Ich denke das nach über 10 Jahren Ära Schaaf seine Stärken und Schwächen eindeutig auf dem Tisch liegen. Das riesengroße Pfund von TS ist, daß Allofs ihm einen Özil dahinstellen kann und sagt:"Hier hast du 5 Mio´s, mach mal bitte 20 Mio´s draus". So und das kann der Tomy. WIE macht er das denn´? ..... fragen sich jetzt wohl einige. Aber auch das liegt auf der Hand. Schaaf setzt auf EIN gängiges System, indem sich auch junge Spieler zurecht finden und innerhalb dessen sie sich quasi selbstverwirklichen können. Es war jahrelang die Raute und dieses Jahr eben 4-5-1 mit größtenteils Marin als hängende Spitze.
Tja und was ist der Schwachpunk, DIE FLEXIBILITÄT. Deshalb haben wir auch immer Serien, positiv wie negativ. Schaaf hält an einer Taktik viel zu lange fest. Bei ihm ist nicht der Satz "Never change a winning Team" eingebrannt, sondern "Ändere NIEMALS das eingespielte erfolgreiche System". Das läßt uns Sieges-Serien hinlegen und fördert Talente durch Sicherheit, aber es läßt uns eben auch Meisterschaften - zumeist nach der Winterpause, wenn das System noch nicht einstudiert ist - innerhalb von 6-7 Niederlagen verspielen. Man muß halt vorher wissen, ab wann ein System nicht mehr erfolgreich ist oder eben nach den ersten Anzeichen schnell reagieren und umstellen. Und da ist TS zu ängstlich oder zu stur!
Die letzten drei Spiele diese Saison zeigen das schwere Umdenken bzw. die mangelnde Antizipationsfähigkeit, wann der richtige Zeitpunkt ist eine Taktik bzw. ein System zu ändern anschaulich. Als man gegen Schalke antrat war die Taktik glänzend gewählt und Marin zurecht durch Boro ersetzt worden. Allerdings muß man sagen, daß selbst die altersschwächste Domkrähe vorm Schalkespiel schon vom Dach geträllert hat, das man auf Schalke eher abwartend spielt. Von daher war es jetzt eher nicht so überraschend.
Nach diesem überzeugenden Erfolg kam nun der HSV. Es war zugegeben eine schwere Situation, da man schwerlich abschätzen konnte wie die beiden Spiele nun zeitgleich laufen (also auch das Leverkusen Spiel). Allerdings sind wir zuhause nunmal auch in der Pflicht das Spiel zu machen und es ist gegen spielstarke Mannschaften wie HSV nunmal gefährlich sich hinten rein zu stellen. Wie gesagt gegen spielSCHWACHE Mannschaften wie Schalke ist das richtig, da diese eigenständig wenig Druck aufbauen können. Am Ende hatte man es geschafft, auch wenn ich sage das wir auch schon gegen den HSV zu defensiv gespielt haben und viel zuviel gezittert haben. So hielt TS diese defensive Variante nun für Erfolgsfähig und daraus folgte "Ändere NIEMALS das eingespielte erfolgreiche System". (Ihr erinnert Euch

)
Er versuchte es auch gegen Bayern auf diese Art, weil er in den letzten beiden Spielen damit erfolgreich war. Er meint das wohl wörtlich, wenn er sagt:" Wir schauen nur auf uns". JEDER halbwegs versierte Amateurtrainer wäre klar gewesen, daß man gegen die spielstärkste Mannschaft (möglicherweise Europas) sich nicht so tief stellen hätte dürfen. Eine defensive Variante konnte nur dazu führen, daß man den Bayern das Mittelfeld überläßt und was dann passiert haben wir gesehen, daß möchte ich nicht im Einzelnen schildern. Dazu kamen personelle Fehler: Özil als hängende Spitze (verschenkt), Hunt mit defensivaufgaben (Katastrophe, da unser Aaron ein klassischer Schönwetterfußballer ist, der auf Schnörkel steht), Boenisch gegen Robben mit Doppelungsunterstützung durch Boro (Auch Katastrophe, da keine Aufbau nach vorne möglich). Marin und Almeida auf der Bank (verschenkt). Er hat die Spieler für das System geopfert. Ergebnis: Totale Verunsicherung, keiner fand sich zurecht. Wir haben den Pokal in der ersten HZ verloren. Alle Wiedergutmachungsversuche zweite HZ und der daraus folgende Abschuß, war nur die Konsequenz einer völlig verkorksten Taktik aus der ersten HZ.
Vor allem ärgert mich das mit Marin, Der Junge brennt lichterloh vor der WM und war in bestechender Form. Ihn taktisch gegen Schalke rauszulassen war richtig. Ihn danach aber noch zwei Spiele (HSV und Bayern) und das vor der WM, so kaltzustellen war VOLLKOMMEN falsch.
Tja und so halten sich bei TS die Stärken und die Schwächen die Waage. Aber so lange er aus 5 Mio´s glatte 20 Mio´s macht, solange bleibt er im Amt und das Management wäre, ob Werders finanzieller Situation, mit einem Klammerbeutel gepudert, wenn sie Ihren lukrativsten Angestellten kaltstellen würden.
Aber taktisch dazulernen - bei aller hanseatischen Sturheit - darf unser TS trotzdem. Denn Stillstand ist Rückschritt. :svw_applaus: