kaders, sollte in der nächsten Spielzeit allerdings eine klare Weiterentwicklung, vor allem aber konstant ein Konzept zu erkennen sein. Ist das nach zehn Spieltagen nicht der Fall und läuft man wieder in Gefahr, gegen den Abstieg zu spielen, erwarte ich von Eichin dann auch, seinen Fehler bestmöglich wettzumachen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.
Mein Fazit: Eichin wird Werder wieder an die Spitze führen, die Frage ist eher, ob er, im Gegensatz zu Allofs, in der Lage sein wird, das Niveau am Höhepunkt zumindest zu halten, vielleicht sogar zu steigern. Meine bescheidene Meinung zu TE.