Versuchen wir es mal in Form einer sachlichen Analyse
Thmoas Schaaf ist seit nunmehr 9 Jahren verantwortlicher Cheftrainer von Werder Bremen. In der Zeit haben er und Klaus Allofs es trotz schwieriger Bedingungen (ständige Personalwechsel, schwache Einkommenstruktur des vereins, übermächtige Konkurrenz) geschaffft, den Verein in gewisser Weise zusanieren und zu moderniesieren und vom Muff der Rehhagel-Ära endgültig loszueisen. Werder Bremen bekam durch beide wieder ein Gesicht und eine Philosophie, die es ermöglichte von einem durchschnittlichen dauer Ui-Cup-Teilnehmer mit gelegentlichen Ausrutschern in den Uefa-Cup, zum Dauerteilnehmer der CL mit berchtigen Ambitionen auf die deutsche Meisterschaft aufzusteigen. Dafür bin und werde ich mein Leben lang Thomas Schaaf dankbar sein, und erwarte auch weiterhin den nötigen Respekt, den dieser Mann einfach verdient hat, auch wenn man- wie ich- nicht unbedingt immer die gleiche Auffassung von Profifußball teilt. Aber...
es ändert nichts daran das wir Probleme haben. Probleme, die meines Erachtens tiefgehender sind als banale Dinge wie Verletzungen, Müdigkeit oder Formschwäche, die immer wieder vorkommen werden. Werder Bremen entwicklt sich nicht weiter und stagniert nicht einfach, sondern entwickelt sich zunhemend zurück. Unsere Abwehrleistungen werden von Jahr zu Jahr chaotischer, unser Spiel nach vorne unstrukturierter und unsere Leistungen im Allgemeinen schwankender. Das spiegelt sich alles in den Ergebnissen wieder, die wir in den diveresen Wettbewerben dann erzielen. Unsere letzte CL-Achtelfinaleteilnahme liegt 2,5 Jahre zurück. Unsere letzte DFB-Pokal Finalteilnahme noch länger. Einzig und alleine in der BL haben wir in den letzten Jahren weitesgehend unser Soll erfüllt, jedoch drohen wir nun auch hier zurückzufallen, weil andere Teams sich neuen Ideen offener präsentiert haben als es Werder Bremen seit geraumer Zeit getan hat.
Es wurde oben von einem User, den ich schätze, angesprochen, dass diese Mannschaft ein Motivations-und Einstellungsproblem habe und der Trainer keine Schuld daran trage. Kann man so sehen, ich jedoch finde es erschreckend und sehe darin ein alarmierendes Signal. Wenn der Trainer das Team nicht dauerhaft motivieren und anstacheln kann, wer dann? Wir Fans wohl kaum, da wir dem Großteil der Spieler relativ egal sind. Wenn ein Team seit knapp 2 Jahren mannschafstintern immer wieder Probleme hat, die durch mehrstündige Sitzungen aufs Neue wieder ausgeräumt werden müssen, zeigt sich für mich durchaus ein Bild von tiefgründigen Probleme, die nicht nicht richtig oder nur halbherzig angepackt werden. Immer wieder kommt es bei Werder Bremen vor, dass Spieler zu spät kommen, dass im Training Auseinadersetzungen losgebrochen werden, dass Mannschaftskollegen in Fernseh-oder Zeitungsinterviews ihren Kollegen die Schuld für schwache Auftritte geben oder das vollmundig Verbalangriffe auf nationale Konkurrenten losgelassen werden, ansatt seine eigene Leistung zu reflektieren. Das ist das Bild, was Werder Bremen seit fast 2 Jahren in der Öffentlichkeit abgibt, und das macht mir Sorgen. Denn Thomas Schaaf scheint diese Probleme nicht mehr dauerhaft in den Griff zu bekommen. Anweisungen seinerseits werden scheinbar auf dem Feld ignoriert, Spieler spielen offensichtlich unter Form und ein Zusammenhalt, wie er in früheren Tagen vorhanden war, ist für mich als Laie nicht mehr erkennbar.
Werder Bremen wirkt müde, ausgelaugt und in gewisser Weise auch selbstzufrieden. Die letzten Jahre seit dem Gewinn des Doubles haben nicht nur positive nebeneffekte auf den verein gehabt, sondern auch negative. Man ist bei Werder Bremen bequem geworden, weil man in den letzten Jahren vieles richtig gemacht hat und Fehler, die man schon sehr viel eher hätte erkennen müssen, im Zuge des Erfolges einfach ignoriert oder verdrängt hat. "Es ist ja schliesslich wieder gut gegangen", lautet das Motto, welches schon fast als neue Vereinsphilosophie durchgehen könnte. Man hat sich mittlerweile so an den Platz als Nr. 2 Deutschlands gewöhnt, dass man gar nicht mehr auf die Idee kommt Fehler einzugestehen. Es fängt bei der Personalpolitik der letzten 2 Jahre an, in der einfach viele Fehler gemacht wurden, die man auch als sportliche Leitung durchaus mal zugeben kann und endet schlussendlich bei der schlichten taktischen Verfassung des Teams, die mittlerweile hinlänglich bekannt und bis ins Detail geknackt ist. Das einzige, was man in Bremen aber vernimmt: Stille- und die ist unerträglich.
Ich will JETZT keine Trainer Raus-Situation starten, solange ein gewiser Trend in der Saison noch nicht abschätzbar ist. Sollten wir aber weiterhin dieses Jahr weit unter unseren Möglichkeiten spielen und Verbesserung nicht in Sicht sein, so sollte man ehrlich sein und die Situation gründlich überdenken und sich mit dem Trainer dann gegebenfalls zusammensetzen. Neun Jahre sind in diesem Geschäft eine verdammt lange Zeit, in dem irgendwann auch mal der Punkt kommt, an dem ein Trainer alles gesagt, getan, und gemacht hat, was in seiner Macht steht, er aber das Team nicht mehr ganz erreicht, weil gewisse Dinge einfach zu festgefahren sind, um sich noch mal fortzubewegen. Das ist ein natürlicher Prozess, den man nicht verhindern
kann, sondern allenfalls bedauern kann, was ich auff alle Fälle tun würde, sollte es dazu bei uns kommen.