@Schmolle:
Ich hatte Oscar Wilde aus irgendeinem Grund im Kopf und deshalb hab ich da wohl was vermischt...
Ich bin jetzt gerade erst bei Teil 2 angelangt, aber es sind schon bisher sehr viele Aspekte an dem Buch, die ich faszinierend finde.
Es folgt eine kleine Aufzählung:
Natürlich das Prophetische, dass diesem Buch anhaftet. Ich kann nicht sagen, in wieweit Orwell von anderen Werken beeinflusst ist, weil ich sie schlicht nicht gelesen habe. Aber an vielen Ecken muss man einfach denken: Würde die DDR heute erst gegründet werden, sähe sie wahrscheinlich sehr ähnlich aus, wie es Orwell beschreibt. 1984 war vielleicht etwas früh, aber die technischen Voraussetzungen, von denen er ausgeht sind heutzutage verfügbar, bzw. sind mittlerweile übertroffen worden.
Dann die Stimmung die verbreitet wird. Die Sprache die verwendet wird, ist sehr schmucklos und die Umstände die beschrieben werden, lösen in mir ein sehr beklemmendes Gefühl aus. Zum Beispiel der Umstand, dass man ständig vom Staat direkt und ebenso von den Parteimitgliedern immerfort beobachtet wird und man fürchten muss, durch eine falsche Bemerkung oder auch nur auf Grund einer einzigen zweideutigen Geste in den Fokus der Gedankenpolizei zu rücken, was gleichzeitig den Tod, bzw die Vaporisierung bedeutet.
Und der Roman ist voller interessanter Gedankenspiele:
Ich liebe das Szenario, die einen in eine parallele Welt führen, wie hier mit den drei Machtblöcken Ozeanien, Eurasien, Ostasien. Ich denke, dass Orwell noch viel Platz lässt in der Ausarbeitung der Romanwelt, aber ich finde es sehr anregend mir eigene Gedanken zu einem solchen Szenario zu machen.
Oder das Konzept der Neusprache, dass sich auf die Theorie bezieht, dass Menschen durch ihre Sprache in ihrer Persönlichkeit geformt werden können (woran ich zu einem gewissen Maß glaube. Man muss sich nur Nazi- oder Sozialismus-Sprache vor Augen führen).
Oder auch das immer fortwährende Verändern der Geschichtsschreibung, um die Gehirne der Menschen zu waschen. Die Vergangenheit existiert quasi nicht mehr und die Erinnerung fällt schwer, wenn alle Beweise permanent vernichtet werden.
Oder auch die zeitgenössische Kritik Orwells an der Masse der Menschen, in Form der Proles, die in Armut leben, aber nicht fähig zur Revolution sind, weil sie sich im System eingerichtet haben, denn die Partei behelligt sie nicht weiter.
Interessant ist auch das Konzept des Zwiedenkens, dass ich selber noch nicht gänzlich geschnallt. Und und und und....
Ich sollte vielleicht nicht so viel schreiben und mal weiter lesen. In diesem Sinne wünschen ich allen Usern hier ein erlesenes Wochenende!