Ich bin mir nicht sicher, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass er wortwörtlich gesagt hat, Titel seien ihm überhaupt nicht wichtig. Wenn er hingegen gesagt hat, dass er Erfolg anders definiert, dann ist das etwas anderes - und das sehe ich sogar ähnlich, auch wenn ich selbst gern mal wieder auf dem Domshof stehen würde, um einen Titel zu feiern.
Ich würde Erfolg in erster Linie daran messen, ob es gelingt, Jahr für Jahr einen Qualitätszuwachs zu erreichen. Und ich glaube nicht, dass ich damit so weit von Werders Philosophie entfernt liege. Auch glaube ich nicht, dass Werder mit dieser Philosophie auf den Bauch gefallen ist. 2004 sind wir mit einer guten, eingespielten Truppe Meister und Pokalsieger geworden. Ob uns das z.B. mit dem Verletzungspech der letzten Jahre gelungen wäre, stelle ich mal in Frage. Wir haben also die Qualität in der Breite ganz gewaltig verbessert. Dass man diesen Qualitätszuwachs zumindest in der Startelf immer weniger wahrnimmt, ist ab einem gewissen Grad an Qualität einfach normal, weil irgendwann deutliche Schritte nach oben richtig Geld kosten.
Würden wir unseren Erfolg allein an Titeln messen, besteht immer die Gefahr, mit Gewalt Geld in Spieler zu pumpen und durch das finanzielle Risiko dann zum Erfolg verdammt zu sein. Das haben schon einige Vereine vorgemacht, bei denen der Weg dann aber auch genauso schnell wieder nach unten ging. So wurde in der Bundesliga in den letzten Jahren schon eine Menge Geld verbrannt.
Die oben genannte Strategie führt doch dazu, dass Werder nachhaltig zum Kreis der Titelanwärter gehört. Und das gefällt mir besser, als sich teuer einen Titel beschaffen und dann zur Eintagsfliege zu werden.
Fazit: wenn jemand seinen Erfolg nicht in erster Linie über Titel definiert, dann heißt das nicht dass er keinen Erfolg haben will.