Damit sagst du gerade, die Mehrheit der Fans sei nach dem Erfolg 2004 auf einen fahrenden Zug aufgesprungen. Naja, geschenkt.
Nein, damit meine ich, dass sich die Fans an seine Erfolge 2003 bis 2009 erinnern werden und nicht an die ersten Jahre. Wie ich schon sagte, gab es auch ein Werder vor Schaaf. Sogar ein erfolgreicheres.
Dann hast du offenbar die Rückrunde letztes Jahr verpasst. Sowas grausames habe ich noch nie von Werder gesehen.
Ich habe da bereits hier geschrieben, wie Du weisst. Warum also dieser Quatsch? Und 9 Punkte und -8 Tore sind besser als die 11 Punkte und +2 Torverhältnis? Und zur Chancennutzung hat Norge ja schon was zitiert. So ist es eben mit der Wahrnehmung. Die Fakten sehe oft anders aus.
Natürlich zählt nur zählbares, in Schönheit sterben bringt ja nichts. Es geht in der Diskussion aber ja um grundsätzliche Spielweise und da gibt es den Faktor Chancen erspielen und Chancen verwandeln. Ersteres hat in der Hinrunde ausgesprochen gut funktioniert. Daher hat Werder ja auch Woche für Woche sehr viel Lob eingeheimst, dafür aber leider sehr wenig Punkte.
Du verkennst aber zum einen die Tabelle von Norge und Du verkennst vorallem, dass es nichts bringt, wenn man sich "viele" Chancen erspielt, aber hinten löchrig wie ein Schweizer Käse ist. Aber tendentiell hat man zum Anfang der Saison offensiv gute Ansätze gezeigt. Nur dann hätte es defensiv besser werden müssen. Dies trat nicht sein.
Eben da widerspreche ich. Und sei es nur, weil zählbar, gegen Gladbach und Hamburg. Was schon für sich zeigt: Grundsätzlich geht es, aber dazu gleich mehr.
Ja, wenn der Gegner schwach war oder man einen Sahnetag hatte. Ausreißer nach oben gibt es immer wieder. Dass das System nicht funktionierte, zeigt die Tabelle eindeutig.
Schaafs Konzept fehlt kein 6er, wenn überhaupt fehlt ihm ein 6er der den Ansprüchen genügt, siehe dazu den nächsten Absatz.
Was bedeutet für Dich die Aussage "Heute haben wir ohne Torwart gespielt!". Hier bedeutet es, dass der TW eine ganz schwache Leistung gebracht hat. Und Werder fehlt einer 6er (der bundesligatauglich ist, natürlich).
Wie ich schon anmerkte hat die Mannschaft mehr als nur ein mal gezeigt, dass sie das was Schaaf verlangt umzusetzen imstande ist und das vor allem im in der Hinrunde gezeigten 4-1-4-1 (das aktuelle 4-2-3-1 überzeugt mich dagegen nicht). Die große Frage um die sich hier doch letztlich alles dreht ist:
Warum erleben wir eine auf und ab und nicht eine langsame Stabilisierung des Systems, die berühmten Mechanismen?
Ich bin der Meinung, dass das was Schaaf an Vorgaben setzt, die Spieler stark fordert und mitunter macht es den Eindruck, dass es die Spieler überfordert. Daraus kann man jetzt unterschiedliche Konsequenzen ableiten: Eine Konsequenz wäre, die Spieler sind einfach zu schlecht, Schaaf muss seine eigenen taktischen Ansprüche an die Mannschaft herunterschrauben. Tut er es nicht, stünde er zu Recht zur Disposition. Eine andere Konsequenz wäre: Die Spieler sind jung und Schaaf will sie entwickeln. Dann wäre es falsch die Ansprüche runterzuschrauben, dann müssen sie an der Aufgabe reifen und wachsen. Das kann schnell gehen und funktionieren (die Hoffnung hat die Hinrunde durchaus gegeben) oder aber es hapert und kostet mehr oder minder die Saison.
So jung sind die Spieler nicht und so unerfahren ebenso wenig. Wir reden ja nicht von einer Schülermannschaft. Wir reden von einer Mannschaft, die die EL erreichen wollte und nun gegen den Abstieg spielt.
Wie wäre es denn mit Variante 3. Schaaf lässt seine Mannschaft ein System spielen, das die Mannschaft überfordern muss, weil es nicht konstant umsetzbar ist. Dies kann man auch als Untervariante von 1 sehen.
Ich bin für letztere Variante und innerhalb dieser mache ich Schaaf durchaus den Vorwurf zu oft die Spieler bzw. die Positionen zu wechseln. Auf der anderen Seite muss auch Schaaf den Eindrücken aus Training und Spiel gerecht werden und auch wenn das manchmal lange dauert (Elia), kommt er nicht umher dies zu tun. Allerdings halte ich persönlich es für einen Fehler, trotz der fehlenden Tore Elia aus der Mannschaft genommen zu haben. Denn seine schiere Präsenz auf dem Flügel, genau wie bei Arnautovic, bindet Gegenspieler. Und wie schon mehrfach angesprochen: Uns fehlt eine Alternative zu Petersen. Das soll gar nicht mal als Kritik an Petersen selbst verstanden werden, der spielt halt erst seine erste voll BL Saison, als daran dass jeder Stürmer, auch ein Pizarro damals, eben mal seine Pausen braucht und Petersen bekommt sie nicht was uns ein Problem bringt. Aber daran kann der Trainer nun leider auch nichts mehr ändern, diese Entscheidung wurde von KATS vor der Saison so getroffen.
Ich bin für die Variante 3. Man darf nicht übersehen, dass Schaaf nun im dritten Jahr an den eigenen Zielen ziemlich kläglich gescheitert ist. Und dies mit einer relativ jungen Mannschaft, aber eben genauso mit einer erfahrenen.
Und dieses "die Mannschaft braucht Zeit" kann man bei einer Jugendmannschaft vielleicht so sehen, aber sowas geht nicht in der Bundesliga. Zu dem wird die Mannschaft nächstes Jahr mit Sicherheit wieder anders aussehen.
Alternativen zu Petersen gäbe es mit Akpala oder einer falschen Neun dB oder MA...
Für mich macht der Systemwechsel keinen Sinn. Er ist halt nur der sichtbare Beweis für das Scheitern der Ideen von Schaaf. Hier liegt eben auch eine enorme Schwäche bei ihm. Wie viele Systeme wurden versucht. 4-2-2-2, Raute, dann wieder ein 4-2-2-2, dass in ein 4-5-1 wechseln musste und dann zur Raute kippte. Dann ein 4-5-1, letztes Jahr wieder Raute und diese Saison ein 4-3-3. Ständige Versuche, die aber selten durchgezogen wurden. Letztlich war es nur die Raute, die sich mal eine Saison halten konnte. Für mich haben die letzten Maßnahmen viel von Aktionismus und dem Verusch die Schuld an der Misere auf best. Spieler zu schieben.


