Ist schon gruselig, was hier und in den sozialen Medien geschrieben wird. Viele wollen anscheinend lieber eine erfahrene Gurke als ein unerfahrenes Genie, um es mal überspitzt auszudrücken. Ständige Trainerwechsel zu irgendwelchen austauschbaren Trainern bringen uns vielleicht kurzfristigen "Erfolg" im Sinne von Klassenerhalt - wobei man bei einem Wechsel ja nie weiß, ob der alte Trainer es nicht auch gepackt hätte - aber langfristig werden wir eine graue Maus bleiben. Keiner der hier ständig genannten Trainer ist ein Erfolgsgarant. Das sind alles Feuerwehrleute, die dies aus gutem Grund sind. Keiner davon hat langfristig Erfolg gehabt, abgesehen von kurzen Hype-Perioden.
Werder hat eine gewisse Spielphilosophie, die vom Verein ausgegeben wird und Schaaf hat diese damals perfekt ausgefüllt. Gehen musste er letztendlich, weil der Druck zu groß wurde, obwohl es gar nicht mal unbedingt alleine in seiner Verantwortung lag, da die Transfers ziemlich daneben waren über Jahre. Danach kamen nur noch Trainer, die diese Philosophie nicht ausführen konnten oder wollten und deswegen scheiterten. Diese Philosophie ist aber einfach Werder. Bremen will kein Werder, das langfristig Ergebnisfußball spielt und auch die Liga schätzt Werder genau dafür.
Genau aus diesem Grund setzt Werder auf Eigengewächse auf dem Trainerposten, mal von den Kosten abgesehen.
Florian Kohfeldt lebt diese Philosophie und gehört nebenbei zu den hochgeschätztesten Trainern in der Liga. Viele Vereine würden ihn sofort mit Kusshand nehmen, auch Top-Vereine, wenn er irgendwann mehr Erfahrung vorweisen kann, auch international. Ein solches Trainertalent hatten wir in Deutschland zuletzt mit Taschentuchel oder Klopp. Nagelsmann nehme ich mal raus, weil ich persönlich von dem nicht viel halte.
Hinzu kommt, dass wir derzeit sehr gute Griffe in den Transfers tätigen.
Um es vorweg zu nehmen -> Kein Trainer dieser Welt kann auf ewig eine weiße Weste haben. Auf gute Jahre folgen auch schlechte Jahre und das macht sich vor allem bei finanzschwachen Vereinen bemerkbar. Was Kohfeldt bei uns macht, hat so ziemlich alles Hand und Fuß. Er ist beliebt bei den Fans und den Spielern und genießt generell sehr hohes Ansehen. Natürlich hat er auch seine Schwächen, aber er hat auch das Potenzial, uns wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Das zeigen gerade solche Spiele wie gestern. Die tragen seine Handschrift. Einen solchen Trainer kann man nicht einfach entlassen, nur weil es mal wieder schlecht läuft. Man muss zusehen, dass man MIT Florian Kohfeldt aus dieser Situation rauskommt, denn an ihm liegt es nicht. Er hat die Auflage UND den Willen, dass wir spielerisch aus dem Abstiegskampf rauskommen, da er - und das kann man nur schwer von Außen beurteilen - der Ansicht ist, dass wir keine Mannschaft haben, die über Zweikampfhärte und Ergebnisfußball aus diesem Loch rauskommen kann. Vom Gefühl her würde ich aber sagen, dass er da Recht hat.
Diese Mannschaft hat gestern wieder gezeigt, wozu sie eigentlich in der Lage ist und genau das ist es auch, was Kohfeldt ihnen immer wieder einimpft. Es ist generell schwierig, einen Schuldigen für die miese Saison zu finden, da die Probleme vielschichtig sind. Angefangen hat alles mit den vielen Verletzungen zu Beginn der Saison. Bevor man sich richtig finden konnte, wurde die Mannschaft auseinander gerissen und war lange Zeit der reinste Flickenteppich. Einzelne Spiele kann man so überstehen, aber nicht die halbe Hinrunde. Und wie das so ist, wenn trotz guter Leistungen die Ergebnisse nicht stimmen, dann gehen Selbstvertrauen und Leistung in den Keller, so gesehen nach der ganzen Unentschieden-Serie im Herbst. Danach ging es spielerisch immer weiter bergab, obwohl die Verletzten langsam wieder zurückkamen. Die Lücke, die Lücke hinterlassen hat, konnte zudem niemand kompensieren. Sargent ist einfach noch zu jung und in einem Formtief und ansonsten hatten wir bis letzte Woche keinen Strafraumstürmer. Das ist auch derzeit eines unserer Hauptprobleme. Da wir vorne nahezu null Durschlagskraft hatten, mussten sich unsere Gegner kaum Mühe in der Defensive geben und konnten die Mühe in den Angriff stecken. Darum haben wir Spiele wie gegen Paderborn, Hoffenheim oder Augsburg verloren, aber auch gegen die Dosen war das auffällig. Die tiefliegende Verunsicherung der Mannschaft tut ihr Übriges dazu. Die gute Nachricht ist, dass wir personell wieder besser aufgestellt sind mit Selke und dass die Mannschaft gestern sehr viel Selbstvertrauen tanken konnte.
Ich bin sicher, dass wir das alles MIT Floko überstehen werden und wir noch sehr viel Spaß an dieser Mannschaft haben werden. Wir müssen nur mal Geduld haben und auch mit Rückschlägen umgehen, denn selbst wenn wir nächste Saison wieder eine gute Saison hinlegen, es kann auch direkt wieder eine miese folgen. Wir haben nun einmal nicht die finanziellen Mittel der großen Vereine, die in einer solchen Situation einfach mal 2-3 Topleute holen, die das Ruder dann rumreißen können. Unser Kader ist nicht doppelt und dreifach gut besetzt. Die Spieler werden auch weiterhin in Formtiefs geraten oder sich verletzen und leider Gottes manchmal auch alles auf einmal.