Welchen Gegner meinst du mit schwach? Gestern die Holländer? Hast du auch mal berücksichtigt wer bei uns in der Abwehr gespielt hat? War das unsere eingespielte Stammformation?
Du sprachst von Gegnern, die alle nicht überlegen waren (insofern passt sicherlich das "schwach" nicht ganz) und hast genau das daraufhin als Beleg einer gewissen Stärke angeführt sowie, dass sehr wohl Chancen herausgespielt wurden. Das ist zum einen völlig richtig, zum anderen ist es jedoch gleichzeitig ein Beleg für Schwäche, wenn wir zu Lasten dieser Stärke dem Gegner solche Räume und Freiheiten wie gegen Nürnberg und Twente gewähren. Desweiteren habe ich selbst geschrieben, dass es an Ausfällen in der Defensive liegt. Aber gerade wenn das so ist, kann ich solch eine Grundordnung im Spiel in keinster Weise verstehen. Klar musste gewonnen werden, aber so lieferte Werder sich praktisch von der ersten Minute an dem vollen Risiko aus. Das ist taktisch ziemlich naiv, besonders auf diesem Niveau. Zudem wird eine nicht eingespielte Mannschaft nicht eingespielter, wenn sie Ordnung und Organisation vernachlässigt.
Zu Twente: Ich war im Stadion und ich fand sie nicht gut, jedenfalls nicht CL-reif. Hinten war Twente keinesfalls sattelfest, da wechselten sich krasse Stellungsfehler mit schläfriger Zweikampfführung ab. Spielerisch durchschnittlich, schafften sie es oft nicht, die Riesen-Räume, die Werder gewährte, effizient zu nutzen. Bspw. bei den Wesley-Rettungstaten hätte einfaches Ausspielen das fast sichere Tor gebracht. Ausserdem verpassten sie es sehr oft, das Spiel geschickt zu verlagern, es wurde die andere Seite und der Rückraum regelmäßig übersehen, wodurch sogar noch übertüncht wurde, dass Twente im Gegenstoß regelmäßig mit vier oder gar fünf Leuten gegen drei Bremer angerannt ist. Dies wurde übrigens erstmals beim 0:1 genutzt. Dass sie trotz einer mehr auf Einzelaktionen ausgelegten Spielweise noch zu so vielen Möglichkeiten kamen, macht die Sache im Grunde noch dramatischer. Wie ich schon zuvor schrieb, sie hatten mit einfachsten Mitteln und weniger Laufarbeit ständig Überzahlsituationen, während Werder, um zu gleicher Anzahl von Torchancen zu kommen, einen hohen Aufwand betrieb und gleichzeitig Schwächen im Umkehrspiel in Kauf nehmen musste. Das hat mit Organisation zu tun, hängt zum Teil mit den vorhandenen Defensivleuten zusammen, aber vor allem mit der taktischen Ausrichtung.
Will eine Mannschaft unter dem Ergebniszwang und unter diesen Umständen erfolgreich spielen, gehört dazu eine optimale Abstimmung auf den Gegner, sukzessive einer Top-Spielvorbereitung und einem strategischen Handlungsrahmen, den der Trainer vorgibt. Im Übrigen hat Ordnung/ Organisation im Spiel, also Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, cleveres Verschieben, generelles Verhalten im Raum nicht in erster Linie was mit offensiver und defensiver Spielweise zu tun. Und nur zum Teil mit Ausfällen.
Die Bauern hast du hoffentlich nicht gemeint mit schwachem Gegner.
An dem Tag waren sie nicht stark. Und absolut schlagbar.
Aber viele hier differenzieren nicht sondern reden fast alles schlecht.
Da fühle ich mich nicht angesprochen.
@Karlotto
Soweit ich mich erinnern kann, habe ich noch nie Einstellungsprobleme in der Mannschaft gerügt.
Wenn diese Ausrichtung nicht vogelwild, die Schieflage erst nach dem Platzverweis da war und Du das erste Mal vor dem 0:1 Mängel in der Rückwärtsbewegung gesehen hast, frage ich mich wirklich, ob Du a) ein anderes Spiel meinst oder b) Dir irgendwie eine bisschen zu viel rosarote Welt zurechtmalst.
@marble
Warum gleich so reflexartig reagieren? Ich habe hier TS bis zur zweiten HZ des München-Spiels verteidigt. Einfach deshalb, weil es recht eindeutig genau an den Dingen lag, wie neu zusammengestelllte Truppe, fehlende Eingespieltheit, Ausfälle etc., vor allem aber wegen des Gesamtkonzepts.
Aber die zweite Halbzeit in München war Harakiri, welches nur deswegen nicht bestraft wurde, weil die Bayern erschreckend schlecht umschalteten, insgesamt selbst einen rabenschwarzen Tag erwischten. Es ging ja gleich ab hier, als ich von einer Tendenz geschrieben habe. Das beschissene, was nervt, ist dass es sich wieder mal sofort bestätigt hat. Letzte Saison wurde hier genau nach dem Freiburg-Spiel von so einer Entwicklung gesprochen.
Werder war gerade auf dem Weg, sich über Ergebnisse Selbstvertrauen zu holen, Schaaf bekam es hin, einigermaßen Sicherheit in die Truppe zu bringen, es war auf dem Platz eine Struktur sowie deutlich erkennbar, dass hier eine flexible, ausgewogene Spielweise angestrebt wurde. Zumal das Team begann, sich einzuspielen. Aber dann kommt das, was in regelmäßigen Abständen von Saison zu Saison zu beobachten ist. Wo man immer den Eindruck hat, dass Schaaf, wenn er merkt, es geht in die richtige Richtung, zu schnell zu viel will. Besonders weil das ganz und gar nicht neu ist, finde ich nicht, dass das, was in den letzten 2,5 Spielen so passierte, nichts mit Vorgaben zu tun hatte. Wie Karlotto behauptet.
Dafür sind jetzt aber nicht die Zeiten und da kann Schaaf auch nur wenig gegen tun.
Wenig? Mal anders gefragt: Wenn er wenig dafür tun kann, dass eine Mannschaft, die bereits die notwendige Qualität, all diese Dinge erfüllen zu können, bewiesen hat, aber nicht abruft, wenn es kein Einstellungsproblem gibt, wenn Taktik und Strategie auf dem Spielfeld nicht zu den Möglichkeiten der Mannschaft passen, was kann er dann tun?