Ich vermute das die meisten die mit diesem Argutargument ankommen, die Zeit gar nicht mitgemacht haben. Was einen in den späten 90ern ankotzen konnte, war die Art und Weise wie Werder Fussball gespielt hat. Das war halt Steinzeit nach Otto. Aber die Platzierungen waren um längen besser, als der Müll den wir uns unter Thomas Schaaf in den letzten drei Jahren anscheuen müßen:
Natürlich hab ich die Zeit miterlebt, ich würde sonst nicht drüber sprechen!
Die Platzierungen sind mir egal - sie sind mir auch heute egal, solange es nicht wieder zum Abstieg kommt. Der Fussball damals war schlimm, einfach nur grausam. Selbst in dieser Saison hat das Team oft genug hoffnungsvollere Spielanlagen gezeigt als in den ganzen Jahren damals.
Momentan ist die Situation anders als damals.
Die Mannschaftszusammenstellung ist diese Saison interessant und sehr risikoreich gewesen. Grundsätzlich - und das hat das der Beginn der Saison gezeigt - ist dieses Team gut für offensiven "Spaßfussball". Das Problem: Bleiben die Erfolge aus, dann verliert sich auch der Spaß und statt dessen kommt Angst und Selbstzweifel auf. Angst und Selbszweifgel sind die absoluten Killer der Kreativität. Ohne Kreativität und Spaß gibt es auch keinen Spaßfussball sondern Krampf.
Ein Beleg für die Richtigkeit dieser Annahme ist auch die unglaubliche Heimschwäche. Das ist die Folge von purer Versagensangst.
Schaaf hat leider nur max. 2 Jungs zur Verfügung, denen ich ansatzweise zutraue, sich damit abzufinden, das man ein Spiel nicht mit spielerischen (kreativen, technischen) Mitteln gewinnen kann aber dafür mit Kraft und Brechstange. Das ist in Situationen wie der jetzigen sehr wenig und das war das Risiko dieser Mannschaftszusammenstellung. Ich bin überzeugt: Hätten die das eine oder andere Spiel gewonnen, in denen sie SPIELERISCH überzeugten und mit Pech verloren, dann sähe die Welt jetzt anders aus.
Was Thomas meiner Meinung nach eigentlich genau richtig macht ist das, was ihm hier nicht wenige ankreiden:
Er schickt erfahrene Jungs wie Fritz auf den Platz, sobald die den Gips abhaben und variiert die Positionen der Spieler. So etwas kann dazu beitragen, das Spieler ihre Kreativität reanimieren, weil sie sich gewissermaßen neu erfinden müßen wenn gewohnte Strukturen aufgebrochen werden.
Gegen VW fand ich es z.B. absolut nachvollziehbar, Sokrates auf links spielen zu lassen (damit dieser seinem Offensivdrang unbeschwerter nachgehen kann) und Prödl, der ja in den letzten Spielen durchaus überzeugt hat, mit Vertrauen zu motivieren.
Mit dem ersten Gegentor war der Schock da und die Mannschaft spielte wie gelähmt. Auch in dieser Situation fand ich die Reaktion von TS RICHTIG, mit der reinnahme eines Stürmers und der Umstellung auf die gewohnten Positionen zu versuchen, die Selbstsicherheit zu stärken - mit immerhin mäßigem Erfolg. Leider ist auch eines unserer Probleme, das unser Mittelstürmer momentan zwei linke Füße hat und sich seine Einwechslung in keinerlei positive offensiven Energien ausgezahlt hat.
Scheisse, der Großteil der Mannschaft beschäftigt sich in der Krise vorrangig mit dem Thema, zu welchem Verein sie fliehen können. Einer der wenigen, die sich augenscheinlich überhaupt nicht um sich sorgen sondern allein den Verwein sehen, für den sie tätig sind, ist TS - und ausgerechnet der soll hier nach der Meinung einiger vom Hof gejagt werden, wie ein Hund ... wir bräuchten eigentlich MEHR mit der Einstellung von TS und nicht weniger!