Hab mir letztens mal
Fever Pitch von Nick Hornby reingezogen, also sein Schriftstellerdebüt über seine Zeit als Arsenalsupporter, damit ich endlich nachvollziehen kann wieso es von den guardian-footballbloglesern so verachtet wird.
Grundsätzlich versteh ich den Hype immer noch nicht (das Buch wurde ein Verkaufsschlager und zweimal in adaptierter Form für den englischen und amerikanischen Markt verfilmt): natürlich liefert Hornby einen sehr detaillierten Blick in die durchwegs irrationale Psyche eines Fans, der so gut wie alle Bereiche seines Lebens dem Spielplan seiner Mannschaft unterordnet, und die wiederkehrenden Rituale seiner Verarbeitung von Niederlagen, Enttäuschungen, langanhaltenden Durststrecken und den sporadischen Erfolgen von Arsenal in den pre-Arsène Wenger Jahrzehnten sind immer wieder unterhaltsam, weil sie aufzeigen, wie wenig sich im Verhalten der Fans geändert hat im Gegensatz zum Fußballgeschäft und dem Spiel selbst.
Andererseits liest sich das Buch, bedingt durch die autobiografische Grundstruktur, wie eine nicht enden wollende Auflistung von Spielberichten, die einem Leser, der selbst keinen Bezug zur Arsenalsquad der 70er oder 80er hat, wenig Interesse abfordern können. Hornbys persönliche Geschichte als Sohn geschiedener Eltern, Slacker-Schüler/Student und später eher erfolgsloser Journalist, Lehrer und Therapiepatient war für mich eher ausschlaggebend, das Buch fertigzulesen.
Zurück zum schlechten Ruf, den
Fever Pitch bei manchen heutigen Footballfans (vermutl. alle keine Gooners) zu haben scheint; ich denk, der kommt hauptsächlich davon, dass es bessere Bücher über Fußball gibt (
The Damned United,
Brilliant Orange,
The Football Factory u.a.) die nicht annähernd den kommerziellen Erfolg von Hornbys Erstling hatten. Andererseits könnte man auch behaupten, dass Hornby das Genre Fußballfiktion überhaupt erst aus der Taufe gehoben hat.
/edit: Danke Schmolle für die ausführliche Ergänzung zu diesem Titel, ich bin da auch durchwegs ganz deiner Meinung. Es hat schon einen gewissen Reiz, die Sichtweise eines Cambridge-Absolventen auf die damals vorherrschende soziale Zusammensetzung der Fans in den Stadien zu teilen, wie seine Scham über die antisemitischen Schmähgesänge der Arsenalfans bei Spielen gegen Tottenham, dass er sich nie getraut hat, Rassisten in seiner unmittelbaren Nähe zur Rede zu stellen oder einfach der Marsch im Trupp durch die Straßen beim Auswärtsspiel. Anyway, die Nebenschauplätze waren für mich sicherlich interessanter als die jeweiligen Spielverläufe in Highbury.