Die Frage ist aber dann auch, ob und wie weit sich die Aufklärung in alle Schichten der Bevölkerung verbreiten konnte.
Auch wenn die frz. Revolution von der breiten Masse getragen und z.T. mit initiiert wurde (Marktfrauen etc.), so haben doch die gebildeten Mittelschichten die Führung übernommen.
Ich neige ja eher dazu, den angelsächsischen Vorbildern (Magna Charta, Commonwealth, Glorious Revolution; USA - die sich übrigens an den Niederlanden orientierten, hab ich gar nicht gewusst) und Philosophen mehr Bedeutung bei der Entstehung der heutigen Demokratien zuzumessen.
Die Aufklärung hat sich v.a. auf der Stadt verbreitet. Schriften, Flugblätter, Salons. Stände wurden auch vermischt, man traf sich gemeinsam.
Abgesetzt davon waren zunächst die Bauern.
Mit der gebildeten Mittelschicht ist das so eine Sache. Sowas entwickelt schnell eine Eigendynamik. Deswegen laufen auch viele mit. Man will doch dabei sein, wenn etwas neues entsteht.
Es sind dann ja Clubs entstanden. Beispiel: In dem Jakobiner-Club waren die Führungstiere die, die selber intelektuell waren. Anwälte waren vertreten (wie Robespierre oder Roux). Und die stehen den Kleinbürgern auf der Straße nahe. Denen wiederum geht es nicht primär um die politische Ordnung, die wollen einfach was zu beißen.
Daran zeigt sich, dass die Revolution viel aus Interessen einzelner Gruppen bestand. Führungsriegen waren intelektuell und gebildet (sind heute Führungstiere der NPD auch, während der Nazi auf der Straße oft eher der kleine Mann ist).
Deine These mit den Angelsachsen ist deswegen interessant, weil der entstehende republikanische Staat in Amerika auch Franzosen motiviert hat. Und die Engländer waren wie gesagt 100 Jahre eher dran. Aber beide Länder sind vom Festland abgeschottet, der Kontakt mit den neuen Strukturen lief über Frankreich mit Revolutionsidealen, die ins Ausland getragen wurden, ausländischen Intelektuellen, die ihn Pariser Salons aus- und eingingen und dem nationalgedanken, der in den befreiungskriegen eine Rolle spielt.
@hauser: Ich denke nicht, dass wirklich direkt die Aufklärung nach China rübergeschwappt ist. Die Freihäfen waren für den Westen erstmal Mittel zum Zweck und waren für Handelsinteressen da. Und der Kontakt zur Außenwelt bestand auch nur über diese Handelsinteressen, später kam noch u.a. Missionierung dazu - und ein christlicher Missionar klärt ja nicht auf, der würde den Teufel tun (Wortspiel!) eine religionskritische Bewegung weiterzutragen.
Warum sich China liberalisiert hat liegt mMn eher daran, dass man sich aus der kaiserlichen Kontinuität gelöst hat. Dabei entstand auch eine politische Öffentlichkeit. Aber nicht über die Aufklärung. Die Erziehung war z.T. zwar westlich angelegt, aber eher auf das bezogen, was man zur der Zeit unter westlich verstand und nicht auf eine Bewegung bezogen.