Versuche mal beide zusammen zu führen, wenn du nichts dagegen hast.
Nein, natürlich nicht.
Diese Bescheidenheit hat Rehhagel letztendlich vertrieben. Für ihm gab es in Bremen nicht mehr die Perspektive den nächsten Schritt zu gehen. Damals schon nicht. Was folgte war der erste Abstieg innerhalb der Bundesliga nach dem Wiederaufstieg.
Was aber eben im Endeffekt für Werder ein Glücksfall war. Gerade Rehhagel stand nicht mehr für den modernen Fußball und hinterließ eine überaltete Mannschaft mit seinen Getreuen. Sein Vorteil in der Rückschau liegt darin, dass er rechtzeitig und im Erfolg gegangen ist.
Dann ging Lemke zurück in die Politik. 1999 kam TS als Trainer und Born übernahm die Vorsitz der Geschäftsführung, KA folgte zwei Monate später auf den Posten Lemkes wenn ich mich recht entsinne. Es begann eine der erfolgreichsten Zeiten der Vereinsgeschichte. Dann entschied sich die SPD für Böhrnsen statt Lemke als Nachfolger Scherfs im Amte des Präsidenten des Senats der Freien Hansestadt Bremen und Lemke begann sich wieder deutlich aktiver in die Belange des SV Werder einzumischen. Letztendlich kam es zur "Born-Affäre". Born hörte mehr oder weniger "freiwillig" auf. KA sollte dessen Aufgaben mitübernehmen. Der zweit Abstieg in der Bundesliga begann und es bleibt die Hoffnung, dass es nicht der zweite Abstieg in die 2. Bundesliga gibt.
Das ist jetzt etwas durcheinander, der Ablauf war ein anderer:
Nach Rehhagels Abgang wurde Lemke aus den wichtigeren Entscheidungen wie der Trainerfindung relativ herausgehalten, von Fischer und Böhmert, die ja alte Freunde waren, wogegen Lemke erst später dazugekommen war. Nachdem Böhmert und Fischer dort etliche Male daneben gegriffen hatten, beschloss das ganze Präsidium die Verpflichtung von Felix Magath und knüpfte das Schicksal an diesen Trainer. Das Ergebnis ist bekannt: Magath ging und der Vorstand trat geschlossen zurück, um den Weg für neue Strukturen zu öffnen. Fischer ging in die Vereinsarbeit, Böhmert als Vorsitzender und Lemke als sein Stellvertreter gingen in den Aufsichtsrat und zogen sich aus dem operativen Geschäft zurück. Dafür wurde, wie damals üblich, ein Sportdirektor namens Allofs installiert.
Nach Böhmerts Tod, das müsste 2004 gewesen sein, wurde Lemke Aufsichtsratsvorsitzender und wirkte dort in dessen Sinne weiter. Der Streit mit born und die Born-Affäre werden dagegen bis heute ebenso überschätzt wie dessen Rolle. Born war intern fürs Geld zuständig und wäre ein halbes Jahr später aus Altersgründen eh ausgeschieden. Seine Möglichkeiten, am finanziellen Niedergang etwas zu ändern, waren begrenzt, zumal Born auch in einigen Belangen ein etwas zweifelhafter Typ ist.
In jedem Fall übernahm Allofs von Born lediglich den Vorsitz, der Geschäftsbereich von Born ging größtenteils auf Filbry über.
Es ist immer wieder die Politik Lemkes die diesen Verein seit Mitte der 90er, zuvor hat er wirklich ordentliche Arbeit geleistet, in die Probleme bring.
Das ist mir, ehrlich gesagt, viel zu pauschal. Ich würde eher sagen, dass der Aufsichtsrat, als KATS auf dem Höhepunkt des Erfolgs waren und anfingen das Geld zu verbrennen, viel zu schwach war. Er hatte nicht die Möglichkeit, Allofs in seinem Ausgabenwahn in den Arm zu fallen, weil KATS hier die Götter von der Weser waren und jeder einwand gegen teure Verträge mit verdienten Altstars wie Frings hätte den AR weggeblasen. Mehr als darauf zu achten, dass wir noch in einem Budget liegen, konnte der AR in diesen "fetten" Jahren nicht tun und deswegen trägt er auch eine Mitschuld am Niedergang. Allerdings nicht so, wie hier in Bremen gemeint wird, dass da um Lemke die Bremser sitzen, sondern eher in dem Sinne, dass man zu schwach war und gegen KATS nicht auf einer dem Verein passenden Politik bestehen konnte, nicht gegen Transfers wie Alberto interveniert hat.
Und um jetzt mal beide Threads ein bisschen zusammenzufassen. Was würdest du denn mit dem Geld anfangen, welches man jetzt auf der Bank liegen hätte? Würdest du es jetzt in Topleute investieren? Oder würdest du es da weiter liegen lassen?
Otto hatte nun einmal Recht: Geld steht nicht auf dem Platz. Es liegt auf der Bank und da schießt es eben keine Tore (auch wenn andere seinen Ausspruch heute immer wieder falsch verwenden).
Hätten wir jetzt noch mehr Geld übrig aus den fetten Jahren und weniger Verträge wie den von Fritz sinnlos verlängert, wären wir im Sommer handlungsfähiger gewesen und eichin hätte einen besseren Trainer als Dutt herauskaufen und locken können, dazu noch bessere Spieler holen können. Klar, das Sparen ist kein Selbstzweck, sondern dafür da, dass man im sportlichen Notfall oder bei günstigen Gelegenheiten zuschlagen kann.
Hinzu kommt, dass man sich eben entweder hätte für den Weg entscheiden sollen, den du präferiest oder eben den nächsten Schritt auch richtig anzugehen und eben nicht so halbherzig. Aber dann hätte man sich auch intensiver mit den Fragen der Infrastruktur, potentieller Investoren, dem Verkauf von Namensrechten auseinandersetzen müssen. Alles Dinge die bei Fussballromatikern weniger beliebt sind. Ich persönlich finde die Entwicklung, die der Fussball in den letzten Jahren genommen hat auch nicht besonders toll. Daher treibe ich mich ja auch viel öfter bei Amateurspielen rum als in der Bundesliga, aber wenn man in der Bundesliga weiter mitstinken will, dann muss man sich anders aufstellen. Es gab Leute die wollten diesen Schritt konsequent gehen, andere wollten ihn nicht gehen, dass Ergebnis war nichts Ganzes und nichts Halbes und sind die Ursache für die heutigen Probleme.
Übrigens will ich nicht behaupten, dass der von mir präferierte Weg den Schritt ganz und konsequent zu gehen für Werder die bessere Lösung gewesen wäre als den Weg, den dur präferiert hättest. Letztendlich werden wir das nie erfahren.
Das werden wir nie erfahren, aber ich finde, dass der von mir präferierte Weg der kleineren Schritte keineswegs im Widerspruch zu Investoren oder anderen Geldbeschaffungswegen gestanden hätte. Nur muss man solche Investoren erstmal finden, das Problem haben die allermeisten Vereine. Außer Bayern hängen die am Tropf privater Geldgeber. Im übrigen sehe ich diese entwicklungen im Fußball völlig emotionslos.
Dennoch bin ich überzeugt, dass sich die Mentalität bei Werder deutlich ändern muss. Man muss schon kosequenter auch einen Erfolgsdruck aufbauen. Auch gegenüber den Spielern. Werder kann und darf einfach nicht mehr diese Wohlfühloase sein. Da müssen sich die Fans auch mal überlegen, ob es so sinnig ist Spielern, die auch hier noch äußerst gut bezahlt werden, für wirklich grauenvolle Leistungen Trostschoki zu schenken als wenn die Ergebnisse nur Ursache bösen Karmas gewesen wären.
Gilt aber auch für alle anderen Funktionsträger in diesem Club. Da muss man sich an Erfolgen messen lassen.
Ich glaube, dass Profifußballer bereits jetzt genug Stress, Druck und sogar Anfeindungen ertragen müssen. Wenn man auf lahme Gäule nur immer weiter einprügelt, werden sie keine Rennpferde. Diesen Druck kannst Du vielleicht bei Bayern machen, wo die besten Spieler des Landes rumlaufen, weil die bereits wissen, dass sie super sind. Aber so einen Durchschnittskicker bei Werder, den verunsicherst du nur, wenn Du von ihm Dinge verlangst, die er gar nicht kann. Dem muss man helfen, Dinge mitgeben, die Orientierung bieten.